Siekstewohl … Türmann mit Bildungsauftrag

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. 22.05 Uhr. Clubtür soeben für den Partyabend geöffnet. Eine Gruppe bayerischer (sie sprechen alle mit diesem furchtbaren „ick“-Fehler – wie in „Honick“, „fruchtick“, „zwanzick“) Austauschstudenten versammelt sich vor dem Eingang. „Servus. Soag amoi, seit wann ist es denn so leer auf dem Kiez?“

„Seit heute Morgen um acht.“

„Echt?“

„Ja. Und nachher früh um acht wird es voraussichtlich auch wieder so sein.“

„Echt?“

„Jo. Aber nur außerhalb der Gäste.“

„Sakra!“

Siekst, wieder Kiezgäste, die jetzt mehr wissen als zuvor. So muss Türstehen. 🙂

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

Nachlese zum Wochenende. Es waren sehr entspannte Tür-Schichten. Leider fast zu entspannt, wie ich befürchte. So rein aus sportlicher sowie gastronomischer Sicht. Nieselregen, kalt, kaum Leute, die sich aus dem Haus trauen.

Aber immerhin ein wunderbar Verwirrter. Kommt mit einer fast vollen Bierflasche in der einen sowie einem halbleeren Longdrinkglas in der anderen – ich vermute Gin and Tonic – nach vorn an die Club-Tür. Scheint uns verlassen zu wollen. Klassische, freundliche Aufforderung: Er möge seine Getränke bitte entweder abstellen oder aber umfüllen. Er deponiert beides auf dem Podest neben dem Eingang, schickt sich an, zu gehen. Überlegt es sich dann nach dem Hinweis, er könne es sich ja auch gern in Becher umfüllen, anders und gießt sein Bier umsichtig in den Longdrink. Guckt uns, den Drink und die Welt im Allgemeinen mit tiefem Stirnrunzeln an, stellt den „Spezialcocktail“ auf die Ablage, tritt hinaus. Erneuter Sinneswandel gefolgt von Rückkehr. Er ergreift das Erfrischungsgetränk, setzt es entschlossen an und leert es mit tapferem Zug. Anschließend schüttelt er sich und verabschiedet sich mit den Worten: „Jungs, das war ein echt guter Abend bei euch, aber das hier, nä, das schmeckt doch echt scheiße, sach ma!“

Ich sage mal: Es bleibt schwierig. Aber: zum Glück muss niemand dabei verdursten.

Schönen Sonntag!

„America first – but St. Pauli last …“

Sogar das Abendblatt berichtet über unseren lütten Videostreich … 🙂

Hier geht’s zum Artikel im Hamburger Abendblatt

Umfüll-Tremor und ein Verdacht

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. Ein eifriger Gast verlässt den Laden: „Guck, ich habe mein Bier umgefüllt!“
„Cool. Und nu‘?“
„Ja nee, wegen Glasflaschenverbot und so, nä!“
„Vorbildlich. Vor allem anbetracht Deines Zustands.“
„Ja, nä. Aber, welchen Zustand meinst du denn?
„Bestimmt nicht einfach, den Alltag immer so im Griff zu haben, wenn man zeitgleich mit einem akuten Alkoholproblem ringt.“
„Äh, bitte? Ich hab doch bloß n Bier in ’n Becher umgefüllt, ich …“
„Und das trotz des ausgeprägten Tremors! Bewundernswert. Ehrlich.“
„Was’n Tremor?“
„Händezittern. Tritt ja häufig bei schweren Säufern auf. Aber mal was anderes: wie geht denn deine Freundin damit um?“
„Womit?“
„Na, mit ihrer Co-Abhängigkeit. Die nahen Angehörigen sitzen bei einem hoffnungslos Alkoholkranken ja mit im sinkenden Boot. Schon ne harte Sache …“
„Ich hab‘ doch bloß ’n Bier umgefüllt!“
„Und genau das ist der landläufige Irrtum: die erfolgreiche Meisterung der kleinen Verrichtungen des Alltags ist mitnichten das erste, was schwindet, sondern häufig die letzte Kompetenz, die dem Hardcore-Trinker als kurzer Lichtblick vor der langen Nacht verbleibt … Vielleicht sollte ich schonmal eine Kerze für dich anzünden.“
„Das ist ja furchtbar! Du spinnst doch. Ich geh‘ jetzt nach Hause!“
„Bist du sicher, dass du noch eines hast? Ich meine ja nur. Man muss sich manchen Tatsachen einfach mal stellen. Im eisigen Wind der Realität quasi die Brust rausstrecken! Aber, du machst das schon – will nix gesagt haben … Allerdings, dieses beginnende Gelb in deinen Augen, das verheißt nichts Gutes bezüglich der Leberwerte. Hast du den Begriff „Zirrhose“ eventuell schon einmal gehört …“
„Ihr seid ja vollkommen durchgeknallt! Hier komme ich nie wieder her!“
„Bis nächstes Wochenende.“
„Ja, nee.“
„Ja, doch! Ich kenne doch meine Hamburger Berg-Besucher – es ist unvermeidlich.“

Türlogik

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

„Junge Dame, kann ich bitte mal einen Blick auf deinen Ausweis werfen?“
„Warum?“
„Nun, du siehst noch reichlich jung aus. Genaugenommen minderjährig, wie mir scheint.“
„Ich muss echt meinen Ausweis zeigen?“
„Daran führt kein Weg vorbei, wie ich fürchte.“
„Aber, es ist doch schon nach halb vier! So spät kontrolliert ihr noch Ausweise?“
„Denkst du, du bist jetzt entscheidend weniger minderjährig, als, sagen wir mal, um halb zwei?“
„Ja, nee – aber jetzt ist es doch viel näher am Morgen, als an der Nacht! Und ich muss immer um halb sieben aufstehen. Da ist das dann ok, dass ich noch nicht achtzehn bin, oder wie?“

… Die Jugend folgt bisweilen einer gewissen, wenn auch verschlungenen Logik, wie ich zugeben muss …

Vorbildlicher „Bringservice“

tuerservice-september-2016-headcrash-hamburgEine der Kernkompetenz-Aufgaben des Türmannes ist der sogenannte „Clubtür-Bringservice“.

