Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Sonntags-Kommähdie

Der aufmerksame Unternehmer sucht stets am Sonntag den Kontakt zu seinen Dienstleistern, denn an diesem Punkt der Woche ist der Servicebeauftragte am wenigsten durch andere Jobs abgelenkt und kann sich konzentriert den besonderen Erfordernissen und Wünschen des Auftraggebers widmen.

„Wie Sie am zur Verfügung gestellten Sprecherskript für den Imagefilm sicher schon bemerkt haben, neigt unsere Marketingabteilung zum ausgiebigen Gebrauch von Anglizismen. Ich möchte Sie indes bitten, diese englischen Formulierungen deutsch auszusprechen. Und zwar spürbar.“
„?“
„Ja, ich bin kein Freund dieser fremdländischen Konstrukte. Das passt auch überhaupt nicht zu unserem Kundenstamm.“
„?“
„Sehen Sie, wir sind ein Traditionsunternehmen und beliefern in erster Linie familiär geführte Handwerksbetriebe. Die können mit diesem ganzen neumodischen englischen Kram nicht um.“
„??“
„Die neue Marketingabteilung stellt einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar, sollen die ruhig ihre Arbeit machen. Wissen Sie, am Ende muss ich aber an unsere Kunden denken, das ist schließlich meine ureigene Verantwortung als Firmenchef. Also, sprechen Sie bitte einfach alle fremdsprachlichen Begriffe trocken urdeutsch aus, dann haben wir doch einen gangbaren Kompromiss für alle Seiten, wie ich finde. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und einen schönen Sonntag. Sie können mir die Tonspur dann bis 21 Uhr schicken. Bittedanke.“

Jo. Fietbäck, Ettferteising, Kommpleiänz, Kontännt, Pablick Rehläischän, Kommörschäll, Tecknollodschieh …

Wandelnde Datenerhebung

Schöner Türstehen in gesicherten Zeiten

„n’Abend!“
„n’Abend.“
„Schon was los bei euch?“
„Geht so. Alle wohl noch im Park beim Grillen.“
„Is‘ wohl so. Da ist auch noch so’n „Umsonst & Draußen-Festival“ an der Elbe.“
„Ach deswegen ist der Hamburger Berg so leer.“
„Jo.“
„Man steckt nicht drin.“
„Ich geh‘ dann mal rein. Soll ich Dir was an die Tür bringen? Cola, oder so?“
„Nee, alles gut. Ich hab‘ noch. Danke.“
„Na denn.“
„Ich kann dich aber leider nicht mehr in den Club lassen.“
„Was? Wieso das denn?“
„Du bist doch der mit dem fotografischen Gedächtnis, oder?“
„Ja, aber …“
„Das ist leider nach der neuen Datenschutzgrundverordnung ein Problem. Jedesmal, wenn du Leuten begegnest, mit ihnen sprichst oder sie nur ansiehst, speicherst du alle Umstände – Uhrzeit, Ort, Kleidung, Zustand, andere Gesprächsteilnehmer, was gesprochen wurde und so weiter – für den Rest deines Lebens ab. Jederzeit abrufbar. Man muss dich nur fragen. Du bist damit quasi eine wandelnde Datenerhebung. Völlig verboten nach der DSGVO. Und die ist seit heute in Kraft.“
„Ja aber, ich habe doch diese Formulare hier dabei. Vom Hamburger Amt für Datenschutz downgeloadet! Jedem, dem ich über den Weg laufe, gebe ich eines in die Hand, lasse es ihn durchlesen und mir das Einverständnis der Gedächtnisspeicherung quittieren – da bin ich ganz auf der sicheren Seite. Die Formulare beglaubigen mich sozusagen amtlich.“
„Achso, na, das ist natürlich etwas vollkommen anderes. Hast du denn genug von diesen Dokumenten dabei?“
„Habe heute Nachmittag ein ganzes Papierpaket von McPaper durch den Drucker gejagt. Guck, hier im Rucksack.“
„Alles klar! Gib mir doch bitte auch gleich mal ein Exemplar.“
„Gerne.“
„Hast du auch nen Stift?“
„Sicher! Daran soll mein Abend ja nicht scheitern.“
„Da sagst du was. Sicherheit geht vor.“

Traumberufe der Zukunft – heute: Abmahnanwalt/Abmahnanwältin

https://www.heise.de/tp/features/Das-DSGVO-Chaos-ist-angerichtet-4037911.html

In einer Zeit fortschreitender Digitalisierung der Arbeitswelt und der damit einhergehenden Kündigungsflut in den unterschiedlichsten Berufszweigen wird händeringend nach neuen Jobmöglichkeiten gesucht.

