Überregionale Schaumschlägermeisterschaften

Schöner Türstehen. Der sogenannte „Hohe Füllsturz senkrecht“ ist eine enorm anspruchsvolle Figur des „Becherkampfs am Clubeingang“ – einer auch breitensportlich beliebten Teildisziplin der Internationalen Gastronomischen Spiele.

Hierbei wird der Inhalt einer Glasflasche – vorzugsweise frisches Bier – vor dem Hinaustreten aus dem Club abrupt in entschlossenem Tempo kerzengerade in einen Plastikbecher transferiert. Über den gesamten Vorgang hinweg muss ein Mindestabstand von wenigstens dreißig Zentimetern zwischen Flasche und Becher eingehalten werden. Perfekt ausgeführt, geht kein einziger Tropfen Flüssigkeit daneben und es entsteht im oberen Viertel des Bechers eine exakt halbrunde Schaumkrone. Der Sportler oder die Sportlerin tritt hierbei direkt gegen die vorherrschenden physikalischen Gesetze in punkto „Mechaniken von Flüssigkeiten und Gasen“ in den Ring. Daher gilt die Figur in Fachkreisen als nicht meisterbar.

Bisher konnte ein bis zur Schaumkrone gelungener „Hoher Füllsturz senkrecht“ nicht dokumentiert werden. Zwar erzählt die Legende von einem erfolgreichen Versuch bereits in der Vorrunde der Pinneberger Regionalmeisterschaften von 1978 seitens des berühmten holsteinischen Kneipensport-Champions Paustian Legolas Siems. Da jedoch die filmische Aufzeichnung in der südholsteinischen Metropole erst Anfang der 1980er Jahre eingeführt wurde und auch die schriftlichen Zeugnisse aus dieser Zeit aus der Gegend nur mühsam leserlich sind, fehlt hier jeglicher stichhaltig nachprüfbarer Beweis.

Trotzdem die Figur daher weiterhin als nicht machbar angesehen wird, gibt es viele trinkfeste Profis sowie enthusiastische Amateure der „Internationalen Gastronomischen Spiele“, die sich Wochenende für Wochenende am „Hohen Füllsturz senkrecht“ abmühen, wobei sich hier insbesondere die weiblichen Clubbesucher als besonders ausdauernd erweisen.

Dem Türmann als Schiedsrichter und Platzwart obliegt es, für ein stets sauber betretbares Eingangsfeld zu sorgen, indem die Spielfläche nach jedem erfolglosen Durchgang mit einem zugelassenen Abzieher für den nächsten Teilnehmer wieder trocken gezogen wird. Seien die Versuche nun sinnlos oder nicht – aufzugeben oder eine einfachere Ausführung mit schräg gehaltenem Becher zu wählen, gilt in Kneipensportlerkreisen als unehrenhaft und wird übereinstimmend abgelehnt.

Ausschnitt aus dem Bühnenprogramm „Der Türmann“: Kloberatung

Ein Schnipsel des Bühnenprogramms „Der Türmann“. Aufgenommen beim Kunst & Frevel „Comedy Jam“ im Salon Hansen (Mai 2017, Lüneburg).

DHL – Der Kampf geht weiter

Fachbereich Postfiliale. „Schönen Guten Tag, Hacker, ich möchte gern mein Paket abholen. Hier ist meine DHL-Kundenkarte.“
„Gerne. Welches Fach?“
„Wie, welches Fach?“
„Ich muss das Fach wissen, um das Paket finden zu können.“
„Woher soll ich denn wissen, in welchem Fach es liegt?“
„Ohne Fach kein Paket.“
„Hmm … versuchen Sie es doch mal mit „Erziehungswissenschaften“.“
„Haha. Wie lustig. Sie sind wohl Komiker.“
„Ja. Aber das Kompliment kann ich guten Gewissens zurückgeben. Sie schlagen sich da auch ganz gut …“
„Wissen Sie das Fach nun, oder nicht?“
„Keine Ahnung, vielleicht steht ja „Hacker“ dran, so oft wie ich hier Pakete abholen muss, die eigentlich zu mir nach Hause adressiert waren.“
„Ich frage mal meine Kollegin.“
„Tun Sie das. Vielleicht unterrichtet die ja sogar Erziehungswissenschaften.“

DHL – Der Kampf geht weiter

Pizza.de weiß, was Mütter wollen!

Wenn Mama am Sonntag lallend und schwankend von ihrer ausgedehnten Muttertags-Sauftour mit den anderen Muttis nach Hause kommt, wartet schon ihr heißes Muttertags-Geschenk dampfend auf dem Esstisch.
Und das Beste dabei: Der festliche Gemüseteig-Rundling ist schon fix & fertig; sie muss ihn nicht, wie ihr großes Geburtstagsgeschenkt neulich – die üppig belegte Tiefkühlpizza „Hawaii“ vom Aldi -, erst noch selbst in den Ofen schieben.

