Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

Nachlese zum Wochenende. Es waren sehr entspannte Tür-Schichten. Leider fast zu entspannt, wie ich befürchte. So rein aus sportlicher sowie gastronomischer Sicht. Nieselregen, kalt, kaum Leute, die sich aus dem Haus trauen.

Aber immerhin ein wunderbar Verwirrter. Kommt mit einer fast vollen Bierflasche in der einen sowie einem halbleeren Longdrinkglas in der anderen – ich vermute Gin and Tonic – nach vorn an die Club-Tür. Scheint uns verlassen zu wollen. Klassische, freundliche Aufforderung: Er möge seine Getränke bitte entweder abstellen oder aber umfüllen. Er deponiert beides auf dem Podest neben dem Eingang, schickt sich an, zu gehen. Überlegt es sich dann nach dem Hinweis, er könne es sich ja auch gern in Becher umfüllen, anders und gießt sein Bier umsichtig in den Longdrink. Guckt uns, den Drink und die Welt im Allgemeinen mit tiefem Stirnrunzeln an, stellt den „Spezialcocktail“ auf die Ablage, tritt hinaus. Erneuter Sinneswandel gefolgt von Rückkehr. Er ergreift das Erfrischungsgetränk, setzt es entschlossen an und leert es mit tapferem Zug. Anschließend schüttelt er sich und verabschiedet sich mit den Worten: „Jungs, das war ein echt guter Abend bei euch, aber das hier, nä, das schmeckt doch echt scheiße, sach ma!“

Ich sage mal: Es bleibt schwierig. Aber: zum Glück muss niemand dabei verdursten.

Schönen Sonntag!

„America first – but St. Pauli last …“

Sogar das Abendblatt berichtet über unseren lütten Videostreich … 🙂

Hier geht’s zum Artikel im Hamburger Abendblatt

Umfüll-Tremor und ein Verdacht

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. Ein eifriger Gast verlässt den Laden: „Guck, ich habe mein Bier umgefüllt!“
„Cool. Und nu‘?“
„Ja nee, wegen Glasflaschenverbot und so, nä!“
„Vorbildlich. Vor allem anbetracht Deines Zustands.“
„Ja, nä. Aber, welchen Zustand meinst du denn?
„Bestimmt nicht einfach, den Alltag immer so im Griff zu haben, wenn man zeitgleich mit einem akuten Alkoholproblem ringt.“
„Äh, bitte? Ich hab doch bloß n Bier in ’n Becher umgefüllt, ich …“
„Und das trotz des ausgeprägten Tremors! Bewundernswert. Ehrlich.“
„Was’n Tremor?“
„Händezittern. Tritt ja häufig bei schweren Säufern auf. Aber mal was anderes: wie geht denn deine Freundin damit um?“
„Womit?“
„Na, mit ihrer Co-Abhängigkeit. Die nahen Angehörigen sitzen bei einem hoffnungslos Alkoholkranken ja mit im sinkenden Boot. Schon ne harte Sache …“
„Ich hab‘ doch bloß ’n Bier umgefüllt!“
„Und genau das ist der landläufige Irrtum: die erfolgreiche Meisterung der kleinen Verrichtungen des Alltags ist mitnichten das erste, was schwindet, sondern häufig die letzte Kompetenz, die dem Hardcore-Trinker als kurzer Lichtblick vor der langen Nacht verbleibt … Vielleicht sollte ich schonmal eine Kerze für dich anzünden.“
„Das ist ja furchtbar! Du spinnst doch. Ich geh‘ jetzt nach Hause!“
„Bist du sicher, dass du noch eines hast? Ich meine ja nur. Man muss sich manchen Tatsachen einfach mal stellen. Im eisigen Wind der Realität quasi die Brust rausstrecken! Aber, du machst das schon – will nix gesagt haben … Allerdings, dieses beginnende Gelb in deinen Augen, das verheißt nichts Gutes bezüglich der Leberwerte. Hast du den Begriff „Zirrhose“ eventuell schon einmal gehört …“
„Ihr seid ja vollkommen durchgeknallt! Hier komme ich nie wieder her!“
„Bis nächstes Wochenende.“
„Ja, nee.“
„Ja, doch! Ich kenne doch meine Hamburger Berg-Besucher – es ist unvermeidlich.“

