Intensiv-Gäste

Nein, das geht leider nicht – bei einer Benefiz-Veranstaltung kann ich niemanden auf die Gästeliste setzen. Und nein: ich kann dir leider auch keine Plätze für dich und deine Begleitung reservieren. Nein, auch nicht auf der Bühne an der Seite. Tut mir Leid, aber wir können leider nicht später anfangen – das ist alles zeitlich aufeinander abgestimmt … Nein, auch nicht, wenn wir das Event komplett nach hinten verlegen … Die Getränkepreise beim Event? Nun, die sind auch Teil der Benefiz-Idee … Was? Ja, klar kannst du deine Sodastream-Flaschen mitbringen, musst sie eben nur draußen stehen lassen … Ach, du kannst jetzt doch nicht vorbeikommen? Schade …

Jeder kennt so jemanden. Oder jemanden, der so jemanden kennt.

Die Amsel: Der schlechte Mensch unter den Vögeln

Tiek Tiek Tiek!

(Beispiel-Video)
Neben meinem Küchenfenster ist eine Amsel eingezogen. Sie hat lange nach einer geeigneten Bleibe gesucht, die ihren gehobenen Ansprüchen in punkto Wohnlage, Infrastruktur, Mikro-Klima sowie passendem Baumbestand entspricht.
Jetzt hat sie jedoch festgestellt, dass in den umliegenden Gebäuden scheinbar Leute leben. Und Katzen! Ein nicht hinzunehmender Umstand, wie sie findet. Sie verleiht ihrem Unmut nun lautstark Ausdruck. Über Stunden. Ohne Pause. Die müssen weg, die Störenfriede – dafür wird sie schon sorgen!
Mich beschleicht derweil ein Verdacht: Diese ganz speziellen Vetreter der Drossel-Familie sind die gefiederten Re-Inkarnationen von Menschen, die gern in die Nähe von traditionsreichen Kneipen, Clubs oder Bars einziehen, um die Lokalität anschließend mit fortwährenden Lärm-Beschwerden bei Polizei und Ordnungsamt in den Ruin zu treiben.
Trotz zu Lebzeiten dadurch angesammelten schlechten Karmas erhalten sie später in Tierform noch eine zweite Chance. Die sie als verbohrt-ignorante Zeitgenossen natürlich wieder zuverlässig verkacken. Nichts gelernt und stolz darauf. Und: Zack – von der Katze gefressen …
Tiek Tiek Tiek Würg!

Sprengstoffgürtel muss draußen bleiben

​Schöner Türstehen in Zeiten der Bedrohung

„Einmal abtasten …“,

„Kein Ding.“

„Den Sprengstoffgürtel musst du aber draußen lassen.“

„Echt?“

„Ja, pack ihn da in die Kiste. Kannst ihn nachher wieder mitnehmen.“

„Den habe ich aber bei euch gekauft!“

„Die verkaufen wir nicht.“

„Und wenn ich dir verspreche, ihn drinnen nicht zu benutzen?“

„Ja nee, das sagen alle und hinterher will’s wieder keiner gewesen sein.“

„Wenn ich ihn hier in die Kiste lege, kriege ich den Gürtel dann nachher wirklich wieder zurück?“

„Wenn er noch da ist, kannst du ihn nachher wieder mitnehmen.“

„Du passt aber drauf auf!“

„Tut mir Leid, ich kann leider nicht auf deinen Sprengstoffgürtel aufpassen. Aber normalerweise kommen die nicht weg.“

„Kann ich ihn zwischendurch mal haben? Ich bleibe auch im Eingang.“

„Nein, du darfst deinen Sprengstoffgürtel leider nicht im Eingang benutzen! Das wäre doch fast das selbe, als würde ich dich damit reinlassen. Das ist ja Quatsch …“

