Der Geheimkunde

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Der Geheimkunde

Seit ein paar Tagen erhalte ich Anrufe von einem potentiellen Kunden. Er möchte gern, dass ich ihm einen Off-Kommentar für sein Firmen-Imagevideo produziere. Nichts täte ich lieber als das. Falls wir uns handelseinig bezüglich der Vergütung würden.

Leider schreibt er mir keine e-mail, sondern ruft lediglich wiederholt an. Auf dem Festnetz. Das analoge Telefon und der dazugehörige Anrufbeantworter stehen dinosaurierartig in der Ecke des Vergessens meines Arbeitszimmers und bezeugen den langen Lauf der Zeit.

Er spricht immer dringlicher auf den AB.

Möchte gern zurückgerufen werden, um mir dann alle Infos per e-mail zukommen zu lassen. Er braucht hierfür vorher den persönlichen Kontakt. Sagt er. Auf dem Anrufbeantworter.

Auf das Hinterlassen einer Nummer, unter der ich mich zurückmelden könnte, verzichtet er. Wahrscheinlich aus Datenschutzgründen. Gehört wahrscheinlich zu der paranoiden Spezies, die auch immer die e-mails gleich nach dem Lesen löscht. Und später nicht mehr nachschauen kann, was man ihr schrieb.

Die Firma nennt er nicht. Und seinen Namen vernuschelt er dermaßen, dass sich ein Versuch, ihn zu „googeln“ überdies auch nicht anbietet.

Er wird wohl für immer ein geheimer Kunde bleiben.

Autor: Viktor Hacker

Sprecher, Autor, Humorist. Türsteher. Ehemaliger Soldat. PR-Redakteur. Hörzu-Filmredakteur. Auto Bild-Bewegtbild- und Reportagen-Sprecher. Off-Stimme für Imagefilme. Synchronsprecher. Hamburger Abendblatt-Kolumnist. Bühnenkünstler. Literarischer Kabarettist. Spoken Word-Performances. Kabarett. Lesungen.

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