Trump & Hillary

​Trump hat also bei der TV-Debatte gegen Hillary abgestunken. Sie: Geschliffen und cool argumentiert. Er: Hilflos herumgestammelt, gepöbelt und am Ende behauptet, sein Mikrofon sei irgendwie defekt gewesen. Was wird jetzt passieren? Nun, diejenigen, die bisher seine Fans waren, werden noch fester zu ihm stehen. Und überdies wird er noch neue hinzugewinnen. 

Warum? Weil, seine Anhänger sich abgehängt und zurückgesetzt glauben. Von gebildeten, coolen, gutaussehenden Menschen, die mit elaborierter Sprache eine nicht durch Logik, sondern durch Emotionen begründete Haltung wegdiskutieren. 

Das kann nicht funktionieren. Es treibt die Leute nur noch immer schneller und immer trotziger in die Arme der Populisten und Demagogen. In den USA wie bei uns.

Wenn die so weitermachen, wird in den USA Trump auf Sicherheit der „letzte Präsident of ‚murica“ und bei uns die A(dol)fD regieren …

„Backenfutterparty“ im Nochtspeicher

„Zeit für Zorn? – Die Türsteherlesung: Backenfutterparty“
Mittwoch, 02.11.2016, 19 Uhr (Einlass). Im Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 68a, Hamburg-St. Pauli
Tickets: St. Pauli Tourist Office (Wohlwillstraße 1, Hamburg-St. Pauli) und im Gun Club (Hopfenstraße 32, Hamburg-St. Pauli)

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern

 
Heute: Das Substitut
 
Man fragt sich ja als freiberuflicher Sprecher, wann wohl das erste Job-Angebot im einstelligen Vergütungsbereich eintrudelt. So nach dem Motto: „Wie, neun Euro plus MwSt. reichen nicht aus für das Voice Over? Aber das dauert doch bloß zwei Minuten …“
 
In Wirklichkeit sind die visionären Auftraggeber natürlich schon längst einen Schritt weiter.
 
„Schönen Guten Morgen, Herr Hacker! Wir hatten ja neulich über die Vertonung mehrerer Schulungsfilme für unsere Mitarbeiter gesprochen und sie hatten schon einmal einen Teil eines Films als Beispiel produziert. Nun, wir haben uns entschlossen, das jetzt anzugehen. Allerdings möchten wir als Sprecher unseren neuen Empfangs-Praktikanten einsetzen. Der hat auch so eine tolle Stimme. Und kostet uns nichts, weil er eine Art Job-Maßnahme bei uns macht. Sagen Sie, Sie haben doch eigene Aufnahmemöglichkeiten … wäre es wohl möglich, dass er die Schulungsfilme bei Ihnen einspricht? Vielleicht könnten Sie ihm dann auch gleich den einen oder anderen Tipp bezüglich der Aussprache geben?“
 
„Gern. Es kostet dann allerdings das Doppelte der ursprünglich im Angebot aufgeführten Vergütung.“
 
„Wieso das denn? Sie werden dann doch gar nicht mehr als Sprecher tätig!“
 
„Richtig. Aber bei Fremdaufnahmen in meinem Studio gibt es eine Kaffee-Mindestabnahme. Und der kostet leider so einiges.“
 
„Davon habe ich ja noch nie gehört! Das finde ich jetzt sehr seltsam, muss ich sagen!“
 
„Guck an, da sind wir schon zwei …“

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Das Gender-Schlupfloch

„Hacker, schönen guten Tag. Sagen Sie, wir haben vor geraumer Zeit, lassen Sie mich lügen, ich glaube, es sind mittlerweile drei Monate, doch diese Abmachung getroffen: Sie beauftragen mich als exklusiven Sprecher für ihre Firmen-Imagevideos, die Werbespots, den Off-Kommentar in ihren Mitarbeiter-e-learning-Videos, und ich leihe meine Stimme im Gegenzug nicht ihrer Konkurrenz.

Jetzt habe ich bereits zwei Aufträge direkter Marktwettbewerber abgelehnt, von Ihnen aber noch immer keinen Laut bezüglich eines Sprecherjobs gehört, was ist denn da los?“

„Oh, Herr, äh, Hacker, schön, von Ihnen zu hören. Ich hoffe, es geht Ihnen gut, gesundheitlich alles in Ordnung und die Auftragslage prächtig.“

„Ja, letzteres ja nicht so ganz, da ich von Ihnen so gar nichts höre …“

„Wir haben zur Zeit leider gar nichts für Sie. Zwar gab es einigen Output unserer firmeneigenen Videoschmiede, aber da haben wir auf eine weibliche Stimme zurückgegriffen.“

„Moment mal, wir haben eine gegenseitige Exklusivitätsvereinbarung! Diese wird von Ihnen verletzt, wenn sie einfach so eine andere Sprecherin einsetzen!“

„Unsere Marketingabteilung meinte aber, eine weibliche Stimme sei verkaufsfördernder.“

