Neulich bei „McFilth“: Das Schweißrevier

Wissensmehrung dank Krafttraining

Alte, behaarte Fahlmänner und junge Männer mit Machohintergrund haben eine große Gemeinsamkeit: Sie ziehen in der sommerlichen Muckibude eine derart zähe Schweißgeruchsfahne hinter sich her, die nicht nur die Augen tränen lässt, sondern auch schon berechtigt scheint, eine eigene Mobiltelefon-Nummer zu beantragen. Verbleibt das Odeur de la pestilence doch lange nach ihrem Abgang im jeweiligen Raum. Und sehnt sich nach Aufmerksamkeit und Kommunikation.


Oft vermute ich als Funktion dieses aromagewordenen, gasförmigen Bereichsessigs eine Art der Reviermarkierung. Ähnlich dem Kackesprühen des Nilpferdbullen im Schlammtümpel während der Brunftsaison.

Ich bin aber froh, dass diese modernere aerolisierte Duftmarkensetzung das klassische Pinkeln in die Raumecken mit nächtlich gereiftem Morgenurin abgelöst hat, mit dem der testosterongeplagte Herr des Hauses zu früheren Zeiten seinen Besitzanspruch unterstrich.

Zudem hat die gestrenge Körperausdünstung der Duschophobiker einen sehr positiven Nebeneffekt: Sie macht das morgendliche Enthaaren der Nase überflüssig. Schon bei leichtem Kontakt mit dem gasförmigen Kampfmittel schrumpfen die Ceratinstengel im Riechkolben wurzeltief zusammen, fallen aus, und verpuffen beim zu Boden rieseln in der lebensfeindlichen Raumatmosphäre in ihre atomaren Bestandteile.

Hier noch ein Expertentipp: Bei stetiger Zufuhr klassischer anaboler Steroid-Wirkstoffe wie etwa Nandrolon oder Methenolon, die ursprüngliche Bodybuilder einsetzten, statt der modernen Derivate, lässt sich das Eau de Transpirant noch viel besser über die körpereigene Chemie mit Schwefelaromaten und Buttersäure-Estern anreichern. Dann duftet’s bei „McFilth“ noch old schooliger nach 70er-Jahre-Eisenbiegerbude. Ganz im Sinne des Revivals des Vintage-Trainings.

Saubere Sache

Schöner Türstehen an lauen Sommerabenden
Bierbrauerei-Festtage mit anschließender Aftershow auf dem Hamburger Berg bei T-Shirt-Temperaturen übersteigen definitiv das Fassungsvermögen vieler Kiez-Neulinge: Überall sind junge Feiereinsteiger beim Ritual der ruckartigen Verbeugung zu erleben, die dem schwungvollen Rückwärtstrinken vorausgeht, bei dem ein langer Partytag zur traditionellen Dokumentation auf dem Trottoir ausgebreitet wird.
 
Als Gästebetreuungsprofis mit langjähriger Erfahrung bringen die diensthabenden Türsteher nun sogleich ihre vorbereiteten Nachspülmittel-Eimer großzügig gegen die Spuren der künstlerischen Straßenpizzabäcker-Performance zum Einsatz. Wohlriechend steigen die Seifendüfte empor in die laue Abendluft. Die bunten Lichter der Bars und Clubs spiegeln sich geheimnisvoll schillernd hier und da in den Lachen und Pfützen. In die stampfende Beschallung aus den weit offenen Eingängen der Bars und Kneipen mischt sich ein fröhliches Rauschen und Plätschern ablaufenden Wassers. Ein Hauch maritimen Flairs entsteht.
 
Hier und da wird ein Gast, der sich zuvor zur regenerierenden Meditation auf dem Gehsteig niedergelassen hatte, von der reinigenden Seifenbrandung mit in den Rinnstein gespült. Von Kennern als Partymaschinen-Kurzwaschgang hoch geschätzt, ermöglicht dieser Gesamtvorgang eine vollständige Säuberung des Gästekörpers. Innerlich wie äußerlich.
 
Frisch gereinigt verharrt der Bergbesucher dann geduldig im Rinnstein, bis er nach vollständiger Durchtrocknung erfrischt am Feiergeschehen teilnehmen kann. Die Freude ist groß, die Kleidung nun unifarben.
 
Es ist ein sommerliches Wochenende auf dem Hamburger Berg. Und wieder einmal wird allen Party-Elementen – den flüssigen wie den festen – gründlich und enthusiastisch gehuldigt.
 
Eine rundum saubere Sache.