Der verschollene Rucksack

Schöner Türstehen (throw back). Da gestern Nacht nur durchweg verhaltensfreundliche Gäste bei uns im Club waren, die sich clever und smart durch die Partynacht bewegten, damit aber leider keinen Ansatz für eine humoristische Nachbetrachtung boten, hier nun ein Dialog-Klassiker aus der Vergangenheit: Der verschollene Rucksack.
 
„Sach ma, bist du der Türmann?“
„Jup, du vermutest richtig. Wie ich befürchte.“
„Mein Rucksack ist weg!“
„Oh, das tut mir leid.“
„Ich habe ihn bei der Garderobe abgegeben und jetzt ist er weg!“
„Du hast ihn bei der Garderobe abgegeben?“
„Ja. Und jetzt ist er nicht mehr da.“
„Du hast deine Marke vorgezeigt und die Garderobenperson konnte ihn nicht finden?“
„Welche Marke?“
„Die Garderobenmarke, die dir bei der Abgabe deines Rucksacks ausgehändigt wurde.“
„Ich habe keine Marke. Hey, mein Rucksack ist weg! Jetzt mach‘ doch mal was!“
„Du bist wirklich ganz sicher, dass du deinen Rucksack bei der Garderobe abgegeben hast?“
„Ja, doch! Ich habe ihn vorhin direkt neben dem Garderobentresen auf dem Boden abgestellt und bin auf dem oberen Floor tanzen gegangen. Und als ich jetzt wieder loswollte, war der Rucksack weg! Das geht doch nicht!“
„Äh …“
„Der stand da vorhin noch und jetzt ist der nicht mehr da. Wer ersetzt mir denn das?“
„Ich fürchte …“
„Und da war außerdem noch ne fast volle Flasche Cola-Korn-Mische drin. Die ist jetzt auch weg! Kannst du dich dazu mal äußern? Du bist doch hier für die Sicherheit und die Gäste verantwortlich!“
„Nun, genau das ist oft mein Problem …“
 
Es bleibt schwierig …
 

Saubere Sache

Schöner Türstehen an lauen Sommerabenden
Bierbrauerei-Festtage mit anschließender Aftershow auf dem Hamburger Berg bei T-Shirt-Temperaturen übersteigen definitiv das Fassungsvermögen vieler Kiez-Neulinge: Überall sind junge Feiereinsteiger beim Ritual der ruckartigen Verbeugung zu erleben, die dem schwungvollen Rückwärtstrinken vorausgeht, bei dem ein langer Partytag zur traditionellen Dokumentation auf dem Trottoir ausgebreitet wird.
 
Als Gästebetreuungsprofis mit langjähriger Erfahrung bringen die diensthabenden Türsteher nun sogleich ihre vorbereiteten Nachspülmittel-Eimer großzügig gegen die Spuren der künstlerischen Straßenpizzabäcker-Performance zum Einsatz. Wohlriechend steigen die Seifendüfte empor in die laue Abendluft. Die bunten Lichter der Bars und Clubs spiegeln sich geheimnisvoll schillernd hier und da in den Lachen und Pfützen. In die stampfende Beschallung aus den weit offenen Eingängen der Bars und Kneipen mischt sich ein fröhliches Rauschen und Plätschern ablaufenden Wassers. Ein Hauch maritimen Flairs entsteht.
 
Hier und da wird ein Gast, der sich zuvor zur regenerierenden Meditation auf dem Gehsteig niedergelassen hatte, von der reinigenden Seifenbrandung mit in den Rinnstein gespült. Von Kennern als Partymaschinen-Kurzwaschgang hoch geschätzt, ermöglicht dieser Gesamtvorgang eine vollständige Säuberung des Gästekörpers. Innerlich wie äußerlich.
 
Frisch gereinigt verharrt der Bergbesucher dann geduldig im Rinnstein, bis er nach vollständiger Durchtrocknung erfrischt am Feiergeschehen teilnehmen kann. Die Freude ist groß, die Kleidung nun unifarben.
 
