Heiligabend. Mal nicht als Freibeuter greifbar

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heiligabend. 19.30 Uhr. Mit Freunden, Patenkindern und überhaupt super Menschen an einem Tisch herumspaßend, der mit leckeren Sachen und wunderbarem Wein bestens bestückt ist. Das Smartphone brummt hartnäckig vor sich hin. Ein neugieriger Blick offenbart: E-mail eines potentiellen Kunden. Ob man kurz eine Demo für einen Sprecherauftrag aufnehmen und schicken könne?

Na, aber sicher doch. Allerdings nur für die Rolle eines leicht trunkenen Weihnachtsmannes.

Ja nee, es ginge um den Off-Kommentar eines Erklärfilms über Mitarbeiterführung und betriebliche Motivation.

Ach echt? Dürfe man denn dort leicht geschärfte Ironie und etwas zitronensauren Sarkasmus in die Stimme einfließen lassen?

Verstehe ich nicht, sagt der Kunde.

Das glaube ich gern, schreibe ich, und schenke mir selbst nochmal reinen Wein ein, während ich mein Telefon abschalte und ebenso leise wie sicher in der Hosentasche verschwinden lasse …

Frohe Weihnachten. Nä.

Türlogik

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

„Junge Dame, kann ich bitte mal einen Blick auf deinen Ausweis werfen?“
„Warum?“
„Nun, du siehst noch reichlich jung aus. Genaugenommen minderjährig, wie mir scheint.“
„Ich muss echt meinen Ausweis zeigen?“
„Daran führt kein Weg vorbei, wie ich fürchte.“
„Aber, es ist doch schon nach halb vier! So spät kontrolliert ihr noch Ausweise?“
„Denkst du, du bist jetzt entscheidend weniger minderjährig, als, sagen wir mal, um halb zwei?“
„Ja, nee – aber jetzt ist es doch viel näher am Morgen, als an der Nacht! Und ich muss immer um halb sieben aufstehen. Da ist das dann ok, dass ich noch nicht achtzehn bin, oder wie?“

… Die Jugend folgt bisweilen einer gewissen, wenn auch verschlungenen Logik, wie ich zugeben muss …