„Nichtsdestotrotz ist das ein Bruch des Vertrags. Sie haben unterschrieben, dass Sie keinen anderen Sprecher einsetzen!“

„Ja aber, das ist doch eine Sprecherin, kein Sprecher. Wir würden natürlich nie einen anderen Sprecher hinzuziehen.“

„Sprecher oder Sprecherin macht keinen Unterschied – wir haben einen Vertrag. Den ich im Gegenzug streng einhalte!“

„Ja aber, die Sprecherin war auch um einiges günstiger als Sie! Und unsere Marketingabteilung hatte gerade erst die Budgets neu aufgestellt – da war nicht mehr so viel drin für die Vertonung.“

„Das Budget wird durch etwaige Rechtsstreitigkeiten noch ganz anders belastet, das können Sie mir mal glauben. Ich würde jetzt gern mit der Chefin sprechen, Frau XY, mit der ich damals den Vertrag ausgehandelt habe.“

„Frau XY ist im Mutterschutz und vorerst nicht mehr zuständig.“

„Na, super …“

„Ein Vorschlag zur Güte: Wir hätten da einen kleinen Point-of-Sale-Spot für einen Baumarkt. Der wäre doch was für Sie! Da ist eine männliche Stimme sowieso viel kundennäher …“

„Ach, auf einmal!“

„Ja, wir müssten nur noch einmal über den ursprünglichen Preis verhandeln. Der kommt uns im Nachhinein dann doch etwas happig vor …“

„Dick fich!“

„Wie bitte? Ich habe Sie jetzt, glaube ich, nicht richtig verstanden.“

„Ja, ich Sie auch nicht.“


Es bleibt schwierig.

Moderne Telekommunikation

o2 – der Telefonanbieter Ihres Vertrauens …

„Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 30 Minuten … Oh, da haben sie die falsche Nummer gewählt, Sie müssen die Nummer wählen, die Sie mit der SMS bekommen haben … Sie haben keine SMS von uns erhalten? Dann müssen Sie den Kündigungs-Vorgang noch einmal ganz von vorn beginnen …“ „Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 45 Minuten … sofern Ihre Telefonverbindung nicht wie gewohnt unvermittelt zusammenbricht … klick … tuut tuut tuut …“ „Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 50 Minuten … klick … tuut tuut tuut …“ „Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 55 Minuten …“

Ihr Götter, bin ich froh, wenn ich diesen Scheißverein o2 endlich los bin!

Nachtrag:

„Würden Sie mir eventuell den Grund für die gewünschte Vertragskündigung nennen?“
„Sehr gerne. Es liegt an der unfassbar schlechten Verbindungs- und Übertragungsqualität. Schon nach einer Minute ist der Gesprächspartner kaum noch zu verstehen – nur noch Rauschen und Knacken. Selbst kurze Sätze kommen lediglich verstümmelt und zerhackt an. Das ist unerträglich.“
„Könnten Sie bitte etwas lauter und deutlicher sprechen? Sie sind kaum zu verstehen …“

Nur mal so zum Spaß für alle Cineasten

Ein Trailer zu „Casino Royale“ – dem Ur-„James Bond“ von 1954 (die tatsächlich erste Verfilmung eines Fleming-Romans). Mit Barry Nelson als 007 und dem grandiosen Peter Lorre als Bösewicht Le Chiffre. Man sieht: schon im ersten Bond setzte man auf einen deutschstämmigen Schurkendarsteller. 😀 Lorre war tatsächlich auch für die „Goldfinger“-Figur vorgesehen. Dort wurde dann aber bekanntlich ein anderer Deutscher – Gert Fröbe – als Fiesling eingesetzt.

Don’t mess with the devilish man …

An der Fahrrad-Ampel

„Mamaaa!“ „Mamaaaa! Der Mann hat keinen Helm auf! … Warum hat der Mann keinen Helm auf? … Mamaaa! … Jeder muss einen Helm aufhaben! Warum hat der keinen Helm auf?“ Der Dreikäsehoch auf seinem Hampelrad ist völlig außer sich.

„Das ist ein sehr dummer Mann. Deswegen hat er keinen Helm auf. Weil er sehr dumm und alt ist.“

Mamaaa ist sichtlich zufrieden mit ihrer Erläuterung. Ihre Stimme erinnert mich an einen Heliumatmer. Sie spricht weit oben im Hals und presst die Worte laut hervor. Es quietscht in sämtlichen umliegenden Ohren. Sie streicht ihre rotblonden Haare zur Seite und widmet sich einer Whatsapp-Nachricht.

