Kindliche Brutalität heute und gestern

Das Wettrüsten ums Kinderzimmer. Lego wird immer brutaler, die Gewaltspirale dreht sich unaufhaltsam. In 30 Prozent aller Lego-Baukästen stecken heute schon Waffen, so eine aktuelle neuseeländische Studie. Ich finde das erschreckend. Als ich klein war, war das ganz anders – damals mussten wir uns die Waffen noch mit viel Fantasie selbst aus den Legosteinen bauen …

Tipps vom Türsteher

Wie man auf jeden Fall in den Club hineinkommt

Oft werde ich ja außerhalb des Kiezes danach gefragt, wie man sich denn am Wochenende wirklich vor einer Tür verhalten soll, wenn man nicht an der Security scheitern, sondern unbedingt in den Club hinein möchte. Nun, da dies offensichtlich noch immer nicht in den schulischen Lehrplänen verankert ist, möchte ihr hier einmal kurz umreißen, wie denn eine „Eintrittsstrategie“ aussehen könnte.

Sobald dein Partypulk in voller Stärke und ordentlich vorgeglüht vor dem Eingang versammelt ist, gilt es sogleich, den Türmann frei nach dem Motto „Gruppenumarmung“ von allen Seiten zu umzingeln, ihm möglichst vielhändig auf die Schultern zu klopfen (ruhig fest zupacken: der Mann ist gut im Training und folglich nicht aus Zucker), an ihm herum zu zerren, mit den Händen vor seinem Gesicht herum zu fuchteln und unbedingt unablässig auf ihn einzureden. Hierbei ist zu beachten, dass ihr sehr dicht an den Türsteher herantretet und so laut wie möglich sprecht, denn schließlich stehen wir hier vor einer Disko oder einer Tanzbar und der gehörgeschädigte Dj gibt in der Regel alles, um auch die angrenzenden Straßen mit dem nötigen Sound zu versorgen.

Erläutert dem Türmann eure Planung für den Abend, singt ihm ein lautes, lallendes Ständchen und lenkt währenddessen von euren Rucksäcken und Citybags ab. Schließlich transportiert ihr als echte Profi-Kiezgänger hierin eure voluminösen Tetrapaks und 1,5-Liter-Colaflaschen mit der speziellen Mische für den Abend. Sollte er aufgrund des Gewichtes und der kantigen Ausbuchtungen eurer Behältnisse stutzig werden, macht das gar nichts: Das Fremdgetränkeverbot gilt heute natürlich nicht. Vor allem nicht für euch.

Einer von Euch sollte jetzt dem Türmann mit feuchter Aussprache erläutern, dass er seinen Job früher auch für viele Jahre ausgeübt hätte (dies funktioniert vor allem dann prächtig, wenn derjenige ganz offensichtlich erst neulich seinen 20sten Geburtstag erlebt hat). Um die Behauptung mit professionellen Taten zu untermauern, stellt man sich vor den Türmann und führt stellvertretend Taschenkontrollen an irgendwelchen Gästen durch, fragt nach Stempeln, beginnt willkürlich zu selektieren und versucht, weibliche Gäste „auf Waffen und Drogen“ abzutasten. Dabei ist es ratsam, den mitgeführten riesigen Tetrapack umherzuschwenken. Macht Euch keine Sorgen, wenn ein wenig von dem Inhalt verschüttet wird: Das Party-Outfit darf ruhig nach exzessiver Feierei aussehen und der Türmann, nun ja, der ist das gewöhnt und außerdem abwaschbar.

Sollte er dennoch Protest einlegen und versuchen, Euren „Türsteher-Profi“ sanft zur Seite zu schieben, erläutert ihm, dass er locker bleiben soll und dass ihr zudem seinen Chef sehr gut kennen würdet.

Sollte Euch von der ganzen Herumhampelei im Eingang übrigens schlecht werden … nun ja, ich erwähnte bereits die Abwaschbarkeit der Türleute. Allerdings kommen echte Profis dem Vomitierungsbedürfnis erst im Club nach: hier gibt es den Tresen, das Dj-Pult; und auch der Fußboden der Toilette eignet sich ganz vorzüglich als Fläche für die Rückwärtsernährung. Apropos Toilette: Wer sich an den Pissoirs anstellt, outet sich unweigerlich als Amateur. Du hast das nicht nötig – die Dinger kann man problemlos auch zu zweit benutzen. Sollten schon einige sachkundige Gäste anwesend sein und die Lücken gefüllt haben, nun: da gibt es eine einfache Lösung – schon mal überlegt, weshalb in jedem Kneipen-Toilettenboden ein Abfluss installiert ist? Siehste, wieder was gelernt!