„Och menno, dann gehe ich jetzt woanders hin. Wo man sich nicht so anstellt, bloß weil man mal einen kleinen Sprengstoffgürtel mitbringt … außerdem: ich kaufe doch sowieso später bei euch einen neuen, wenn der alte verbraucht ist, wo ist denn da das Problem, sach ma?“

„Wie gesagt, wir verkaufen die hier nicht.“

„Ihr seid solche Spießer!“

„Yo …“

Es bleibt schwierig …

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Korrekturphasen

 

Trotz sorgfältigster Prüfung des Produzierten unterlaufen selbst dem gewissenhaftesten freiberuflichen Sprecher natürlich auch einmal Fehler. Vom Kunden beispielsweise auf eine falsche Aussprache* im Off-Kommentar oder dem Voice Over hingewiesen, wird er dies aber ebenso bereitwillig wie zügig korrigieren.

Textänderungen sind jedoch keine Korrekturen, sondern Neuaufträge. Auch im Sinne des Zeitfaktors sollte die Lieferung eines endgültig freigegebenen Sprechertextes dem „work in progress“ vorgezogen werden. Überdies erspart sich der Kunde dann Diskussionen mit dem Freiberufler à la „Wie, das ist eine neue Produktion und ich muss noch einmal dafür bezahlen? Wir haben doch bloß einen neuen Text geliefert – das Thema bleibt doch das selbe!“

*(Nein nein, lieber bayerischer Auftraggeber, „zwanzich“ ist tatsächlich die korrekte Aussprache nach Standardlautung ihres mundartlichen „zwanzick“. Und das Wort „Kinesen“ gibt es so ebenfalls nicht – die richtige Form dieser Berufsbezeichnung im Bereich der Physik lautet „Kinetiker“.)

Terrouristenpärchen in der Hafen-City

​Unterwegs im Hafen und der Hafen-City. Mission: Maritim anmutende Fotos für Flyer machen. Leider regnet es ununterbrochen. Sowohl Wasser von oben, als auch Leute von allen Seiten. Durch die Bank sich höchst verdächtig ähnlich sehende Terrouristenpärchen (©Sasha Hamovic) in hornhautgepolsterten Wandersandalen mit ihren dauerquengelnden Henkelohr-Kindern. Sie reden lauthals in Zungen. Hessisch, Schwäbisch, Bayerisch und Fränkisch. Und ich dachte bisher, bloß in Tiroler Bergtälern und im schönen Pinneberge bliebe alles immer in der Familie. Pustekuchen …

Gesundheit dank Nationalvitamin

Deutsche Paprika„Deutsche! Kauft nur deutsche Paprrrika! Ein Volk, ein Gemüsebeet, ein Gärrtnerrr!“ (Hier am Ende die Stimme leicht überschnappen lassen, dabei synchron auf den Zehen kippeln)

Ruf. Mich. Nicht. An!

Zielorientierte Kommunikationsstrategien – oder: Wie, Feierabend?
 
IMAG1299_1Sonntagabend. EM 2016. Deutschland spielt gegen die Slowakei im Achtelfinale, die erste Halbzeit läuft, die Bundes-Elf hat gerade zum 1:0 eingenetzt. Plötzlich: Ein in diesem Zusammenhang vollkommen unpassendes Geräusch sägt in die Szenerie – ein Kunde ruft an und möchte gern en détail über einige Sprechvorgaben für einen Auftrag in der nächsten Woche reden. Lässt sich nur mit größter Mühe auf gerade noch grenzhöfliche Art und Weise abwürgen. Versteht nicht, warum das Telefonieren jetzt nicht möglich sei. Wäre doch zur Zeit so schön ruhig überall. Sein Vorgehen erscheint mir in mehrfacher Hinsicht von nahezu atemberaubender Ignoranz.
 