Heiligabend. Mal nicht als Freibeuter greifbar

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heiligabend. 19.30 Uhr. Mit Freunden, Patenkindern und überhaupt super Menschen an einem Tisch herumspaßend, der mit leckeren Sachen und wunderbarem Wein bestens bestückt ist. Das Smartphone brummt hartnäckig vor sich hin. Ein neugieriger Blick offenbart: E-mail eines potentiellen Kunden. Ob man kurz eine Demo für einen Sprecherauftrag aufnehmen und schicken könne?

Na, aber sicher doch. Allerdings nur für die Rolle eines leicht trunkenen Weihnachtsmannes.

Ja nee, es ginge um den Off-Kommentar eines Erklärfilms über Mitarbeiterführung und betriebliche Motivation.

Ach echt? Dürfe man denn dort leicht geschärfte Ironie und etwas zitronensauren Sarkasmus in die Stimme einfließen lassen?

Verstehe ich nicht, sagt der Kunde.

Das glaube ich gern, schreibe ich, und schenke mir selbst nochmal reinen Wein ein, während ich mein Telefon abschalte und ebenso leise wie sicher in der Hosentasche verschwinden lasse …

Frohe Weihnachten. Nä.

Charity-Mix-Show auf dem Hamburger Kiez zugunsten Obdachloser

Bei „Comedy for the streets“ lacht das Publikum für andere

Hamburg, September 2016. „Für andere lachen“ lautet das Motto von „Comedy for the streets“. Bei der Premiere der Charity-Show am 16. November auf dem Kiez kitzeln fünf Hamburger Comedians und Kabarettisten die Lachmuskeln ihres Publikums. Ziel der Künstler ist es, den Nochtspeicher zum Kochen zu bringen. Hamburgs sozialer Hafen, das „CaFée mit Herz“, das arme, arbeits- und obdachlose Menschen auf St. Pauli kostenlos mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt, erhält den Reinerlös der Mix-Show. Showbeginn ist um 19:30 Uhr, Einlass eine Stunde vorher.

Viktor Hacker, bekannt als Kolumnist des Kiezblogs „St. Pauli-News“ und aus „Zeit für Zorn? – Die Türsteherlesung“, führt als Moderator durch den Abend und setzt den Rahmen für: Kabarettist, Redner und Spiegel-Bestsellerautor Sebastian Schnoy, Party-Comedian Thorsten Bär, Comedy-Sternchen Alicia Heldt und Newcomer Marvin Spencer. Alle Künstler spielen ein Best-of ihrer Programme und verzichten auf ihre Gage. Denn es geht ihnen um die gute Sache.

Organisator der Show ist Event-Veranstalter Thorben Reinhard von der Agentur International Experience Promotion: „Die Idee, etwas für Obdachlose zu tun, schlummerte schon lange in mir. Als mir dann der Titel ‚Comedy for the streets einfiel’, war das Event-Konzept im Prinzip direkt klar. Alle Künstler haben spontan zugesagt. Jetzt hoffe ich nur noch auf ein ausverkauftes Haus und damit verbunden auf eine große Spendensumme für das ‚CaFée mit Herz’. Es ist so einfach, Gutes zu tun. Und es macht Spaß. Denn unser Abend wird garantiert lustig“, verspricht Thorben Reinhard.

