Sprengstoffgürtel muss draußen bleiben

​Schöner Türstehen in Zeiten der Bedrohung

„Einmal abtasten …“,

„Kein Ding.“

„Den Sprengstoffgürtel musst du aber draußen lassen.“

„Echt?“

„Ja, pack ihn da in die Kiste. Kannst ihn nachher wieder mitnehmen.“

„Den habe ich aber bei euch gekauft!“

„Die verkaufen wir nicht.“

„Und wenn ich dir verspreche, ihn drinnen nicht zu benutzen?“

„Ja nee, das sagen alle und hinterher will’s wieder keiner gewesen sein.“

„Wenn ich ihn hier in die Kiste lege, kriege ich den Gürtel dann nachher wirklich wieder zurück?“

„Wenn er noch da ist, kannst du ihn nachher wieder mitnehmen.“

„Du passt aber drauf auf!“

„Tut mir Leid, ich kann leider nicht auf deinen Sprengstoffgürtel aufpassen. Aber normalerweise kommen die nicht weg.“

„Kann ich ihn zwischendurch mal haben? Ich bleibe auch im Eingang.“

„Nein, du darfst deinen Sprengstoffgürtel leider nicht im Eingang benutzen! Das wäre doch fast das selbe, als würde ich dich damit reinlassen. Das ist ja Quatsch …“

„Och menno, dann gehe ich jetzt woanders hin. Wo man sich nicht so anstellt, bloß weil man mal einen kleinen Sprengstoffgürtel mitbringt … außerdem: ich kaufe doch sowieso später bei euch einen neuen, wenn der alte verbraucht ist, wo ist denn da das Problem, sach ma?“

„Wie gesagt, wir verkaufen die hier nicht.“

„Ihr seid solche Spießer!“

„Yo …“

Es bleibt schwierig …

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Korrekturphasen

 

Trotz sorgfältigster Prüfung des Produzierten unterlaufen selbst dem gewissenhaftesten freiberuflichen Sprecher natürlich auch einmal Fehler. Vom Kunden beispielsweise auf eine falsche Aussprache* im Off-Kommentar oder dem Voice Over hingewiesen, wird er dies aber ebenso bereitwillig wie zügig korrigieren.

Textänderungen sind jedoch keine Korrekturen, sondern Neuaufträge. Auch im Sinne des Zeitfaktors sollte die Lieferung eines endgültig freigegebenen Sprechertextes dem „work in progress“ vorgezogen werden. Überdies erspart sich der Kunde dann Diskussionen mit dem Freiberufler à la „Wie, das ist eine neue Produktion und ich muss noch einmal dafür bezahlen? Wir haben doch bloß einen neuen Text geliefert – das Thema bleibt doch das selbe!“

*(Nein nein, lieber bayerischer Auftraggeber, „zwanzich“ ist tatsächlich die korrekte Aussprache nach Standardlautung ihres mundartlichen „zwanzick“. Und das Wort „Kinesen“ gibt es so ebenfalls nicht – die richtige Form dieser Berufsbezeichnung im Bereich der Physik lautet „Kinetiker“.)

Wenn SF wahr wird

Als Teenie war ich voll der Hoffnung, dass zu meinen Lebzeiten ein paar der gesellschaftlichen und technischen Fortschritte meines geliebten Science Fiction-Genres Wirklichkeit werden. Und heute stehe ich am Fenster und lächle, denn den Regen, den Dauerregen aus „Blade Runner“ den haben wir jetzt tatsächlich und dürfen ihn täglich in der Realität erleben. Das ist schon ein bisschen cool, muss ich sagen …

Terrouristenpärchen in der Hafen-City

​Unterwegs im Hafen und der Hafen-City. Mission: Maritim anmutende Fotos für Flyer machen. Leider regnet es ununterbrochen. Sowohl Wasser von oben, als auch Leute von allen Seiten. Durch die Bank sich höchst verdächtig ähnlich sehende Terrouristenpärchen (©Sasha Hamovic) in hornhautgepolsterten Wandersandalen mit ihren dauerquengelnden Henkelohr-Kindern. Sie reden lauthals in Zungen. Hessisch, Schwäbisch, Bayerisch und Fränkisch. Und ich dachte bisher, bloß in Tiroler Bergtälern und im schönen Pinneberge bliebe alles immer in der Familie. Pustekuchen …

Anderswo

Manchmal sitze ich da,
und sage nichts,
höre den Bäumen beim Rauschen zu
und stelle mir vor,
ich wäre am Meer.

