Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Sonntags-Kommähdie

Der aufmerksame Unternehmer sucht stets am Sonntag den Kontakt zu seinen Dienstleistern, denn an diesem Punkt der Woche ist der Servicebeauftragte am wenigsten durch andere Jobs abgelenkt und kann sich konzentriert den besonderen Erfordernissen und Wünschen des Auftraggebers widmen.

„Wie Sie am zur Verfügung gestellten Sprecherskript für den Imagefilm sicher schon bemerkt haben, neigt unsere Marketingabteilung zum ausgiebigen Gebrauch von Anglizismen. Ich möchte Sie indes bitten, diese englischen Formulierungen deutsch auszusprechen. Und zwar spürbar.“
„?“
„Ja, ich bin kein Freund dieser fremdländischen Konstrukte. Das passt auch überhaupt nicht zu unserem Kundenstamm.“
„?“
„Sehen Sie, wir sind ein Traditionsunternehmen und beliefern in erster Linie familiär geführte Handwerksbetriebe. Die können mit diesem ganzen neumodischen englischen Kram nicht um.“
„??“
„Die neue Marketingabteilung stellt einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar, sollen die ruhig ihre Arbeit machen. Wissen Sie, am Ende muss ich aber an unsere Kunden denken, das ist schließlich meine ureigene Verantwortung als Firmenchef. Also, sprechen Sie bitte einfach alle fremdsprachlichen Begriffe trocken urdeutsch aus, dann haben wir doch einen gangbaren Kompromiss für alle Seiten, wie ich finde. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und einen schönen Sonntag. Sie können mir die Tonspur dann bis 21 Uhr schicken. Bittedanke.“

Jo. Fietbäck, Ettferteising, Kommpleiänz, Kontännt, Pablick Rehläischän, Kommörschäll, Tecknollodschieh …

Wenn der Hipsterpapa mit dem Sohne …

Neulich vorm Supermarkt

Szenen aus den Ausläufern des Quartier 21; des gentrifizierten Teils von Barmbek-Nord. Ein moderner Hipsterpapa bringt seinem kleinen Sohn das Fahrradfahren bei.

Der Sohn ist exakt genauso gewandet wie sein mutmaßlicher Erzeuger: Hochgekrempelte, lachsfarbene Skinny-Hose zu hellgrünem, knielangem Shirt und leuchtend rosa Flip-Flops. Seine Haare sind ebenfalls zu einem wackelnden, schrumpkopfähnlichen Dutt zusammengebunden. Nur Daddys kinnlangziehender Schwarzbart fehlt im Ensemble.

Er müht sich redlich, sein Fahrrad – eine Miniaturausgabe des Fixies seines Vaters – in Bewegung zu setzen. Und scheitert wiederholt. Verliert beim Pedal-Balancieren auf der hohen 1-Gang-Übersetzung des filigranen Nichtbewegungsmittels jedes Mal das Gleichgewicht, bevor er auf ein stabilisierendes Tempo beschleunigen kann. Hadert zudem sichtlich mit dem schmalen Lenker und der engen Griffweite.

Ich schlage zur Abhilfe einen Bart zum Ankleben vor.

Hipsterpapa versteht nicht, runzelt die Stirn. Ich erläutere, dass Sohnemann so quadratbartlos kein stimmiges Gesamtbild ergäbe und daher unmöglich die nötige Mobilitätseleganz entwickeln könne. Hipster-Gen-Weitergeber versteht noch immer nicht, seine Mono-Braue zieht sich wie eine Raupe kurz vorm Blätter-Sprung in der Gesichtsmitte zusammen und ein Mundwinkel verzerrt sich in einem gequälten „Hä?!“. Leises Gekicher der Umstehenden schwillt an.

Ich schwinge mich auf mein eigenes Fahrrad und radle von dannen. Begleitet vom traurigen Blick des Bonsai-Hipsters auf seinem widerspenstigen Mini-Fixie. Er tut mir leid. Er kann ja nichts dafür, dass er unter schwierigen Bedingungen mit mangelnder Chancengleichheit aufwachsen muss. Ich wünsche ihm Glück und hoffe, dass er sich trotz allem durchbeißen kann und seinen Weg im Leben findet.