So muss Muttertag – danke, Pizza.de!

Stones open air in Deutschland – Hörschutz-Pflicht für nichtzahlende Anwohner*

Hamburg. Am 09. September eröffnen die Rolling Stones ihre „No Filter“-Tour mitten in der Hansestadt auf der großen Stadtpark-Wiese.
Die Ticketpreise für das Event bewegen sich zwischen 110 und 200 Euro. So genannte „Vip-Tickets“ sogar in Regionen bis zu 800 Euro.

Nachdem nun vermehrt Stimmen in den sozialen Netzwerken laut werden, „man würde sich einfach außerhalb des umzäunten Bereichs zum Picknick mit Stones-Beschallung niederlassen“ oder „Freunde haben einen Balkon in der Nähe, bringt ihr das Bier mit?“, möchte das Tour-Management noch einmal auf folgende Regelung hinweisen: Vor Konzertbeginn werden an sämtliche Anwohner im Umkreis von 2 Kilometern rund um die Festwiese des Hamburger Stadtparks fest schließende Kapselgehörschutze ausgegeben. Mit Tragepflicht für Ticket-Nichtzahler.

Nach Angaben der Verteilerservices ist es zur Zeit noch möglich, eine Wunschfarbe für den Gehörschutz anzugeben. Danach erfolgt die Verteilung nach vorhandenem Lagerbestand. Es sollen wohl hauptsächlich so genannte „Micky Mäuse“ in leuchtendem Rosa vorrätig sein, zusammen mit kleinen Kontigenten in Schwarz und Blau.

 

 

 

 

 

 

*Satire

Die Abenteuer des Alltags

Heute: Nachhaltige Nachbarn

Das ältere Ehepaar aus dem Stockwerk über mir lebt sehr energiebewusst. Erst neulich berichteten sie mir im Treppenhaus ganz stolz von ihrem neuen Fernsehgerät, dass sowohl über eine ordentliche Bilddiagonale – der Nachrichtenmann stünde quasi im Maßstab 1:1 bei ihnen in der Wohnstube -, als auch eine sogenannte „Soundbar“ verfüge.

Diese Leiste aus mehreren Brüllwürfeln unterhalb des Moderators in Lebensgröße diene zur eindrucksvoll verstärkten Abstrahlung verschiedener akustischer Frequenzen in den Zuschauerraum. Nun könnten sie dank dieses raffinierten Apparates jeden Abend ganz wunderbar Strom sparen, indem sie die Akkus ihrer Hörgeräte herausnähmen und für die Nutzung während des Tages schonten.

Die enthusiastischen Erläuterungen vor der Reihe von Briefkästen mit Anti-Werbungs-Aufklebern dauerten noch an, doch ich bereitete mich schon einmal seelisch auf einen weiteren Passiv-Fernsehabend mit dem großen Fest der Volksmusik vor.

Die Sause würde lang werden, denn beide neigten – wie sie jederzeit freimütig von sich aus zugaben – dazu, für gewöhnlich vor dem TV-Gerät einzuschlummern …

Alltagskalamitäten im Künstlerleben

Die heilige Ignoranz der Technikverweigerer

„Seit ich mein Internet abgeschafft habe, keinen Fernseher mehr besitze und auf das Lesen von Zeitungen verzichte, bekomme ich überhaupt nicht mehr mit, wann du wieder auf der Bühne stehst!“, formuliert die empörte junge Dame am Festnetztelefon ihre Kritik mit schneidender Stimme.

Ein Vorwurf, der mich immer irgendwie verwirrt zurücklässt. Zumal ich jedesmal total verblüfft auf diesen völlig vergessenen, aus dem Pleistozän der Technik stammenden Apparat neben meinem Scanner schaue, wenn er entgegen jeglicher Lebenszeitprognose noch funktionierend losbimmelt.

„Soll ich dir vor jeder Show, die ich irgendwo gebe oder bei der ich beteiligt bin, einen berittenen Boten vorbeischicken, oder wie?“, spreche ich vorsichtig in das ungewohnte Gerät. „Rauchzeichen nützen ja nichts, die kannst du ja nicht sehen, seit du noch weiter hinter den Horizont aufs Land gezogen bist.“

„Boah, ey, dass du immer gleich so sarkastisch werden musst …“

Dann beschwert sie sich noch wortreich über ihren doofen Freundeskreis, der sie partout immer weniger besucht, je weiter sie hinaus aufs Land zieht …

Tja, ich weiß es doch auch nicht.