Hier erweist sich nun die Passivität unserer Bundesregierung bei manchen EU-Vorgängen als weise Voraussicht.

Dank der neuen EU-Verordnung in punkto Datenschutz stellt ab dem 25. Mai 2018 jedes Knipsen eines digitalen Fotos einen strafrechtlich relevanten Tatbestand dar – sofern der Fotografierende seine Handlung nicht als Staatsorgan (Polizist mit Demonstrationsteilnehmerdokumentationsbedarf) oder Journalist mit direktem Reportagebezug (noch) legitimieren kann. Da eine Digitalkamera neben dem Bild auch Zeit, Ort und GPS-Daten festhält, wird nach neuem Recht schon beim Speichern der Aufnahme das personenbezogene Datenschutzrecht verletzt.

Eine große Chance für den Arbeitsmarkt!

Der Bedarf an Abmahnanwälten und Abmahnanwältinnen wird in den kommenden Monaten drastisch steigen und es nicht klar, ob die vorhandene Anzahl diesbezüglich spezialisierter Kanzleien in der Lage sein wird, die gewaltige Aufgabe mit der bisherigen Personaldecke zu bewältigen. Es gilt, unzählige Schulfotografen, Konzertteilnehmer („Handy in die Höhe“-Halter), Hochzeitsfotografen, Hobbybildner, Sportveranstaltungsablichter, Selfieanfertiger mit Menschen im Hintergrund und viele weitere Straffällige zahlungskräftig zur Kasse zu bitten.

In den Jobcentern hat man bereits damit begonnen, Personal für entsprechende Umschulungsmaßnahmen abzuziehen. Und die rechtswissenschaftlichen Fakultäten der deutschen Universitäten bereiten sich auf eine wahre Bewerbungsflut vor.

Dies könnte die einmalige Chance sein, die Arbeitslosenquote in Deutschland auf ein historisches Minimum herunterzufahren. Vom neu entstehenden Wirtschaftskreislauf eines starken, dynamischen Abmahnmarktes ganz zu schweigen.
Es geht voran in diesem Land!

Reisedialoge zwischen Zigeuner und Imperator

Heute: Biologische Haltbarkeitsgrenze
 
Zigeuner: „Man darf ja auch nicht vergessen, dass der Mensch gar nicht dafür gebaut ist, so alt zu werden, wie er heute wird. Das 40. Lebensjahr ist im Prinzip die natürliche biologische Verfallsgrenze. Jedes weitere Lebensjahr ist so etwas wie die Nachspielzeit beim Fußball. Sie folgt keinen festgelegten Regeln, sondern liegt im Ermessen des Schiedrichters.
Der pfeift ab, wenn nichts Spielentscheidendes mehr passiert. Und da wird ab dem Zeitpunkt in der Regel auch nichts Großes mehr kommen, weil der Mensch jetzt ins Greisenhafte welkt. Jede Energie, die er nun noch aufbringt, ist künstlich. Sein Konto rutscht quasi ganz natürlich in die Miesen. Es kommt kein neues Leben hinzu, nur das alte wird immer weiter gestreckt und bis ins Durchsichtige verlängert.
Letztlich sollte der Mensch zusehen, dass er seine Lebensziele – egal welche – bis zum 35. Lebensjahr erreicht hat. Dann kann er sie noch entspannte fünf Jahre lang genießen, bevor die Klappe auf natürliche Weise fällt.“
 
Imperator: „Es wäre also ganz normal, wenn man irgendwann in dieser Zeitspanne aus dem Körperlichen herauswelkt und sich unaufgeregt dem unweigerlichen Drama der Romantik entzieht?“
 
Zigeuner: „Ganz genau. Und zwar nicht nur in Sachen Zweisamkeit und Lebensbeziehungen, sondern auch bei der kurzfristigen Verstrickung.“
 
Imperator: „Du meinst Affären, One-Night-Stands und so?“
 
Zigeuner: „Ganz genau! Aus all diesen Dingen altert man auf natürliche Weise heraus. Sie sollten der Straffheit der Jugend überlassen werden.“
 
Imperator: „Alles andere wäre sowieso ungesund und würde die Nachspielzeit noch weiter verkürzen.“
 
Zigeuner: „Eben.“
 
(aus: „Höllische Zeiten – Unterwegs mit dem Imperator und einer Klobürste“, unvollendetes Manuskript)

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Würdevoll selbstloser Beispielgeber

Es ist ja ganz normal, immer wieder von Agenturen aufgefordert zu werden, Angebote für Sprecheraufträge abzugeben, auf die dann keinerlei Antwort oder Reaktion erfolgt. Schließlich hat man sich nassforsch an den gängigen Sprecherpreislisten orientiert und den Kunden in spe auf diese Weise unhöflichst brüskiert.