Es ist ein sommerliches Wochenende auf dem Hamburger Berg. Und wieder einmal wird allen Party-Elementen – den flüssigen wie den festen – gründlich und enthusiastisch gehuldigt.
 
Eine rundum saubere Sache.

Wohlriechender Fitness-Experte

Wissensmehrung dank Krafttraining. Seit rund fünf Minuten steht der junge Mann mit dem beeindruckend niedrigstelligen Body Mass Index vor einer der großflächigen Spiegelwände der Männer-Umkleide und besprüht seinen vom Work out noch aufgepumpten Glattkörper ausführlich mit raumfüllendem Deo-Duft.

Konzentriert schürzt er die Lippen, eine jähe Falte zwischen den akribisch gezupften Augenbrauen kündet von der Entdeckung kleinster Asymmetrien im Gesamtkörperbild. Sorgsam spannt er jede Muskelpartie an, die aktuell im Fokus des Sprühnebels steht.

Dann scheint die Prozedur beendet.

Er schnappt sich sein Smartphone, das mit seinem Dreibeinstativ auf einem kleinen Regal nahebei stand, und schaltet die Videofunktion ab. An seinen Trainingspartner, der gerade aus dem Duschraum zurückkehrt, gerichtet, verkündet er stolz: „Ey, Digga, jetzt hab isch endlich auch die letzte Sequenz vom After Work Out-Tutorial fertisch. Noch schneiden, dann kann das hoch zu YouTube, das Ding.“

Sie ist fleißig, die Fitness-Jugend. Das muss man ihr lassen. Immer nah dran am Puls der Zeit und ganz uneitel in der Weitergabe ihrer Erkenntnisse. Das finde ich löblich – es nimmt mir die Sorge um die Zukunft unseres schönen Kraftsports.

Wandelnde Datenerhebung

Schöner Türstehen in gesicherten Zeiten

„n’Abend!“
„n’Abend.“
„Schon was los bei euch?“
„Geht so. Alle wohl noch im Park beim Grillen.“
„Is‘ wohl so. Da ist auch noch so’n „Umsonst & Draußen-Festival“ an der Elbe.“
„Ach deswegen ist der Hamburger Berg so leer.“
„Jo.“
„Man steckt nicht drin.“
„Ich geh‘ dann mal rein. Soll ich Dir was an die Tür bringen? Cola, oder so?“
„Nee, alles gut. Ich hab‘ noch. Danke.“
„Na denn.“
„Ich kann dich aber leider nicht mehr in den Club lassen.“
„Was? Wieso das denn?“
„Du bist doch der mit dem fotografischen Gedächtnis, oder?“
„Ja, aber …“
„Das ist leider nach der neuen Datenschutzgrundverordnung ein Problem. Jedesmal, wenn du Leuten begegnest, mit ihnen sprichst oder sie nur ansiehst, speicherst du alle Umstände – Uhrzeit, Ort, Kleidung, Zustand, andere Gesprächsteilnehmer, was gesprochen wurde und so weiter – für den Rest deines Lebens ab. Jederzeit abrufbar. Man muss dich nur fragen. Du bist damit quasi eine wandelnde Datenerhebung. Völlig verboten nach der DSGVO. Und die ist seit heute in Kraft.“
„Ja aber, ich habe doch diese Formulare hier dabei. Vom Hamburger Amt für Datenschutz downgeloadet! Jedem, dem ich über den Weg laufe, gebe ich eines in die Hand, lasse es ihn durchlesen und mir das Einverständnis der Gedächtnisspeicherung quittieren – da bin ich ganz auf der sicheren Seite. Die Formulare beglaubigen mich sozusagen amtlich.“
„Achso, na, das ist natürlich etwas vollkommen anderes. Hast du denn genug von diesen Dokumenten dabei?“
„Habe heute Nachmittag ein ganzes Papierpaket von McPaper durch den Drucker gejagt. Guck, hier im Rucksack.“
„Alles klar! Gib mir doch bitte auch gleich mal ein Exemplar.“
„Gerne.“
„Hast du auch nen Stift?“
„Sicher! Daran soll mein Abend ja nicht scheitern.“
„Da sagst du was. Sicherheit geht vor.“

