Terrouristenpärchen in der Hafen-City

​Unterwegs im Hafen und der Hafen-City. Mission: Maritim anmutende Fotos für Flyer machen. Leider regnet es ununterbrochen. Sowohl Wasser von oben, als auch Leute von allen Seiten. Durch die Bank sich höchst verdächtig ähnlich sehende Terrouristenpärchen (©Sasha Hamovic) in hornhautgepolsterten Wandersandalen mit ihren dauerquengelnden Henkelohr-Kindern. Sie reden lauthals in Zungen. Hessisch, Schwäbisch, Bayerisch und Fränkisch. Und ich dachte bisher, bloß in Tiroler Bergtälern und im schönen Pinneberge bliebe alles immer in der Familie. Pustekuchen …

Anderswo

Manchmal sitze ich da,
und sage nichts,
höre den Bäumen beim Rauschen zu
und stelle mir vor,
ich wäre am Meer.

Gesundheit dank Nationalvitamin

Deutsche Paprika„Deutsche! Kauft nur deutsche Paprrrika! Ein Volk, ein Gemüsebeet, ein Gärrtnerrr!“ (Hier am Ende die Stimme leicht überschnappen lassen, dabei synchron auf den Zehen kippeln)

Ruf. Mich. Nicht. An!

Zielorientierte Kommunikationsstrategien – oder: Wie, Feierabend?
 
IMAG1299_1Sonntagabend. EM 2016. Deutschland spielt gegen die Slowakei im Achtelfinale, die erste Halbzeit läuft, die Bundes-Elf hat gerade zum 1:0 eingenetzt. Plötzlich: Ein in diesem Zusammenhang vollkommen unpassendes Geräusch sägt in die Szenerie – ein Kunde ruft an und möchte gern en détail über einige Sprechvorgaben für einen Auftrag in der nächsten Woche reden. Lässt sich nur mit größter Mühe auf gerade noch grenzhöfliche Art und Weise abwürgen. Versteht nicht, warum das Telefonieren jetzt nicht möglich sei. Wäre doch zur Zeit so schön ruhig überall. Sein Vorgehen erscheint mir in mehrfacher Hinsicht von nahezu atemberaubender Ignoranz.
 
Eigentlich nur durch die Penetranz eines gewissen Vorsitzenden des „Kunstbureau Wilhelmsburg e.V.“ damals in den frühen Neunzigern zu toppen. Dieser rief in den noch telekommunikativ unmobilen Zeiten grundsätzlich am Freitagabend auf dem Festnetz an. Während die allwöchentliche Star Trek-Ausstrahlung im TV lief. Weil er da sicher sein konnte, mich zu Hause zu erreichen …

Sexismusdiskurs

Schöner Türstehen. Innerhalb der Vierergruppe – drei Typen, ein Mädel – vorm Clubeingang wird aufgeregt diskutiert. Nun, eigentlich diskutieren nur die Typen – die Frau steht außerhalb des Kreises, wird ignoriert, man dreht ihr den Rücken zu. „Warum geht ihr nicht rein? Könnt ihr euch über die weitere Abendplanung nicht einigen?“
„Ja, nee …“, sagt sie, “ die müssen noch was ausdiskutieren.“
„Was denn?“
„Na, ob das sexistisch war, mir Zigarettenasche vom T-Shirt auf den Brüsten wegzupusten.“
„Ach guck, die diskutieren über deine Würde, schließen dich davon aber aus … das finde ich eigentlich viel sexistischer.“
„Ich auch.“
„Und?“
„Und was?“
„Haste den Jungs das mal gesagt?“
„Hab ich.“
„Und?“
„Sie hören mir nicht zu.“
„Geh‘ doch einfach rein und mach dir nen schicken Abend.“
„Und die Jungs?“
„Die lasse ich nicht rein.“
„Echt?“
„Ja.“
„Cool! Metal heute oben oder unten?“
„Oben!“
„Cool, bis später.“
„Viel Spaß!“
„Danke!“
Manchmal ist’s einfach …

Born to be mild

HarleyAch guck, am Wochenende ist es wieder soweit: Sonnenbrandbedrohte Zahnwälte betagteren Semesters spielen sommerlichen Outlaw. Da sie vorwiegend auf us-amerikanischem Alteisen unterwegs sind, dessen Schräglagen-Freiheit strenggenommen nur im Geradeauslauf überzeugt, fahren sie dabei a. keine Kurven und b. nicht sehr weit.
Da die selbst gefahrene Strecke zumeist mangels Übung äußerst langsam bewältigt wird (die Motorräder werden für gewöhnlich auf Anhängern zum Zielort transportiert und per „Dreck- und Staub-Kit“ mit street credibility versehen), kippen sie am Wendepunkt häufig um. Das wird drollig, das schaue ich mir am Sonntag wieder gern an. 🙂

PS: Ich habe wieder Internet, wie ihr seht. Und: Die Leute von Willy Tel rufen persönlich an, sagen Bescheid, was kaputt war und warum es so lange gedauert hat, bitten um Entschuldigung und wünschen einen guten Tag. Finde ich gut.

Schreckgespenster in Braun

Kein Mensch* will Herrn Gauland zum Nachbarn haben. Jetzt habe ich gehört, dass er überdies auch noch ein grottenschlechter Fußballspieler sein soll. Dumm gelaufen, mal sagen …

*(Ich sagte: kein Mensch. Die Details, immer die Details beachten.)

Gebrauchsanweisungen aktuell

„Hinweis: 1. Es kann ein bisschen riechen, wenn Sie diese Tasche zu bekommen. denn es ist neu und unbenutzt. Sie könnten das Paket zu öffnen und legen Sie sie an einem gut belüfteten Ort für ein paar Stunden, dann der Geruch wird verblassen

2. Echtes Leder erscheinen Mehltau Punkte aufgrund der Verdampfung von Wasser im Futter. Sie könnten nur wischen Sie mit einem feuchten Tuch.“

Jetzt verstehe ich auch den komischen Geruch im ÖPNV. Es sind die vielen noch neuen und unbenutzten Fahrgäste. Vielleicht sollte man sie kurz öffnen und an einem gut belüfteten Ort verblassen lassen. Dieser ominöse „Mehltau“ lässt sich ebenfalls deutlich auf ihren sichtbaren Oberflächen erkennen … hm, ich gehe wohl doch lieber zu Fuß durch den Regen.