Es bleibt schwierig …

Saubere Sache

Schöner Türstehen an lauen Sommerabenden
Bierbrauerei-Festtage mit anschließender Aftershow auf dem Hamburger Berg bei T-Shirt-Temperaturen übersteigen definitiv das Fassungsvermögen vieler Kiez-Neulinge: Überall sind junge Feiereinsteiger beim Ritual der ruckartigen Verbeugung zu erleben, die dem schwungvollen Rückwärtstrinken vorausgeht, bei dem ein langer Partytag zur traditionellen Dokumentation auf dem Trottoir ausgebreitet wird.
 
Als Gästebetreuungsprofis mit langjähriger Erfahrung bringen die diensthabenden Türsteher nun sogleich ihre vorbereiteten Nachspülmittel-Eimer großzügig gegen die Spuren der künstlerischen Straßenpizzabäcker-Performance zum Einsatz. Wohlriechend steigen die Seifendüfte empor in die laue Abendluft. Die bunten Lichter der Bars und Clubs spiegeln sich geheimnisvoll schillernd hier und da in den Lachen und Pfützen. In die stampfende Beschallung aus den weit offenen Eingängen der Bars und Kneipen mischt sich ein fröhliches Rauschen und Plätschern ablaufenden Wassers. Ein Hauch maritimen Flairs entsteht.
 
Hier und da wird ein Gast, der sich zuvor zur regenerierenden Meditation auf dem Gehsteig niedergelassen hatte, von der reinigenden Seifenbrandung mit in den Rinnstein gespült. Von Kennern als Partymaschinen-Kurzwaschgang hoch geschätzt, ermöglicht dieser Gesamtvorgang eine vollständige Säuberung des Gästekörpers. Innerlich wie äußerlich.
 
Frisch gereinigt verharrt der Bergbesucher dann geduldig im Rinnstein, bis er nach vollständiger Durchtrocknung erfrischt am Feiergeschehen teilnehmen kann. Die Freude ist groß, die Kleidung nun unifarben.
 
Es ist ein sommerliches Wochenende auf dem Hamburger Berg. Und wieder einmal wird allen Party-Elementen – den flüssigen wie den festen – gründlich und enthusiastisch gehuldigt.
 
Eine rundum saubere Sache.

Wohlriechender Fitness-Experte

Wissensmehrung dank Krafttraining. Seit rund fünf Minuten steht der junge Mann mit dem beeindruckend niedrigstelligen Body Mass Index vor einer der großflächigen Spiegelwände der Männer-Umkleide und besprüht seinen vom Work out noch aufgepumpten Glattkörper ausführlich mit raumfüllendem Deo-Duft.

Konzentriert schürzt er die Lippen, eine jähe Falte zwischen den akribisch gezupften Augenbrauen kündet von der Entdeckung kleinster Asymmetrien im Gesamtkörperbild. Sorgsam spannt er jede Muskelpartie an, die aktuell im Fokus des Sprühnebels steht.

Dann scheint die Prozedur beendet.

Er schnappt sich sein Smartphone, das mit seinem Dreibeinstativ auf einem kleinen Regal nahebei stand, und schaltet die Videofunktion ab. An seinen Trainingspartner, der gerade aus dem Duschraum zurückkehrt, gerichtet, verkündet er stolz: „Ey, Digga, jetzt hab isch endlich auch die letzte Sequenz vom After Work Out-Tutorial fertisch. Noch schneiden, dann kann das hoch zu YouTube, das Ding.“

Sie ist fleißig, die Fitness-Jugend. Das muss man ihr lassen. Immer nah dran am Puls der Zeit und ganz uneitel in der Weitergabe ihrer Erkenntnisse. Das finde ich löblich – es nimmt mir die Sorge um die Zukunft unseres schönen Kraftsports.

