DHL – Der Kampf geht weiter

Besser die Finger davon lassen …

„So, hier sind ihre drei Pakete. Ich brauche noch ihre Unterschrift auf dieser Quittung …“
„Äh, da stimmt etwas nicht – ich erwarte bloß zwei Pakete.“
„Es sind aber nunmal drei.“
„Dieses hier ist nicht meines.“
„Doch.“
„Nein.“
„Aber ja doch!
„Ich mag es zwar nicht, wenn Leute herum-abern, aber auf diesem Paket steht nicht einmal mein Name.“
„Wohl!“
„Ich heiße Hacker, Viktor Hacker. Hier steht aber Hocker, Kevin Hocker.“
„Ja und? Ist doch fast dasselbe!“
„Hören Sie, ich bin zwar in einem sozialen Brennpunkt Hamburgs geboren und aufgewachsen. Ok. Aber für „Kevin“ bin ich schlicht die falsche Generation. Viel zu alt …“*
 
„Sonst meckern Sie immer herum, dass Sie zu wenige Pakete bekommen, und jetzt dieses Geblöke, obwohl Sie eines zu viel erhalten. Nehmen Sie das Paket nun entgegen, oder nicht?“
„Ich bin nicht Kevin Hocker. Ich will sein Paket nicht! Wer weiß, was der sich da bestellt hat …“
„Meine Fresse. Dann eben nicht. Hier, ich habe noch ein unadressiertes Paket – möchten Sie das evtl. mitnehmen?“
„Landen unadressierte Pakete immer bei Ihnen in der Filiale?“
„Manchmal. Wieso?“
„Och, nur so. Falls Sie planen, es zu öffnen, würden Sie dann bitte warten, bis ich weit genug von der Filiale entfernt bin?“
„Hä? Verstehe ich nicht …“
„Macht nichts. Warten Sie einfach ungefähr fünfzehn Minuten, bitte.“
 
DHL – Der Kampf geht weiter
 
*(alles nach dem Sternchen entspringt der dichterisch-humoristischen Freiheit)

Ausschnitt aus dem Bühnenprogramm „Der Türmann“: Kloberatung

Ein Schnipsel des Bühnenprogramms „Der Türmann“. Aufgenommen beim Kunst & Frevel „Comedy Jam“ im Salon Hansen (Mai 2017, Lüneburg).

Die Abenteuer des Alltags

Heute: Nachhaltige Nachbarn

Das ältere Ehepaar aus dem Stockwerk über mir lebt sehr energiebewusst. Erst neulich berichteten sie mir im Treppenhaus ganz stolz von ihrem neuen Fernsehgerät, dass sowohl über eine ordentliche Bilddiagonale – der Nachrichtenmann stünde quasi im Maßstab 1:1 bei ihnen in der Wohnstube -, als auch eine sogenannte „Soundbar“ verfüge.

Diese Leiste aus mehreren Brüllwürfeln unterhalb des Moderators in Lebensgröße diene zur eindrucksvoll verstärkten Abstrahlung verschiedener akustischer Frequenzen in den Zuschauerraum. Nun könnten sie dank dieses raffinierten Apparates jeden Abend ganz wunderbar Strom sparen, indem sie die Akkus ihrer Hörgeräte herausnähmen und für die Nutzung während des Tages schonten.

Die enthusiastischen Erläuterungen vor der Reihe von Briefkästen mit Anti-Werbungs-Aufklebern dauerten noch an, doch ich bereitete mich schon einmal seelisch auf einen weiteren Passiv-Fernsehabend mit dem großen Fest der Volksmusik vor.

Die Sause würde lang werden, denn beide neigten – wie sie jederzeit freimütig von sich aus zugaben – dazu, für gewöhnlich vor dem TV-Gerät einzuschlummern …

Siekstewohl … Türmann mit Bildungsauftrag

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. 22.05 Uhr. Clubtür soeben für den Partyabend geöffnet. Eine Gruppe bayerischer (sie sprechen alle mit diesem furchtbaren „ick“-Fehler – wie in „Honick“, „fruchtick“, „zwanzick“) Austauschstudenten versammelt sich vor dem Eingang. „Servus. Soag amoi, seit wann ist es denn so leer auf dem Kiez?“