Gesundheit dank Nationalvitamin

Deutsche Paprika„Deutsche! Kauft nur deutsche Paprrrika! Ein Volk, ein Gemüsebeet, ein Gärrtnerrr!“ (Hier am Ende die Stimme leicht überschnappen lassen, dabei synchron auf den Zehen kippeln)

Nässe im Dunkel

2016. Das Jahr des dauerdüsteren Sommers, der für eine höhere Licht-Stromrechnung als der Winter sorgte. Dafür musste man die Angel nicht mehr so weit auswerfen – Scharen von Hering und Kabeljau zogen oft dicht am Wohnzimmerfenster vorbei. Und auch ein ganz besonderes Natur-Schauspiel nahm hier seinen Anfang: Die alljährliche Überwindung der Kellertreppen-Stromschnellen durch wandernde Lachsschwärme auf ihrem Weg zu den Laichgründen auf den umliegenden Sportplätzen.

Ruf. Mich. Nicht. An!

Zielorientierte Kommunikationsstrategien – oder: Wie, Feierabend?
 
IMAG1299_1Sonntagabend. EM 2016. Deutschland spielt gegen die Slowakei im Achtelfinale, die erste Halbzeit läuft, die Bundes-Elf hat gerade zum 1:0 eingenetzt. Plötzlich: Ein in diesem Zusammenhang vollkommen unpassendes Geräusch sägt in die Szenerie – ein Kunde ruft an und möchte gern en détail über einige Sprechvorgaben für einen Auftrag in der nächsten Woche reden. Lässt sich nur mit größter Mühe auf gerade noch grenzhöfliche Art und Weise abwürgen. Versteht nicht, warum das Telefonieren jetzt nicht möglich sei. Wäre doch zur Zeit so schön ruhig überall. Sein Vorgehen erscheint mir in mehrfacher Hinsicht von nahezu atemberaubender Ignoranz.
 
Eigentlich nur durch die Penetranz eines gewissen Vorsitzenden des „Kunstbureau Wilhelmsburg e.V.“ damals in den frühen Neunzigern zu toppen. Dieser rief in den noch telekommunikativ unmobilen Zeiten grundsätzlich am Freitagabend auf dem Festnetz an. Während die allwöchentliche Star Trek-Ausstrahlung im TV lief. Weil er da sicher sein konnte, mich zu Hause zu erreichen …

Sexismusdiskurs

Schöner Türstehen. Innerhalb der Vierergruppe – drei Typen, ein Mädel – vorm Clubeingang wird aufgeregt diskutiert. Nun, eigentlich diskutieren nur die Typen – die Frau steht außerhalb des Kreises, wird ignoriert, man dreht ihr den Rücken zu. „Warum geht ihr nicht rein? Könnt ihr euch über die weitere Abendplanung nicht einigen?“
„Ja, nee …“, sagt sie, “ die müssen noch was ausdiskutieren.“
„Was denn?“
„Na, ob das sexistisch war, mir Zigarettenasche vom T-Shirt auf den Brüsten wegzupusten.“
„Ach guck, die diskutieren über deine Würde, schließen dich davon aber aus … das finde ich eigentlich viel sexistischer.“
„Ich auch.“
„Und?“
„Und was?“
„Haste den Jungs das mal gesagt?“
„Hab ich.“
„Und?“
„Sie hören mir nicht zu.“
„Geh‘ doch einfach rein und mach dir nen schicken Abend.“
„Und die Jungs?“
„Die lasse ich nicht rein.“
„Echt?“
„Ja.“
„Cool! Metal heute oben oder unten?“
„Oben!“
„Cool, bis später.“
„Viel Spaß!“
„Danke!“
Manchmal ist’s einfach …

Born to be mild

HarleyAch guck, am Wochenende ist es wieder soweit: Sonnenbrandbedrohte Zahnwälte betagteren Semesters spielen sommerlichen Outlaw. Da sie vorwiegend auf us-amerikanischem Alteisen unterwegs sind, dessen Schräglagen-Freiheit strenggenommen nur im Geradeauslauf überzeugt, fahren sie dabei a. keine Kurven und b. nicht sehr weit.
Da die selbst gefahrene Strecke zumeist mangels Übung äußerst langsam bewältigt wird (die Motorräder werden für gewöhnlich auf Anhängern zum Zielort transportiert und per „Dreck- und Staub-Kit“ mit street credibility versehen), kippen sie am Wendepunkt häufig um. Das wird drollig, das schaue ich mir am Sonntag wieder gern an. 🙂

PS: Ich habe wieder Internet, wie ihr seht. Und: Die Leute von Willy Tel rufen persönlich an, sagen Bescheid, was kaputt war und warum es so lange gedauert hat, bitten um Entschuldigung und wünschen einen guten Tag. Finde ich gut.