Wandelnde Datenerhebung

Schöner Türstehen in gesicherten Zeiten

„n’Abend!“
„n’Abend.“
„Schon was los bei euch?“
„Geht so. Alle wohl noch im Park beim Grillen.“
„Is‘ wohl so. Da ist auch noch so’n „Umsonst & Draußen-Festival“ an der Elbe.“
„Ach deswegen ist der Hamburger Berg so leer.“
„Jo.“
„Man steckt nicht drin.“
„Ich geh‘ dann mal rein. Soll ich Dir was an die Tür bringen? Cola, oder so?“
„Nee, alles gut. Ich hab‘ noch. Danke.“
„Na denn.“
„Ich kann dich aber leider nicht mehr in den Club lassen.“
„Was? Wieso das denn?“
„Du bist doch der mit dem fotografischen Gedächtnis, oder?“
„Ja, aber …“
„Das ist leider nach der neuen Datenschutzgrundverordnung ein Problem. Jedesmal, wenn du Leuten begegnest, mit ihnen sprichst oder sie nur ansiehst, speicherst du alle Umstände – Uhrzeit, Ort, Kleidung, Zustand, andere Gesprächsteilnehmer, was gesprochen wurde und so weiter – für den Rest deines Lebens ab. Jederzeit abrufbar. Man muss dich nur fragen. Du bist damit quasi eine wandelnde Datenerhebung. Völlig verboten nach der DSGVO. Und die ist seit heute in Kraft.“
„Ja aber, ich habe doch diese Formulare hier dabei. Vom Hamburger Amt für Datenschutz downgeloadet! Jedem, dem ich über den Weg laufe, gebe ich eines in die Hand, lasse es ihn durchlesen und mir das Einverständnis der Gedächtnisspeicherung quittieren – da bin ich ganz auf der sicheren Seite. Die Formulare beglaubigen mich sozusagen amtlich.“
„Achso, na, das ist natürlich etwas vollkommen anderes. Hast du denn genug von diesen Dokumenten dabei?“
„Habe heute Nachmittag ein ganzes Papierpaket von McPaper durch den Drucker gejagt. Guck, hier im Rucksack.“
„Alles klar! Gib mir doch bitte auch gleich mal ein Exemplar.“
„Gerne.“
„Hast du auch nen Stift?“
„Sicher! Daran soll mein Abend ja nicht scheitern.“
„Da sagst du was. Sicherheit geht vor.“

Traumberufe der Zukunft – heute: Abmahnanwalt/Abmahnanwältin

https://www.heise.de/tp/features/Das-DSGVO-Chaos-ist-angerichtet-4037911.html

In einer Zeit fortschreitender Digitalisierung der Arbeitswelt und der damit einhergehenden Kündigungsflut in den unterschiedlichsten Berufszweigen wird händeringend nach neuen Jobmöglichkeiten gesucht.

Hier erweist sich nun die Passivität unserer Bundesregierung bei manchen EU-Vorgängen als weise Voraussicht.

Dank der neuen EU-Verordnung in punkto Datenschutz stellt ab dem 25. Mai 2018 jedes Knipsen eines digitalen Fotos einen strafrechtlich relevanten Tatbestand dar – sofern der Fotografierende seine Handlung nicht als Staatsorgan (Polizist mit Demonstrationsteilnehmerdokumentationsbedarf) oder Journalist mit direktem Reportagebezug (noch) legitimieren kann. Da eine Digitalkamera neben dem Bild auch Zeit, Ort und GPS-Daten festhält, wird nach neuem Recht schon beim Speichern der Aufnahme das personenbezogene Datenschutzrecht verletzt.

Eine große Chance für den Arbeitsmarkt!

Der Bedarf an Abmahnanwälten und Abmahnanwältinnen wird in den kommenden Monaten drastisch steigen und es nicht klar, ob die vorhandene Anzahl diesbezüglich spezialisierter Kanzleien in der Lage sein wird, die gewaltige Aufgabe mit der bisherigen Personaldecke zu bewältigen. Es gilt, unzählige Schulfotografen, Konzertteilnehmer („Handy in die Höhe“-Halter), Hochzeitsfotografen, Hobbybildner, Sportveranstaltungsablichter, Selfieanfertiger mit Menschen im Hintergrund und viele weitere Straffällige zahlungskräftig zur Kasse zu bitten.

In den Jobcentern hat man bereits damit begonnen, Personal für entsprechende Umschulungsmaßnahmen abzuziehen. Und die rechtswissenschaftlichen Fakultäten der deutschen Universitäten bereiten sich auf eine wahre Bewerbungsflut vor.

Dies könnte die einmalige Chance sein, die Arbeitslosenquote in Deutschland auf ein historisches Minimum herunterzufahren. Vom neu entstehenden Wirtschaftskreislauf eines starken, dynamischen Abmahnmarktes ganz zu schweigen.
Es geht voran in diesem Land!

