Neulich bei „McFilth“: Das Schweißrevier

Wissensmehrung dank Krafttraining

Alte, behaarte Fahlmänner und junge Männer mit Machohintergrund haben eine große Gemeinsamkeit: Sie ziehen in der sommerlichen Muckibude eine derart zähe Schweißgeruchsfahne hinter sich her, die nicht nur die Augen tränen lässt, sondern auch schon berechtigt scheint, eine eigene Mobiltelefon-Nummer zu beantragen. Verbleibt das Odeur de la pestilence doch lange nach ihrem Abgang im jeweiligen Raum. Und sehnt sich nach Aufmerksamkeit und Kommunikation.


Oft vermute ich als Funktion dieses aromagewordenen, gasförmigen Bereichsessigs eine Art der Reviermarkierung. Ähnlich dem Kackesprühen des Nilpferdbullen im Schlammtümpel während der Brunftsaison.

Ich bin aber froh, dass diese modernere aerolisierte Duftmarkensetzung das klassische Pinkeln in die Raumecken mit nächtlich gereiftem Morgenurin abgelöst hat, mit dem der testosterongeplagte Herr des Hauses zu früheren Zeiten seinen Besitzanspruch unterstrich.

Zudem hat die gestrenge Körperausdünstung der Duschophobiker einen sehr positiven Nebeneffekt: Sie macht das morgendliche Enthaaren der Nase überflüssig. Schon bei leichtem Kontakt mit dem gasförmigen Kampfmittel schrumpfen die Ceratinstengel im Riechkolben wurzeltief zusammen, fallen aus, und verpuffen beim zu Boden rieseln in der lebensfeindlichen Raumatmosphäre in ihre atomaren Bestandteile.

Hier noch ein Expertentipp: Bei stetiger Zufuhr klassischer anaboler Steroid-Wirkstoffe wie etwa Nandrolon oder Methenolon, die ursprüngliche Bodybuilder einsetzten, statt der modernen Derivate, lässt sich das Eau de Transpirant noch viel besser über die körpereigene Chemie mit Schwefelaromaten und Buttersäure-Estern anreichern. Dann duftet’s bei „McFilth“ noch old schooliger nach 70er-Jahre-Eisenbiegerbude. Ganz im Sinne des Revivals des Vintage-Trainings.

Wohlriechender Fitness-Experte

Wissensmehrung dank Krafttraining. Seit rund fünf Minuten steht der junge Mann mit dem beeindruckend niedrigstelligen Body Mass Index vor einer der großflächigen Spiegelwände der Männer-Umkleide und besprüht seinen vom Work out noch aufgepumpten Glattkörper ausführlich mit raumfüllendem Deo-Duft.

Konzentriert schürzt er die Lippen, eine jähe Falte zwischen den akribisch gezupften Augenbrauen kündet von der Entdeckung kleinster Asymmetrien im Gesamtkörperbild. Sorgsam spannt er jede Muskelpartie an, die aktuell im Fokus des Sprühnebels steht.

Dann scheint die Prozedur beendet.

Er schnappt sich sein Smartphone, das mit seinem Dreibeinstativ auf einem kleinen Regal nahebei stand, und schaltet die Videofunktion ab. An seinen Trainingspartner, der gerade aus dem Duschraum zurückkehrt, gerichtet, verkündet er stolz: „Ey, Digga, jetzt hab isch endlich auch die letzte Sequenz vom After Work Out-Tutorial fertisch. Noch schneiden, dann kann das hoch zu YouTube, das Ding.“

Sie ist fleißig, die Fitness-Jugend. Das muss man ihr lassen. Immer nah dran am Puls der Zeit und ganz uneitel in der Weitergabe ihrer Erkenntnisse. Das finde ich löblich – es nimmt mir die Sorge um die Zukunft unseres schönen Kraftsports.

Stadtparkmobilität

Unterwegs unter Menschen

Milde Temperaturen. Man geht hinaus und genießt die belebenden Sonnenstrahlen nach langem Wintergrau. Lustwandelt im lauschigen Park.

Drolliges neues Phänomen dabei: Elektromobilisierte Senioren mit Hightech-Fahrradprothesen, die ihren verzweifelt auf Kinderrädern hinterherkurbelnden Enkeln souverän davonsurren.