Sollte ein Gast nicht in der Lage oder Willens sein, den Ausgang der Lokalität aus eigenen Mitteln sowohl zu finden, als auch zu durchschreiten, greift der freundliche Türmann des Vertrauens – hier der Kollege Viktor – sogleich flankierend und hilfreich unter die Arme.

Sanft im Ton aber entschieden bewegungsmotivierend in der Sache wird so die Situation zu aller Zufriedenheit deeskaliert und bereinigt.

Eher hinein als hinaus geht es am 02. November in den Nochtspeicher, wenn es wieder heißt: „Zeit für Zorn? – Die Türsteherlesung“. Selbstverständlich nicht ernst gemeint: das Motto – „Backenfutterparty!“. Denn wir lehnen Brutalität natürlich entschieden ab und sagen stets: K(l)eine Gewalt!

Der Basispreis

Schöner Türstehen beim Live-Event. An der Kasse. „Wie lange spielen die denn schon?“
„Gerade angefangen.“
„Und wie lange spielen die jetzt schon?“
„Das ist die Vorband. Noch nicht so lang. Zwei, drei Songs, glaube ich.“
„Und wie lang ist das in Zeit?“
„Keine Ahnung – neun, vielleicht zehn Minuten …“
„Ja, was jetzt, neun oder zehn Minuten?“
„Warum willst du das denn so genau wissen?“
„Na, ich will den anteiligen Eintrittspreis ausrechnen, den ich jetzt noch zu bezahlen habe!“
„Ach, wir sind da heute gar nicht so und lassen dich für den normalen Preis rein, musst gar nicht mehr bezahlen.“
„Hä, wieso mehr?“
„Na, der normalerweise fällige Ignoranz-Zoll, der fürs mutwillige Zuspätkommen zu begleichen ist. Der wird ja anteilig aus den verpassten Songs berechnet.“
„Echt?“
„Ja, aber ich mache heute mal eine Ausnahme, du musst nur den Basispreis bezahlen.“
„Ok … das finde ich nett … glaube ich.“
„Das glaube ich auch.“

Volle Fahrt bei Vollmond

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. Ich empfand es als feinen Zug vom Rettungswagen-Team, den nun langsam seitlich wieder vom stehenden Fahrzeug abtropfenden Schnellläufer gleich mitzuverarzten, wo sie doch eh schonmal vor Ort waren. Als sie nach vollendetem Werk losfuhren, fragte ich mich von meiner Tür aus, wie lange sich die beiden anderen Jungs wohl an ihrem Platz an den Hecktüren werden halten können. Feixend standen sie auf der hinteren Stoßstange und krallten sich an Türgriffen und Dachreling fest. Der RTW bog in die Simon-von-Utrecht-Straße und beschleunigte im Licht des vollen Mondes …

Reise ins Ungewisse

Schöner Türstehen

Ein Streifenwagen steht in der Nähe der Clubtür. Die Besatzung muss die Ergebnisse irgendeines Freiluft-Gehampels vor dem Kiosk auf der anderen Straßenseite protokollieren. Die hinteren Türen eines Polizeiautos lassen sich nicht von innen öffnen. Was auch der leicht angetrunkene Gast gerade feststellen muss, der eben entweder aus Spaß in das Staatsgefährt einstieg oder, weil er es für ein seltsam blaues Taxi hielt. Nun kehrt die Streifenwagenbesatzung zurück. Dienstmützen werden abgenommen. Türen klappen. Ein Motor startet. Die Fahrt geht los. Hinten hat sich der blinde Passagier mucksmäuschenstill ganz klein gemacht, da er nicht weiß, was er sonst tun soll. Ich frage mich, wann sie ihn wohl bemerken. Und ob man ihm dann beim Aussteigen behilflich ist oder er recht teuer übernachten muss. Ein Vollmond auf Reisen.

Es bleibt schwierig …

Der „Rauch-Floor“

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

„Kann man bei euch rauchen?“
„Ja, unten.“
„Und was läuft oben für Musik?“
„Metalcore. Aber da kannst du nicht rauchen.“
„Wo kann ich denn rauchen?“
„Unten.“
„Wo is denn unten“
„Bei uns ist unten unten. Das mag woanders anders sein, da ist vielleicht auch mal oben unten. Aber nicht bei uns. Hier ist unten immer unten.“
„Echt?“
„Ja. Und unten kannst du rauchen.“
„Oben darf ich nicht rauchen?“
„Nein, nur unten.“
„Wie komme ich denn nach unten?“
„Ich glaube, du solltest gar nicht mehr rauchen.“
„Echt?“
„Ja, echt!“
„Na, dann einen schönen Abend noch.“
„Gleichfalls.“
„Tschüss.‘
„Tschüss.“
Der Hamburger Berg-Besucher. Im Kopf trägt er den Schnaps und den Vollmond im Herzen …