Stadtparkmobilität

Unterwegs unter Menschen

Milde Temperaturen. Man geht hinaus und genießt die belebenden Sonnenstrahlen nach langem Wintergrau. Lustwandelt im lauschigen Park.

Drolliges neues Phänomen dabei: Elektromobilisierte Senioren mit Hightech-Fahrradprothesen, die ihren verzweifelt auf Kinderrädern hinterherkurbelnden Enkeln souverän davonsurren.

Indes: Groß wird der Vorsprung nur selten. Dank künstlicher Beschleunigung in einen Tempobereich jenseits ihrer geistigen wie körperlichen Reaktionsfähigkeiten machen die Vielfaltigen die nötigen Ausweich- und Bremsbewegungen erst nachdem sie schon in parkende Eiswagen oder im Weg herumstehende Kleinfamilien hineinkariolt sind.

Die schweratmenden, vor Anstrengung violettgesichtig aufholenden Kindeskinder dürfen sich dann beim Wiederaufstehen hilfreich einbringen.

Benefit: So kommt zum Ausdauertraining des Nachwuchses auch noch eine Einheit Kraftsport. Für mehr juvenile Gesundheit.

Reisedialoge zwischen Zigeuner und Imperator

Heute: Biologische Haltbarkeitsgrenze
 
Zigeuner: „Man darf ja auch nicht vergessen, dass der Mensch gar nicht dafür gebaut ist, so alt zu werden, wie er heute wird. Das 40. Lebensjahr ist im Prinzip die natürliche biologische Verfallsgrenze. Jedes weitere Lebensjahr ist so etwas wie die Nachspielzeit beim Fußball. Sie folgt keinen festgelegten Regeln, sondern liegt im Ermessen des Schiedrichters.
Der pfeift ab, wenn nichts Spielentscheidendes mehr passiert. Und da wird ab dem Zeitpunkt in der Regel auch nichts Großes mehr kommen, weil der Mensch jetzt ins Greisenhafte welkt. Jede Energie, die er nun noch aufbringt, ist künstlich. Sein Konto rutscht quasi ganz natürlich in die Miesen. Es kommt kein neues Leben hinzu, nur das alte wird immer weiter gestreckt und bis ins Durchsichtige verlängert.
Letztlich sollte der Mensch zusehen, dass er seine Lebensziele – egal welche – bis zum 35. Lebensjahr erreicht hat. Dann kann er sie noch entspannte fünf Jahre lang genießen, bevor die Klappe auf natürliche Weise fällt.“
 
Imperator: „Es wäre also ganz normal, wenn man irgendwann in dieser Zeitspanne aus dem Körperlichen herauswelkt und sich unaufgeregt dem unweigerlichen Drama der Romantik entzieht?“
 
Zigeuner: „Ganz genau. Und zwar nicht nur in Sachen Zweisamkeit und Lebensbeziehungen, sondern auch bei der kurzfristigen Verstrickung.“
 
Imperator: „Du meinst Affären, One-Night-Stands und so?“
 
Zigeuner: „Ganz genau! Aus all diesen Dingen altert man auf natürliche Weise heraus. Sie sollten der Straffheit der Jugend überlassen werden.“
 
Imperator: „Alles andere wäre sowieso ungesund und würde die Nachspielzeit noch weiter verkürzen.“
 
Zigeuner: „Eben.“
 
(aus: „Höllische Zeiten – Unterwegs mit dem Imperator und einer Klobürste“, unvollendetes Manuskript)

Melanchometeorologie

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass es in Hamburg ständig regne. Es gibt etliche andere Orte in Deutschland mit signifikant höherer Niederschlagsmenge.
Man denkt in Hamburg bloß, das Wetter wäre dauernd mies, weil der Himmel immer grau ist. Ok, trist ist es daher natürlich trotzdem, aber eben bedeutend häufiger trocken-trist als nass-trist.
Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Matratzenalarm – Teil 2

DHL – Der Kampf geht weiter

Update in der „Matratzen-Affäre“: Die DHL hat es jetzt geschafft, den zweiten Matratzen-Transportversuch nun doch zum Abschluss zu bringen (zur Erinnerung: die erste ging auf dem Transportwege verloren, die zweite wurde „geringfügig“ beschädigt und musste nachverpackt werden). Mit erfolgreicher Zustellung. Beim Versender. 😎

DHL – Der Kampf geht weiter