Aber das ist Zukunftsmusik – noch ist die Situation „Draußen vor der Tür“ nicht gänzlich ausgereizt. Das berühmte Türsteher-Interview fehlt noch: Hierzu muss man dem Securitybeauftragten originelle Fragen stellen. Etwa, ob er die ganze Nacht hier stünde, ob es nicht verdammt kalt sei, wie viel er in etwa verdiene, in welcher Klasse er die Grundschule abgebrochen habe, warum er gerade hier stünde, wo ihm doch dauernd die Tür ins Kreuz oder vors Gesicht donnere oder ob ihm nicht langsam langweilig würde. Denkt bitte dran: Immer schön feucht sprechen, dicht heranrücken und den Türmann regelmäßig anfassen – das hilft ihm, sich besser auf Euch zu konzentrieren. Ihr werdet sehen, so seid Ihr in jedem Club gern gesehene Gäste, die sofort Einlass finden. Eurem spaßigen Abend auf der Partymeile steht nichts mehr im Wege!

Ach, übrigens: erwähnte ich eigentlich, dass sämtliche oben genannten Tipps selbstverständlich nur für die Zeit des Schlagermoves (Hamburg), der Wies’n (München) oder des Karnevals (Köln) gültig sind? Zu allen anderen Gelegenheiten wäre ein solches Verhalten der beste Weg, um sich für den „Darwin Award“ zu bewerben …

Rock’n’Roll Overkill – Vol. 7

RROKRock’n’Roll Overkill
Lesung mit Türsteher, Tätowiererin, Rock Sänger und Kiez-DJ

Was bekommt man, wenn man einen DJ, eine Tätowiererin, einen Türsteher und den Sänger einer Rockband auf eine Bühne packt, um Geschichten vorzulesen? Viel viel Rock ’n‘ Roll, viele Geschichten aus der bösen Welt mit Sex, Drugs und Musik…?

Natürlich nicht. Zumindestens nicht nur.

Auch Kiezmenschen leben ein mehr oder weniger normales Leben, essen Müsli und trinken auch mal Kakao. Aber natürlich sind ihre Geschichten durchdrungen von einer Welt, die wir vielleicht nur von halb geflüsterten Erzählungen kennen…

Diese Lesung wird Vieles sein: Ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick hinter die Fassaden, ein Blick in die Seelen Geschundener… neee, übertreiben wollen wir es auch nicht. Diese Lesung soll und wird vor allem eines sein: Unterhaltsam und trotzdem mit Tiefgang.

Viktor Hacker: Sprecher, Türsteher und Autor („Zeit für Zorn“ etc.)
Jan Turner: DJ, Autor („Paranoia City“ etc.)
Liz Vegas: Tätowiererin, Model, Autorin
Lesley Farfisa: Musiker, Autor (Der Fall Böse)

Buchpräsentation, Ausstellung, Bühnenshows

 

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Ein Freund von mir – Frank Müller – veröffentlicht gerade seinen neuen Bildband mit faszinierenden Bildern aus Myanmar. Er bereist das Land schon seit vielen Jahren und hat einen ganz speziellen Blick auf die Landschaft und die Menschen. Die er im Übrigen mittlerweile sehr gut kennt.
Rund um die Ausstellung und die Buchpräsentation herum hat er in akribischer Detailarbeit jede Menge interessante Aktionen organisiert. Unter anderem zwei Bühnenshows, während derer ich auch die Bühne entern darf. Zusammen mit Sabrina Schauer (am Freitag, 06.05. und am Samstag, 07.05., jeweils 20 Uhr) und Armin Sengbusch (am Samstag, 07.05., 20 Uhr).

Ort: Pop-up Raum, Grindelallee 117, Hamburg.

Kommt ‚rum, das wird deftig!