Wenn man aber zufällig mitbekommt, dass die mitgelieferten, extra hierfür aufgenommenen Audiodemos anschließend anderen, weit und zügig entgegenkommend preisgünstigeren Konkurrenten als „Beispiel, wie das klingen soll“ vorgelegt werden, kann man immerhin würdevoll erhobenen Hauptes in den freiberuflichen Hungertod schreiten.

Talkgast

Kaum aufgezeichnet, zack: schon im Netz. Kurz vor Weihnachten durfte ich der wunderbaren Astrid Rolle bei der 18. Ausgabe von TalkDOT ausführlich Rede und Antwort stehen.

Verkehrsgeschehen

Kurze Pause

„Das steht mir zu!“
Nach acht Stunden ohne Ablösung beschloss Fabio, das Fahrtrichtungsschild, eine kleine Pause ein- und sich kurz abzulegen. Der Job des „Hier rechts vorbeifahren“-Anzeigens verlangte bei diesen eisigen Temperaturen auch einem so erfahrenen Verkehrsschild wie Fabio einiges ab.
„Außerdem“, wie der randseitig scharfkantige Verkehrsexperte noch einmal entschieden betonte, „steht mir die Pause gewerkschaftlich zu. Die Liegsabbieger hier in Steilshoop kommen auch mal eine halbe Stunde lang ohne mich klar. Zudem: ein kleines Nickerchen schärft die Sinne und sorgt anschließend wieder für die nötige Konzentration im Job!“
Tja, wer würde es ihm missgönnen.

Fränkie Funkenflug fährt aus

DHL – Der Kampf geht weiter
 
„Tut mir leid, Ihr Paket finde ich hier nirgendwo.“
„Es soll aber seit gestern hier liegen. Es wurde umgeleitet, nachdem der Fahrer feststellte, dass er nicht in der richtigen Stimmung war, auszusteigen und den Klingelknopf zu drücken. Zumindest entnehme ich das dem Status der DHL Paket-App: „Leider hat unser Auslieferer Sie nicht persönlich angetroffen. Ihr Paket wird in die nächste Filiale umgeleitet.““
„Ich habe hier nur leider nichts für Sie.“
„Was schätzen Sie denn, wann es ankommt? Habe gestern diese Benachrichtigungs-SMS erhalten: „Hallo, es liegt für Sie ab nächsten Werktag 11 Uhr eine Sendung in der Filiale Eichenlohweg in Hamburg. Ihr DHL Team““
„Hm, zeigen Sie mal … Nun, ich kann noch einmal nachschauen, aber weder gestern Abend noch heute im Laufe des Tages ist ein Fahrer hier gewesen.“
„Warum bekomme ich dann diese SMS?“
„Der Fahrer muss die Sendungen am selben Tag in eine Filiale umleiten, wenn er sie nicht ausliefern kann. Daher schreibt er das da rein.“
„Aha. In Wirklichkeit nehmen die ihre Pakete aber einfach mit nach Hause, oder wie?“
„Nun ja … manche Fahrer laden gern ein paar Tage später gesammelt hier ab, nachdem sie lange genug mit den Sendungen herumgefahren sind.“
 
(Zwischenruf von hinten aus dem Lagerraum: „Ach, hat „Fränkie Funkenflug“ (Name vom Autor geändert) wieder Schicht?“)
 
„Ich würde speziell diesen Fahrer zu gern einmal persönlich sprechen …“
„Ich könnte Sie anrufen, wenn das Paket eintrudelt.“
„Oh, das ist nett – hier haben Sie mal meine Nummer.“
„Wir melden uns!“
„Vielen Dank!“
 
DHL – Der Kampf geht weiter

Heldenhafte Nachbarn

Heute: Der Parkplatzkenner

„Dieser Parkplatz ist vollkommen legal!“, Schowanni Eigenlob, junger Familienvater und Nachbar aus Leidenschaft, verstand die erneute Aufregung über den Stammabstellplatz seines Kfz einfach nicht. Wie üblich kühlte sein ganzer Stolz, der playmobil-blaue Kombi bayerischer Fertigung, direkt vor dem Metallgatter des Gebäudetunnels ab.