„Seit heute Morgen um acht.“

„Echt?“

„Ja. Und nachher früh um acht wird es voraussichtlich auch wieder so sein.“

„Echt?“

„Jo. Aber nur außerhalb der Gäste.“

„Sakra!“

Siekst, wieder Kiezgäste, die jetzt mehr wissen als zuvor. So muss Türstehen. 🙂

Hinüberregnen: Von Winterklamm zu Pinkelnebel

Heute ist Frühlingsbeginn. Sehr gut am Fröhlicheffekt des Regens zu erkennen, der zur Verdeutlichung dieses Phänomens glücklicherweise seit mehreren Tagen unterbrechungsfrei auf uns herabrieselt. Mit dem einsetzenden Frühlingsanfang ändert der Himmelsurin sowohl Farbe wie Temperatur – seine Anmutung wechselt von kaltem Wintergrau zu wärmerem Nebelgelb; die ganze Stimmungslage wirkt unvermittelt vergnügter, lebensbejahender. Auch scheinen die Tropfen, individuell betrachtet, weicher zu fallen. Man glaubt, weniger nass zu werden. Dies ist natürlich ein rein subjektiver Trugschluss. Aber ein tröstlicher. Irgendwie.

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

Nachlese zum Wochenende. Es waren sehr entspannte Tür-Schichten. Leider fast zu entspannt, wie ich befürchte. So rein aus sportlicher sowie gastronomischer Sicht. Nieselregen, kalt, kaum Leute, die sich aus dem Haus trauen.

Aber immerhin ein wunderbar Verwirrter. Kommt mit einer fast vollen Bierflasche in der einen sowie einem halbleeren Longdrinkglas in der anderen – ich vermute Gin and Tonic – nach vorn an die Club-Tür. Scheint uns verlassen zu wollen. Klassische, freundliche Aufforderung: Er möge seine Getränke bitte entweder abstellen oder aber umfüllen. Er deponiert beides auf dem Podest neben dem Eingang, schickt sich an, zu gehen. Überlegt es sich dann nach dem Hinweis, er könne es sich ja auch gern in Becher umfüllen, anders und gießt sein Bier umsichtig in den Longdrink. Guckt uns, den Drink und die Welt im Allgemeinen mit tiefem Stirnrunzeln an, stellt den „Spezialcocktail“ auf die Ablage, tritt hinaus. Erneuter Sinneswandel gefolgt von Rückkehr. Er ergreift das Erfrischungsgetränk, setzt es entschlossen an und leert es mit tapferem Zug. Anschließend schüttelt er sich und verabschiedet sich mit den Worten: „Jungs, das war ein echt guter Abend bei euch, aber das hier, nä, das schmeckt doch echt scheiße, sach ma!“

Ich sage mal: Es bleibt schwierig. Aber: zum Glück muss niemand dabei verdursten.

Schönen Sonntag!

Umfüll-Tremor und ein Verdacht

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. Ein eifriger Gast verlässt den Laden: „Guck, ich habe mein Bier umgefüllt!“
„Cool. Und nu‘?“
„Ja nee, wegen Glasflaschenverbot und so, nä!“
„Vorbildlich. Vor allem anbetracht Deines Zustands.“
„Ja, nä. Aber, welchen Zustand meinst du denn?
„Bestimmt nicht einfach, den Alltag immer so im Griff zu haben, wenn man zeitgleich mit einem akuten Alkoholproblem ringt.“
„Äh, bitte? Ich hab doch bloß n Bier in ’n Becher umgefüllt, ich …“
„Und das trotz des ausgeprägten Tremors! Bewundernswert. Ehrlich.“
„Was’n Tremor?“
„Händezittern. Tritt ja häufig bei schweren Säufern auf. Aber mal was anderes: wie geht denn deine Freundin damit um?“
„Womit?“
„Na, mit ihrer Co-Abhängigkeit. Die nahen Angehörigen sitzen bei einem hoffnungslos Alkoholkranken ja mit im sinkenden Boot. Schon ne harte Sache …“
„Ich hab‘ doch bloß ’n Bier umgefüllt!“
„Und genau das ist der landläufige Irrtum: die erfolgreiche Meisterung der kleinen Verrichtungen des Alltags ist mitnichten das erste, was schwindet, sondern häufig die letzte Kompetenz, die dem Hardcore-Trinker als kurzer Lichtblick vor der langen Nacht verbleibt … Vielleicht sollte ich schonmal eine Kerze für dich anzünden.“
„Das ist ja furchtbar! Du spinnst doch. Ich geh‘ jetzt nach Hause!“
„Bist du sicher, dass du noch eines hast? Ich meine ja nur. Man muss sich manchen Tatsachen einfach mal stellen. Im eisigen Wind der Realität quasi die Brust rausstrecken! Aber, du machst das schon – will nix gesagt haben … Allerdings, dieses beginnende Gelb in deinen Augen, das verheißt nichts Gutes bezüglich der Leberwerte. Hast du den Begriff „Zirrhose“ eventuell schon einmal gehört …“
„Ihr seid ja vollkommen durchgeknallt! Hier komme ich nie wieder her!“
„Bis nächstes Wochenende.“
„Ja, nee.“
„Ja, doch! Ich kenne doch meine Hamburger Berg-Besucher – es ist unvermeidlich.“