Indes: Groß wird der Vorsprung nur selten. Dank künstlicher Beschleunigung in einen Tempobereich jenseits ihrer geistigen wie körperlichen Reaktionsfähigkeiten machen die Vielfaltigen die nötigen Ausweich- und Bremsbewegungen erst nachdem sie schon in parkende Eiswagen oder im Weg herumstehende Kleinfamilien hineinkariolt sind.

Die schweratmenden, vor Anstrengung violettgesichtig aufholenden Kindeskinder dürfen sich dann beim Wiederaufstehen hilfreich einbringen.

Benefit: So kommt zum Ausdauertraining des Nachwuchses auch noch eine Einheit Kraftsport. Für mehr juvenile Gesundheit.

Schrankprobleme

Wissensmehrung dank Krafttraining. Kevin-Primo Bolan, legendärer Teilzeit-Kraftdreikämpfer aus Ost-Steilshoop, war genervt. Schon wieder hatte er während des sonntäglichen „Nacken und Unterarm“-Workouts seine verdammte Keycard für den Umkleidespind irgendwo im McFilth-Gym verloren.
Dabei war er doch so knapp an Zeit – er musste jetzt schnell nach Hause!
Erst neulich hatte ihm ein erfahrener, achtzehnjähriger Youtube-Fitnessblogger erläutert, wie wichtig die Proteinshake-Einnahme exakt 24,5 Minuten nach Trainingsende war. Nur wenn er diese Zeitspanne präzise einhielte, würde der durchs Workout gesetzte Wachstumsimpuls auch wirklich in cleane Muskelmasse umgesetzt werden.
Kein Shake, keine Zuwächse!
Entschlossen schritt er zur Tat. Die nötige Aggressivität war vorhanden, denn zum Glück konnte er noch von der morgendlichen Dosis „Vitamine“ zehren. Das war nicht selbstverständlich, denn als entschiedener Anhänger des Natural Bodybuilding dosierte er die Produkte der modernen Pharmazie streng niedrig und ihre Wirkung verlor sich im Laufe des Tages. Wie so oft verlor er sich auch jetzt wieder einmal in der Überlegung, ins professionelle User-Lager überzuwechseln; dann wären auch endlich die scheußlichen Plateauphasen beim Masseaufbau passé.
Doch jetzt musste zunächst einmal das verdammte Problem mit dem verschlossenen Schrank gelöst werden …

Das schwere Leben der Macho-Mään

Wissensmehrung dank Krafttraining
 
Work out bei McFilth. Die nächste anstehende Übung ist für den Trizeps und erfordert einen Kabelzugturm. Ich schlendere zur entsprechenden Geräteansammlung. Auf den letzten Metern überholt mich eine Gestalt mit zügigem Schritt und wirft ihr Handtuch reviermarkierend über die Griffe einer der Maschinen. Ellenbogenausstelllend dreht er sich in der typischen Macho-Män-Drohhaltung mit breitbeinig einladender „Kick to the groin“-Landezone um und reklamiert das Gerät „was‘ los, Digga?“-knurrend für sich.
Freundlich lächelnd überlasse ich ihm den Zugturm und schnappe mir den nächsten in der Reihe. Es ist der einzige noch unbesetzte. Jetzt fällt auch ihm das „Defekt“-Schild an seiner frisch eroberten Maschine auf. Nun gilt es, die schwierige Aufgabe zu bewältigen, sich ohne Würdeverlust und schmerzliche Einbußen in punkto männlicher Überlegenheit zur nächsten Übung zurückzuziehen. Es ist nicht leicht, ein Macho-Män zu sein und überdies immer alles andere auch noch im Griff haben zu müssen.
Ich schaue ganz neutral und vermeide jegliche lustigmachende Haltung. Mir ist seine verkürzte Lebenserwartung als aufbauoptimierter „Bole-Bomber“ ja durchaus sehr bewusst. Ich will ihm auf keinen Fall die Lebensfreude noch weiter rauben – schließlich geht er eh schon nicht zum Lachen in den Hantel-Keller.
Stattdessen freue ich mich über meine moderaten Trainingsgewichte, und dass ich mich als Sportälterer nicht ständig halb bewundernd und halb enttäuscht im Spiegel kontrollieren muss.