Eigentlich nur durch die Penetranz eines gewissen Vorsitzenden des „Kunstbureau Wilhelmsburg e.V.“ damals in den frühen Neunzigern zu toppen. Dieser rief in den noch telekommunikativ unmobilen Zeiten grundsätzlich am Freitagabend auf dem Festnetz an. Während die allwöchentliche Star Trek-Ausstrahlung im TV lief. Weil er da sicher sein konnte, mich zu Hause zu erreichen …

Born to be mild

HarleyAch guck, am Wochenende ist es wieder soweit: Sonnenbrandbedrohte Zahnwälte betagteren Semesters spielen sommerlichen Outlaw. Da sie vorwiegend auf us-amerikanischem Alteisen unterwegs sind, dessen Schräglagen-Freiheit strenggenommen nur im Geradeauslauf überzeugt, fahren sie dabei a. keine Kurven und b. nicht sehr weit.
Da die selbst gefahrene Strecke zumeist mangels Übung äußerst langsam bewältigt wird (die Motorräder werden für gewöhnlich auf Anhängern zum Zielort transportiert und per „Dreck- und Staub-Kit“ mit street credibility versehen), kippen sie am Wendepunkt häufig um. Das wird drollig, das schaue ich mir am Sonntag wieder gern an. 🙂

PS: Ich habe wieder Internet, wie ihr seht. Und: Die Leute von Willy Tel rufen persönlich an, sagen Bescheid, was kaputt war und warum es so lange gedauert hat, bitten um Entschuldigung und wünschen einen guten Tag. Finde ich gut.

Vorsprung durch Technik

Willy Tel. Der Internetzugang inklusive Telefon und allem ist seit fünf Uhr morgens tot. Zum Glück hatte ich den Großteil der eingesprochenen Audiofiles schon gestern Nacht um halb vier nach fertigem Schnitt an den Kunden abgeschickt. Die Techniker bei Willy Tel versichern mir: Der Fehler ist bekannt und in wenigen Momenten behoben. Sie versichern es mir seit heute morgen um sieben. Stündlich.
Der Kunde wartet auf die restlichen Off-Kommentare. Noch wäre aber Zeit. Wie er mir halbstündig versichert.
Wie in der Freiberuflerbranche üblich, wird mir der Kunde am Ende sagen: „Technische Probleme sind höhere Gewalt, da kann man nichts machen.“ Und sich für den nächsten Auftrag einen anderen suchen. Der zudem für weniger Geld arbeitet – wie in der Sprecherbranche üblich.
Es lebt sich spannend und wird nie langweilig im Digitalen Sozialdarwinismus.

Ein Ende mit dem Telefon-Anbieter-Generve

Schluss mit o2

Mir reicht das jetzt mit den unfreiwillig dazugebuchten Soundeffekten bei o2. Diese ständige Rauschen und Knacksen, die Lautstärkeschwankungen und unvermittelten Verbindungsabbrüche. Der Gesprächsteilnehmer, der zwischendurch klingt wie ein Alien, das aus der Kanalisation nach Hause zu telefonieren versucht …

Die Zeitgenossen vor Alexander Graham Bells Erfindung wären vermutlich begeistert gewesen, ohne zu schreien über eine Distanz von mehr als einhundert Metern kommunizieren zu können, aber bitte, liebe Leute, wir haben 2016 und ich möchte mich nicht nach jedem Telefonat schweißgebadet vor Anstrengung erschöpft das Handy fallen und auf den Boden sinken sehen. Das ist doch nicht zeitgemäß, das kann doch nicht der Stand der Technik sein.

Ich habe auch keine Lust mehr, mir von euren schwer zu erreichenden Telefonjokern seit der Verwendung von drei Smartphones unterschiedlicher Bauart erläutern zu lassen, dass selbstverständlich auf eurer Seite keinerlei Fehler vorliegt und alles super ist.

Es hilft nichts: wir müssen unsere langjährige Beziehung beenden, denn sie ist zerrüttet. Und ich versuche jetzt mein Glück mit anderen Anbietern.