Slamtext zum Thema „SEX“

Sexspielchen – oder: Wie Kabanossi einmal wegen eines wirklich wertvollen Rats davonlief

Morgens um sieben im weitestgehend unbevölkerten Fitnessland. Zwei „early birds“ so um die Dreißig quietschen im mittleren Tempo auf zwei „Steppern“ so vor sich hin. Es sind die Herren Daniel-Legolas Trockenbrodt, der vor allem seinen zweiten Vornamen hasst und darauf besteht, ausschließlich „Danny“ genannt zu werden. Und sein bester Kumpel Jannis Pastapodopeles – kurz: Kabanossi, der nie um einen gutgemeinten Rat verlegen ist. Die Freunde treffen sich hier oft zum gemeinsamen Workout und um über alles Mögliche zu reden.

„Das kannste ja bis ins hohe Alter machen, nä.“
„Was?“
„Na, Cardiotraining.“
„Achso.“
„Aber echt mal. Vom Stepper auf den Treppenlift – ein vollautomatisches Leben im Zeichen der Fitness, hähä …“
„Hm.“
„Danny, was ist denn los, sag‘ mal? Diese Einsilbigkeit sieht dir gar nicht ähnlich.“
„Tja.“
„Ist irgendwas los? Stress im Job? Pech in der Liebe?“
„Ach, Stress ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Eher so nervöse Erwartung. Ich habe dich doch neulich um Rat gefragt wegen dieser Rothaarigen …“
„Rothaarig? Ich dachte, die sei blond?“
„Ja nee, das war die andere.“
„Ach, schon wieder ne Neue! Was ist denn aus der Blonden geworden?“
„Mannomann, erinnere mich bloß nicht. Da hast du mir ja einen richtigen Bärendienst erwiesen, Kabanossi!“
„Wieso? Was war denn an dem Rat, „Höflichkeit öffnet Türen“, verkehrt?“
„Genaugenommen hast du gesagt, „Wer vögeln will, muss freundlich sein!“.“
„Ja, und? Daran ist doch nichts Falsches!“
„Das sagst du! Ich war nicht nur freundlich, ich war richtig höflich. Ohne Ende. Du weißt ja, sie ist meine Arbeitskollegin. Und ich habe richtig Gas gegeben: Ihr abends im Büro in die Jacke geholfen, ihr die Türen geöffnet, auf der Treppe voraus gegangen, die Tiefgaragentür aufgemacht, sie zum Auto begleitet …“
„Oh, oh – ich ahne schon, worauf das hinausläuft …“
„Ja, warte – morgens dann das ganze Prozedere in der umgekehrten Reihenfolge. Ein Gesamtpaket höflicher Freundlichkeit, nä.“
„Ich weiß ja nich …“
„Eben. Jetzt habe ich ne Anzeige wegen Stalkings am Hals und muss einen Abstand von 50 Metern einhalten. Außer am Kopierer – da darf ich mich ihr bis auf fünf Meter nähern. In der Chefetage wird schon über meine Versetzung nachgedacht. In unsere Zweigstelle nach Pinneberg …“
„Oh, scheiße!“
„Das sagst du was.“
„Und wer ist jetzt diese Rothaarige?“
„Oh, da habe ich einen anderen Tipp von dir gestern ausprobiert.“
„Äh, ok … welchen?“
„Na, den, dass man immer man selbst bleiben muss, nicht lügen darf und seine Fantasien aussprechen soll.“
„Also, das mit den Fantasien ist jetzt streng genommen nicht von mir.“
„Ja, ich weiß, du sagtest, „man müsse immer man selbst sein und soll nicht lügen. Wenn man aber seine Fantasien nicht ausspricht, dann verschweigt man doch was. Das ist dasselbe wie lügen!“
„Ja, äh, ja nee …“
„Ja doch! Und deswegen habe ich die Rothaarige gestern bei unserem zweiten Date gefragt, was sie denn davon hielte, wenn wir uns gegenseitig unsere Fantasien aussprechen und auch umsetzen würden. Sie fand die Idee zunächst gar nicht so schlecht, meinte, ihre Fantasie hätte etwas mit einem rosa Wasserbett zu tun, bedürfe aber einer gewissen Vorbereitung wegen der Schwimmkerzen und der Frischhaltefolie … na, da habe ich dann später, als wir mittendrin waren, ihr erstmal meinen Wunsch präsentiert.“
„Öhm, ich bin mir jetzt nicht so ganz sicher ob ich den wirklich hören möchte …“