„Hey Kleiner, das ist nicht ganz richtig“, werfe ich ein, „eigentlich trage ich keinen Helm, weil ich erwachsen bin. Und mir niemand etwas vorschreiben kann. Ich darf auch immer Schokolade essen. Und Eis. Wann ich immer ich will. Aber, das darf ja auch jedes Kind.“

„Ich darf keine Schokilade haben! Die ist ungesund!“

„Du darfst keine Schokolade haben? Oh, das ist komisch. Alle Kinder dürfen doch zu jeder Zeit, wann immer sie wollen Süßigkeiten essen. Schokolade zum Frühstück, Eis zu Mittag, Pudding zum Abendessen. Alle Kinder dürfen das. Nur du nicht. Und weißt du, warum du das nicht darfst? Weil deine Mama voll gemein ist. Alle anderen Kinder dürfern immer soviel Schokolade haben, wie sie wollen. Nur du nicht. Du musst außerdem auch immer mit diesem hässlichen Helm herumfahren, weil deine Mutter möchte, dass du so richtig schön doof aussiehst.“

„Die anderen Kinder tragen aber doch auch Helme!“

„Ja, aber nur, wenn du dabei bist. Das hat deine Mutter ihnen gesagt. Sobald du weg bist, setzen alle ihre Helme ab und stopfen sich mit Eis und Schokolade voll. Und du bekommst nichts ab, weil deine Mutter voll gemein ist. Alle anderen dürfen übrigens auch immer so lange aufbleiben, wie sie wollen. Und müssen nie duschen.“

Seine Augen irren zwischen mir und Mamaaa hin und her. Füllen sich langsam mit Flüssigkeit, seine Wangen werden roter. Mamaaa hingegen bekommt im Verkehrslärm nicht allzuviel von unserem Dialog mit …

„Wenn du erwachsen bist, darfst du den Helm absetzen und kannst jede Menge Schokolade haben.“

Ich sehe Hoffnung in ihm aufkeimen …

„Aber das ist erst, wenn du so alt bist wie ich. Das dauert noch vieeeelee Jahre. Du musst erst ganz alt werden. Uralt. Und dann musst du schon bald sterben. Das tut mir sehr Leid für dich.“

Er hat jetzt eine interessante Farbe: irgendwo zwischen rot und violett. Das kleine, feiste Kindergesicht zur leuchtenden Faust geballt. Die Ampel schaltet auf Grün. Ich entferne mich von dem einsetzenden Krawall einer sich zutiefst ungerecht behandelt gefühlten Kinderseele.

Don’t fuck around with Satan’s son.

Tähähähähä …

Zu Hause angekommen, muss ich leider feststellen, dass das Große Sommerfest in der Senioren-Anlage nebenan jetzt erst richtig in Schwung gekommen ist. In den großen Lautsprechern reichen sich Helene Fischer, Truck Stop, Tony Marshall und der alte Holzmichel die Hände und schunkeln meine Bad Karma-Punkte ab, die ich gerade eben noch einmal ordentlich aufgefüllt hatte …

Verdammt!

Intensiv-Gäste

Nein, das geht leider nicht – bei einer Benefiz-Veranstaltung kann ich niemanden auf die Gästeliste setzen. Und nein: ich kann dir leider auch keine Plätze für dich und deine Begleitung reservieren. Nein, auch nicht auf der Bühne an der Seite. Tut mir Leid, aber wir können leider nicht später anfangen – das ist alles zeitlich aufeinander abgestimmt … Nein, auch nicht, wenn wir das Event komplett nach hinten verlegen … Die Getränkepreise beim Event? Nun, die sind auch Teil der Benefiz-Idee … Was? Ja, klar kannst du deine Sodastream-Flaschen mitbringen, musst sie eben nur draußen stehen lassen … Ach, du kannst jetzt doch nicht vorbeikommen? Schade …

Jeder kennt so jemanden. Oder jemanden, der so jemanden kennt.

Die Amsel: Der schlechte Mensch unter den Vögeln

Tiek Tiek Tiek!

(Beispiel-Video)
Neben meinem Küchenfenster ist eine Amsel eingezogen. Sie hat lange nach einer geeigneten Bleibe gesucht, die ihren gehobenen Ansprüchen in punkto Wohnlage, Infrastruktur, Mikro-Klima sowie passendem Baumbestand entspricht.
Jetzt hat sie jedoch festgestellt, dass in den umliegenden Gebäuden scheinbar Leute leben. Und Katzen! Ein nicht hinzunehmender Umstand, wie sie findet. Sie verleiht ihrem Unmut nun lautstark Ausdruck. Über Stunden. Ohne Pause. Die müssen weg, die Störenfriede – dafür wird sie schon sorgen!
Mich beschleicht derweil ein Verdacht: Diese ganz speziellen Vetreter der Drossel-Familie sind die gefiederten Re-Inkarnationen von Menschen, die gern in die Nähe von traditionsreichen Kneipen, Clubs oder Bars einziehen, um die Lokalität anschließend mit fortwährenden Lärm-Beschwerden bei Polizei und Ordnungsamt in den Ruin zu treiben.
Trotz zu Lebzeiten dadurch angesammelten schlechten Karmas erhalten sie später in Tierform noch eine zweite Chance. Die sie als verbohrt-ignorante Zeitgenossen natürlich wieder zuverlässig verkacken. Nichts gelernt und stolz darauf. Und: Zack – von der Katze gefressen …
Tiek Tiek Tiek Würg!