Auf einen Blick: Charity-Mix-Show „Comedy for the streets“ am Mittwoch, 16. November 2016, um 19:30 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr), im Nochtspreicher (Bernhard-Nocht-Straße 69a, 20359 Hamburg). Tickets gibt es im Vorverkauf über Ticketmaster (15 Euro zzgl. Vvk-Gebühr) und an der Abendkasse (17,50 Euro). Den Reinerlös erhält das „CaFée mit Herz“.

Volle Fahrt bei Vollmond

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg. Ich empfand es als feinen Zug vom Rettungswagen-Team, den nun langsam seitlich wieder vom stehenden Fahrzeug abtropfenden Schnellläufer gleich mitzuverarzten, wo sie doch eh schonmal vor Ort waren. Als sie nach vollendetem Werk losfuhren, fragte ich mich von meiner Tür aus, wie lange sich die beiden anderen Jungs wohl an ihrem Platz an den Hecktüren werden halten können. Feixend standen sie auf der hinteren Stoßstange und krallten sich an Türgriffen und Dachreling fest. Der RTW bog in die Simon-von-Utrecht-Straße und beschleunigte im Licht des vollen Mondes …

Reise ins Ungewisse

Schöner Türstehen

Ein Streifenwagen steht in der Nähe der Clubtür. Die Besatzung muss die Ergebnisse irgendeines Freiluft-Gehampels vor dem Kiosk auf der anderen Straßenseite protokollieren. Die hinteren Türen eines Polizeiautos lassen sich nicht von innen öffnen. Was auch der leicht angetrunkene Gast gerade feststellen muss, der eben entweder aus Spaß in das Staatsgefährt einstieg oder, weil er es für ein seltsam blaues Taxi hielt. Nun kehrt die Streifenwagenbesatzung zurück. Dienstmützen werden abgenommen. Türen klappen. Ein Motor startet. Die Fahrt geht los. Hinten hat sich der blinde Passagier mucksmäuschenstill ganz klein gemacht, da er nicht weiß, was er sonst tun soll. Ich frage mich, wann sie ihn wohl bemerken. Und ob man ihm dann beim Aussteigen behilflich ist oder er recht teuer übernachten muss. Ein Vollmond auf Reisen.

Es bleibt schwierig …

Wenn SF wahr wird

Als Teenie war ich voll der Hoffnung, dass zu meinen Lebzeiten ein paar der gesellschaftlichen und technischen Fortschritte meines geliebten Science Fiction-Genres Wirklichkeit werden. Und heute stehe ich am Fenster und lächle, denn den Regen, den Dauerregen aus „Blade Runner“ den haben wir jetzt tatsächlich und dürfen ihn täglich in der Realität erleben. Das ist schon ein bisschen cool, muss ich sagen …

Terrouristenpärchen in der Hafen-City

​Unterwegs im Hafen und der Hafen-City. Mission: Maritim anmutende Fotos für Flyer machen. Leider regnet es ununterbrochen. Sowohl Wasser von oben, als auch Leute von allen Seiten. Durch die Bank sich höchst verdächtig ähnlich sehende Terrouristenpärchen (©Sasha Hamovic) in hornhautgepolsterten Wandersandalen mit ihren dauerquengelnden Henkelohr-Kindern. Sie reden lauthals in Zungen. Hessisch, Schwäbisch, Bayerisch und Fränkisch. Und ich dachte bisher, bloß in Tiroler Bergtälern und im schönen Pinneberge bliebe alles immer in der Familie. Pustekuchen …

Nässe im Dunkel

2016. Das Jahr des dauerdüsteren Sommers, der für eine höhere Licht-Stromrechnung als der Winter sorgte. Dafür musste man die Angel nicht mehr so weit auswerfen – Scharen von Hering und Kabeljau zogen oft dicht am Wohnzimmerfenster vorbei. Und auch ein ganz besonderes Natur-Schauspiel nahm hier seinen Anfang: Die alljährliche Überwindung der Kellertreppen-Stromschnellen durch wandernde Lachsschwärme auf ihrem Weg zu den Laichgründen auf den umliegenden Sportplätzen.