Traumberufe der Zukunft – heute: Abmahnanwalt/Abmahnanwältin

https://www.heise.de/tp/features/Das-DSGVO-Chaos-ist-angerichtet-4037911.html

In einer Zeit fortschreitender Digitalisierung der Arbeitswelt und der damit einhergehenden Kündigungsflut in den unterschiedlichsten Berufszweigen wird händeringend nach neuen Jobmöglichkeiten gesucht.

Hier erweist sich nun die Passivität unserer Bundesregierung bei manchen EU-Vorgängen als weise Voraussicht.

Dank der neuen EU-Verordnung in punkto Datenschutz stellt ab dem 25. Mai 2018 jedes Knipsen eines digitalen Fotos einen strafrechtlich relevanten Tatbestand dar – sofern der Fotografierende seine Handlung nicht als Staatsorgan (Polizist mit Demonstrationsteilnehmerdokumentationsbedarf) oder Journalist mit direktem Reportagebezug (noch) legitimieren kann. Da eine Digitalkamera neben dem Bild auch Zeit, Ort und GPS-Daten festhält, wird nach neuem Recht schon beim Speichern der Aufnahme das personenbezogene Datenschutzrecht verletzt.

Eine große Chance für den Arbeitsmarkt!

Der Bedarf an Abmahnanwälten und Abmahnanwältinnen wird in den kommenden Monaten drastisch steigen und es nicht klar, ob die vorhandene Anzahl diesbezüglich spezialisierter Kanzleien in der Lage sein wird, die gewaltige Aufgabe mit der bisherigen Personaldecke zu bewältigen. Es gilt, unzählige Schulfotografen, Konzertteilnehmer („Handy in die Höhe“-Halter), Hochzeitsfotografen, Hobbybildner, Sportveranstaltungsablichter, Selfieanfertiger mit Menschen im Hintergrund und viele weitere Straffällige zahlungskräftig zur Kasse zu bitten.

In den Jobcentern hat man bereits damit begonnen, Personal für entsprechende Umschulungsmaßnahmen abzuziehen. Und die rechtswissenschaftlichen Fakultäten der deutschen Universitäten bereiten sich auf eine wahre Bewerbungsflut vor.

Dies könnte die einmalige Chance sein, die Arbeitslosenquote in Deutschland auf ein historisches Minimum herunterzufahren. Vom neu entstehenden Wirtschaftskreislauf eines starken, dynamischen Abmahnmarktes ganz zu schweigen.
Es geht voran in diesem Land!

Unterwegs im ÖPVN

Tapferes Timing

Am Bahnhof Barmbek steht eine junge Frau und spielt sehr virtuos Querflöte. Ich warte in der Nähe auf meinen Bus. Sie intoniert die Titelmelodie der Serie „Game of Thrones“. Um uns herum luftig-sommerlich gekleidete Menschen in der warmen Brise des späten Mai-Nachmittags. Ich muss zugeben: das in den Klängen mitschwingende „Winter is coming“ kann in dieser Atmosphäre nur einen Bruchteil seiner ureigenen Bedrohlichkeit entfalten.

Stadtparkmobilität

Unterwegs unter Menschen

Milde Temperaturen. Man geht hinaus und genießt die belebenden Sonnenstrahlen nach langem Wintergrau. Lustwandelt im lauschigen Park.

Drolliges neues Phänomen dabei: Elektromobilisierte Senioren mit Hightech-Fahrradprothesen, die ihren verzweifelt auf Kinderrädern hinterherkurbelnden Enkeln souverän davonsurren.

