In den Untiefen des Alltags

Generationszwangswechsel
 
„Für den Preis von drei Brötchen kannst Du auch fünf haben.“ „Nein, danke, nett von Ihnen, aber ich möchte nur drei.“ „Ist aber derselbe Preis.“ „Nein, wirlich – drei reichen mir völlig. Die anderen beiden würde ich höchstwahrscheinlich hinterher wegwerfen.“ „Ich wollt’s Dir ja nur anbieten. Aber, wer nicht will, der hat schon.“ „Ja. Drei. Und die sind genug.“
 
Es ist ja nicht diese penetrante Aufforderung zur Völlerei, die mich bereits am frühen Morgen irritiert. Vielmehr dieses ungewohnte Duzen. Kaum habe ich mich widerstrebend daran gewöhnt, überall gesiezt zu werden, schon scheine ich in den nächsten, finalen Lebensabschnitt eingetreten zu werden. Der Generationswechsel wird von außen, von anderen definiert. Eben noch eigenverantwortlich als Herr über das eigene Leben am Backwarenerzeugnistresen stehend, steigt ein unbehagliches Gefühl in mir auf: Was folgt in Kürze? Die Altersentmündigung und Zwangsabschiebung ins Pflegeheim? Ich glaube, ich schaffe heute nur ein einziges Brötchen. Und dazu ein mit zusätzlichem Wasser verdünnter, entkoffeinierter Jakobskaffee …

Autor: Viktor Hacker

Sprecher, Autor, Humorist. Türsteher. Ehemaliger Soldat. PR-Redakteur. Hörzu-Filmredakteur. Auto Bild-Bewegtbild- und Reportagen-Sprecher. Off-Stimme für Imagefilme. Synchronsprecher. Hamburger Abendblatt-Kolumnist. Bühnenkünstler. Literarischer Kabarettist. Spoken Word-Performances. Kabarett. Lesungen.

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