Heiligabend. Mal nicht als Freibeuter greifbar

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heiligabend. 19.30 Uhr. Mit Freunden, Patenkindern und überhaupt super Menschen an einem Tisch herumspaßend, der mit leckeren Sachen und wunderbarem Wein bestens bestückt ist. Das Smartphone brummt hartnäckig vor sich hin. Ein neugieriger Blick offenbart: E-mail eines potentiellen Kunden. Ob man kurz eine Demo für einen Sprecherauftrag aufnehmen und schicken könne?

Na, aber sicher doch. Allerdings nur für die Rolle eines leicht trunkenen Weihnachtsmannes.

Ja nee, es ginge um den Off-Kommentar eines Erklärfilms über Mitarbeiterführung und betriebliche Motivation.

Ach echt? Dürfe man denn dort leicht geschärfte Ironie und etwas zitronensauren Sarkasmus in die Stimme einfließen lassen?

Verstehe ich nicht, sagt der Kunde.

Das glaube ich gern, schreibe ich, und schenke mir selbst nochmal reinen Wein ein, während ich mein Telefon abschalte und ebenso leise wie sicher in der Hosentasche verschwinden lasse …

Frohe Weihnachten. Nä.

Charity-Mix-Show auf dem Hamburger Kiez zugunsten Obdachloser

Bei „Comedy for the streets“ lacht das Publikum für andere

Hamburg, September 2016. „Für andere lachen“ lautet das Motto von „Comedy for the streets“. Bei der Premiere der Charity-Show am 16. November auf dem Kiez kitzeln fünf Hamburger Comedians und Kabarettisten die Lachmuskeln ihres Publikums. Ziel der Künstler ist es, den Nochtspeicher zum Kochen zu bringen. Hamburgs sozialer Hafen, das „CaFée mit Herz“, das arme, arbeits- und obdachlose Menschen auf St. Pauli kostenlos mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt, erhält den Reinerlös der Mix-Show. Showbeginn ist um 19:30 Uhr, Einlass eine Stunde vorher.

Viktor Hacker, bekannt als Kolumnist des Kiezblogs „St. Pauli-News“ und aus „Zeit für Zorn? – Die Türsteherlesung“, führt als Moderator durch den Abend und setzt den Rahmen für: Kabarettist, Redner und Spiegel-Bestsellerautor Sebastian Schnoy, Party-Comedian Thorsten Bär, Comedy-Sternchen Alicia Heldt und Newcomer Marvin Spencer. Alle Künstler spielen ein Best-of ihrer Programme und verzichten auf ihre Gage. Denn es geht ihnen um die gute Sache.

Organisator der Show ist Event-Veranstalter Thorben Reinhard von der Agentur International Experience Promotion: „Die Idee, etwas für Obdachlose zu tun, schlummerte schon lange in mir. Als mir dann der Titel ‚Comedy for the streets einfiel’, war das Event-Konzept im Prinzip direkt klar. Alle Künstler haben spontan zugesagt. Jetzt hoffe ich nur noch auf ein ausverkauftes Haus und damit verbunden auf eine große Spendensumme für das ‚CaFée mit Herz’. Es ist so einfach, Gutes zu tun. Und es macht Spaß. Denn unser Abend wird garantiert lustig“, verspricht Thorben Reinhard.

Auf einen Blick: Charity-Mix-Show „Comedy for the streets“ am Mittwoch, 16. November 2016, um 19:30 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr), im Nochtspreicher (Bernhard-Nocht-Straße 69a, 20359 Hamburg). Tickets gibt es im Vorverkauf über Ticketmaster (15 Euro zzgl. Vvk-Gebühr) und an der Abendkasse (17,50 Euro). Den Reinerlös erhält das „CaFée mit Herz“.