Indes: Groß wird der Vorsprung nur selten. Dank künstlicher Beschleunigung in einen Tempobereich jenseits ihrer geistigen wie körperlichen Reaktionsfähigkeiten machen die Vielfaltigen die nötigen Ausweich- und Bremsbewegungen erst nachdem sie schon in parkende Eiswagen oder im Weg herumstehende Kleinfamilien hineinkariolt sind.

Die schweratmenden, vor Anstrengung violettgesichtig aufholenden Kindeskinder dürfen sich dann beim Wiederaufstehen hilfreich einbringen.

Benefit: So kommt zum Ausdauertraining des Nachwuchses auch noch eine Einheit Kraftsport. Für mehr juvenile Gesundheit.

Sprecher für Engel & Völkers Capital

Obzwar ich wohl niemals selbst dort wohnen werde, habe ich dem Projekt natürlich dennoch gern meine Stimme für das Voice Over der Imagefilms geliehen. 🙂

Weitere meiner Sprecherdemos:
http://www.viktorhacker.de/sprecherdemos/

Reisedialoge zwischen Zigeuner und Imperator

Heute: Biologische Haltbarkeitsgrenze
 
Zigeuner: „Man darf ja auch nicht vergessen, dass der Mensch gar nicht dafür gebaut ist, so alt zu werden, wie er heute wird. Das 40. Lebensjahr ist im Prinzip die natürliche biologische Verfallsgrenze. Jedes weitere Lebensjahr ist so etwas wie die Nachspielzeit beim Fußball. Sie folgt keinen festgelegten Regeln, sondern liegt im Ermessen des Schiedrichters.
Der pfeift ab, wenn nichts Spielentscheidendes mehr passiert. Und da wird ab dem Zeitpunkt in der Regel auch nichts Großes mehr kommen, weil der Mensch jetzt ins Greisenhafte welkt. Jede Energie, die er nun noch aufbringt, ist künstlich. Sein Konto rutscht quasi ganz natürlich in die Miesen. Es kommt kein neues Leben hinzu, nur das alte wird immer weiter gestreckt und bis ins Durchsichtige verlängert.
Letztlich sollte der Mensch zusehen, dass er seine Lebensziele – egal welche – bis zum 35. Lebensjahr erreicht hat. Dann kann er sie noch entspannte fünf Jahre lang genießen, bevor die Klappe auf natürliche Weise fällt.“
 
Imperator: „Es wäre also ganz normal, wenn man irgendwann in dieser Zeitspanne aus dem Körperlichen herauswelkt und sich unaufgeregt dem unweigerlichen Drama der Romantik entzieht?“
 
Zigeuner: „Ganz genau. Und zwar nicht nur in Sachen Zweisamkeit und Lebensbeziehungen, sondern auch bei der kurzfristigen Verstrickung.“
 
Imperator: „Du meinst Affären, One-Night-Stands und so?“
 
Zigeuner: „Ganz genau! Aus all diesen Dingen altert man auf natürliche Weise heraus. Sie sollten der Straffheit der Jugend überlassen werden.“
 
Imperator: „Alles andere wäre sowieso ungesund und würde die Nachspielzeit noch weiter verkürzen.“
 
Zigeuner: „Eben.“
 
(aus: „Höllische Zeiten – Unterwegs mit dem Imperator und einer Klobürste“, unvollendetes Manuskript)

Melanchometeorologie

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass es in Hamburg ständig regne. Es gibt etliche andere Orte in Deutschland mit signifikant höherer Niederschlagsmenge.
Man denkt in Hamburg bloß, das Wetter wäre dauernd mies, weil der Himmel immer grau ist. Ok, trist ist es daher natürlich trotzdem, aber eben bedeutend häufiger trocken-trist als nass-trist.
Ein kleiner, aber feiner Unterschied.