In lang vergangenen Tagen stellte dieser den Zugang für die Zuliefererkarren in die Innenhof-Werkstätten des typischen Hamburger Miethaus-Quarrees dar. Die Handwerksbetriebe waren schon vor langer Zeit verschwunden und der Innenhof barg jetzt eine kleine Parkanlage mit Spielplatz, mehreren Fahrradstellplätzen sowie die Mülltonnen der Wohnanlage. Selbige müssen einmal pro Woche zur Entleerung seitens der Stadtreinigung vom Hausverwalter durch den Durchgang auf die Straße geschoben werden.

„Es ist nicht verboten, vor dem Durchgang zu parken! Ich sehe nirgendwo ein Schild, dass das Halten oder Parken an dieser Stelle untersagt!“, Schowanni schwoll schon wieder der Kamm.

Nun, tatsächlich hatte die Hamburger Behörde für Verkehr, Wirtschaft und Innovation hier bisher noch keinerlei Gebots- oder Verbotsschilder installiert. Das war auch nicht nötig – sämtliche übrigen Mieter der vier Wohnhäuser in der kleinen Straße wussten um die Wichtigkeit des freien Weges zwecks Müllentfernung und hielten den Platz vor dem Durchgang penibel frei.

„Tja, was ich kann ich dafür, wenn die anderen alle so doof sind? Guck, die Stelle ist ja noch nicht einmal als Feuerwehrzufahrt ausgewiesen. Es ist erlaubt, dort zu parken! Das wollen wir doch ein für alle Mal festhalten!“

Bereits zwei Mal war es zu einem Weiterfahren der Mitarbeiter der Stadtreinigung ohne Müllabholung gekommen, da es aufgrund des davorstehenden bajuwarischen Playmobils nicht möglich war, die Container durch den Tunnel auf die Straße zu schieben.

„Dann müssen die Container eben anders auf die Straße geschafft werden! Und komm‘ mir jetzt nicht wieder mit „einziger Ausgang vom Innenhof“ – das kann’s ja wohl nicht sein, wir leben schließlich im Jahr 2017. Und das ist vor allem auch überhaupt nicht mein Problem – ich habe nichts Ungesetzliches gemacht!“

Derzeit genießt Schowanni Eigenlob mit Familie einen zweiwöchigen Urlaub auf Teneriffa. Sein BMW steht sicher in der kleinen Straße. Wie gewohnt vor der Innenhof-Zufahrt. In der sich etliche, mittlerweile anrüchig überlaufende Mülltonnen zusammendrängen. Eine allerdings fällt durch erstaunliche Leere auf. Ihr Inhalt findet sich großzügig verteilt auf Dach und Motorhaube des spielzeugblauen Autos wieder.

Scheinbar ist dem Hausverwalter oder einem der anderen Mieter zwischenzeitlich der Kragen geplatzt. Mit möglicherweise ungesetzlichen, aber zumindest gefühlsmäßig befreienden und auch irgendwie lustigen Folgen …

Reich beschenkt

DHL – Der Kampf geht weiter

*ding-dong*
„Ja?“
„Guten Morgen, hier habe ich ein Paket für Sie.“
„Ah, danke.“
„Wenn Sie hier unterschreiben …“
„Moment! Das habe ich gestern verschickt!“
„Ja, und heute ist es schon da. Nicht schlecht, oder?“
„Nein, da stimmt was nicht – dieses Paket habe ich verschickt!“
„Und – zack – ist es angekommen!“
„Ja … nein … äh, das ist ein Missverständnis … ich bin der Versender! Hier, guck, hier steht’s: „Absender: R. Viktor Hacker“ – „Empfänger: „Bla-di-da XY“.“
„Meine Fresse, immer dieses nörgelige Herumgebohre in Kleinigkeiten!“
„Aber, ich bin der Versender!“
„Nun, das ist jetzt wirklich nicht mein Problem. Da habe ich ganz andere. Tschüss.“
„Äh, oha, ja, da haben Sie wohl recht …“

DHL – Der Kampf geht weiter