„Kein Durchgang“ gilt nicht!

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. Der weibliche Gast betritt den Vorraum, nimmt sich Zeit zur Orientierung. Geradeaus ein dunkler Gang in die ebene Tiefe des Clubs, rechter Hand eine Treppe in den ersten Stock. Linker Hand eine Tür in der Wand. Kurzentschlossen öffnet sie diese und blickt stirnrunzelnd auf eine Wand, an der ein paar Regalbretter befestigt sind. Darauf allerlei Geraffel. „Junge Dame, machst du diese Tür bitte wieder zu?“

Zögernd schließt sich das Türblatt, ihre Hand verharrt widerstrebend auf dem Griff.

„Ja nee, ich möchte in den Club!“

„Einfach den Gang runter. Hinter der Tür dort ist lediglich unser Türsteher-Kabuff.“

Sie starrt mich einen Moment lang an, zieht die Augenbrauen zusammen, öffnet die Kabufftür erneut.

„Ja nee, ich möchte doch in den Club nebenan!“

Ihr strenger Blick gleitet über die Ablagen. Die Plastikflaschen mit Reinigungsmitteln, Putzpapierrollen, Stangen mit Plastikbechern äugen freundlich zurück.

„Da würde ich doch glatt empfehlen, nochmal hinauszugehen, sich forsch nach rechts zu wenden und mutig die drei, vier Schritte bis zum nächsten Clubeingang zu machen.“

„Geht das nicht hier durch?“

„Nunja … mit ein bisschen Anlauf ließe sich die Mauer womöglich durchbrechen …“

„Boah ey, dass ihr Türsteher immer so doofe Antworten geben müsst! Echt ma, was stimmt denn nicht mit euch?“

„Keine Ahnung, vielleicht sind wir einfach immer ein bisschen verwirrt.“

„Aber echt. Tschüss. Schönen Abend noch!“

Wütend rauscht sie hinaus, wendet sich grummelnd nach links und stapft entschlossen davon in die Partynacht.

Ich blicke ihr noch kurz hinterher, wünsche ihr einen schönen Abend und denke mir: Es bleibt schwierig … Vor allem, wenn man Gast ist und von Natur aus immer recht hat.

Siekstewohl … Türmann mit Bildungsauftrag

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. 22.05 Uhr. Clubtür soeben für den Partyabend geöffnet. Eine Gruppe bayerischer (sie sprechen alle mit diesem furchtbaren „ick“-Fehler – wie in „Honick“, „fruchtick“, „zwanzick“) Austauschstudenten versammelt sich vor dem Eingang. „Servus. Soag amoi, seit wann ist es denn so leer auf dem Kiez?“

„Seit heute Morgen um acht.“

„Echt?“

„Ja. Und nachher früh um acht wird es voraussichtlich auch wieder so sein.“

„Echt?“

„Jo. Aber nur außerhalb der Gäste.“

„Sakra!“

Siekst, wieder Kiezgäste, die jetzt mehr wissen als zuvor. So muss Türstehen. 🙂

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

Nachlese zum Wochenende. Es waren sehr entspannte Tür-Schichten. Leider fast zu entspannt, wie ich befürchte. So rein aus sportlicher sowie gastronomischer Sicht. Nieselregen, kalt, kaum Leute, die sich aus dem Haus trauen.

Aber immerhin ein wunderbar Verwirrter. Kommt mit einer fast vollen Bierflasche in der einen sowie einem halbleeren Longdrinkglas in der anderen – ich vermute Gin and Tonic – nach vorn an die Club-Tür. Scheint uns verlassen zu wollen. Klassische, freundliche Aufforderung: Er möge seine Getränke bitte entweder abstellen oder aber umfüllen. Er deponiert beides auf dem Podest neben dem Eingang, schickt sich an, zu gehen. Überlegt es sich dann nach dem Hinweis, er könne es sich ja auch gern in Becher umfüllen, anders und gießt sein Bier umsichtig in den Longdrink. Guckt uns, den Drink und die Welt im Allgemeinen mit tiefem Stirnrunzeln an, stellt den „Spezialcocktail“ auf die Ablage, tritt hinaus. Erneuter Sinneswandel gefolgt von Rückkehr. Er ergreift das Erfrischungsgetränk, setzt es entschlossen an und leert es mit tapferem Zug. Anschließend schüttelt er sich und verabschiedet sich mit den Worten: „Jungs, das war ein echt guter Abend bei euch, aber das hier, nä, das schmeckt doch echt scheiße, sach ma!“

Ich sage mal: Es bleibt schwierig. Aber: zum Glück muss niemand dabei verdursten.

Schönen Sonntag!