„Quatsch, das ist ganz harmlos! Ich habe ihr gesagt, dass ich schon immer davon geträumt hätte, wilden Sex mit Scarlett Johansson zu haben. Und zauberte dann auch gleich – tataaa – eine passende Gummimaske hervor. Aber aus irgendeinem Grund war sie dann irritiert …“
„Das is ja komisch … oh, Mann …“
„Sie setzte sie aber dann mit den Worten auf, ihr sei ja eigentlich kaum eine Perversion fremd, aber das hier wäre so lächerlich, dass könne man eigentlich schon als Sub-Dom-Spiel im Manga-Bereich verbuchen.“
„Manga? Hä …“
„Ja, du weißt schon: Frauen, die sich als Schulmädchen verkleiden und Sex mit Männern haben, die sich als Dämonen maskieren. Das ist lustig.“
„Lustig … hm, hm … und mit so Tentakeln und so, nä?“
„Ja nee, Tentakel, das ist Hentai. Das ist für Perverse.“
„Ach echt …“
„Ja, aber lustig pervers. Da gibt’s zum Beispiel so Frauen, denen plötzlich Schwänze wachsen …“
„Futanari.“
„Nee, mit Sushi hat das nix zu tun.“
„Wieso Sushi? Wir sprachen doch eben von Frauen, denen Schwänze wachsen … Futanari heißt Hermaphroditismus und …“
„War ja klar, dass du jetzt wieder mit irgendeinem deiner griechischen Götter kommst …“
„Ja, nee, Hermaphroditen haben doch nichts mit …“
„Ist schon klar, der kleine, nervige Bruder von Aphrodite. Lassen wir das jetzt bitte mal. So. Um zur Maskennummer zurückzukommen – das war echt lustig. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – guck, Miss Johansson hat doch diese lange, prägnante Nase, so einen richtigen Gesichtserker, nä. Die war bei der Maske ziemlich, ähm, hervorstechend und wegen des zerknüllten Transports – ich musste sie ja irgendwie in meinen Klamotten verstecken – leicht zerdrückt. Die Nase hatte einen Knick und wackelte beim Vögeln. Ich musste ganz furchtbar lachen. Konnte nicht mehr aufhören …“
„Oh Gott …“
„Ja nee, das war gar nicht so schlimm, weil Iwana – so heißt sie – das ziemlich witzig fand und auf eine Idee kam: bei unserem nächsten Treffen soll ich mich verkleiden.“
„Ich möchte das nicht hören …“
„Als Pinocchio und sie will sich dann draufsetzen …“
„Du, ich muss jetzt los, Training ist fertig, ich, äh, ich muss jetzt ganz schnell duschen und so!“
„Wegen der Nase …“
„Kannst du nicht einfach mal die Schnauze halten? Alter! Diese Bilder kriege ich nie wieder aus dem Kopf …“
„Ach, von der Frischhaltefolie und dem rosa Wasserbett muss ich dir auch noch berichten, das ist nämlich so …“
„Nee, nee, nee! Ich muss weg und unbedingt lernen, die Fresse zu halten. Keine Tipps mehr! Danke, Alter, echt: Danke! Oh Gott, ein Manga-Pinocchio in Frischhaltefolie der im rosa Wasserbett schaukelt … Können die Leute nicht einfach nur vögeln?“

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Ausspracheberatung seitens Firmeninhaber

Lieber Agenturbesitzer, ich weiß, beratungsresistente Freiberufler wie ich können zum „pain in the ass“ werden. Ich habe Sie ja bereits mit meiner Weigerung, „ckemische Prozesse“ ins Mikro zu sprechen, leidlich geprüft, aber nun muss ich Ihnen bedauerlicherweise erneut abschlägig entgegentreten.

Die ihrerseits vorgeschlagene Variante „schemische Prozesse“ wird mir ebenfalls nicht im beruflichen Zusammenhang über die Lippen kommen.

Als erzkonservativer Traditionalist halte ich hartnäckig an der Standardlautung „chemische Prozesse“ fest. Ich möchte nicht „bayerisch“, „hessisch oder „nordniederdeutsch“ reden, sofern kein zwingender Dialektzusammenhang besteht.

Ich bitte diesbezüglich um Verständnis. Denn meine Stimme transportiert nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form. Sie bauen die Rechtschreibfehler in Ihren e-mails ja auch nicht absichtlich ein und setzen dann Ihren Namen darunter …