Unterwegs im ÖPVN

Tapferes Timing

Am Bahnhof Barmbek steht eine junge Frau und spielt sehr virtuos Querflöte. Ich warte in der Nähe auf meinen Bus. Sie intoniert die Titelmelodie der Serie „Game of Thrones“. Um uns herum luftig-sommerlich gekleidete Menschen in der warmen Brise des späten Mai-Nachmittags. Ich muss zugeben: das in den Klängen mitschwingende „Winter is coming“ kann in dieser Atmosphäre nur einen Bruchteil seiner ureigenen Bedrohlichkeit entfalten.

Wunderliche Menschenskinder

Unterwegs im ÖPNV. Die Puppe des kleinen Mädchens gibt ein verzweifeltes Heulen von sich, wenn sie über einen bestimmten Winkel hinaus nach hinten geneigt wird. Jedesmal. Das kleine Mädchen plärrt dann ebenfalls herz- und ohrenzerreißend los. Jedesmal. Etwa alle dreißig Sekunden, seit ich einstieg. Die mutmaßliche Mutter guckt resigniert. Das Gesicht der mutmaßlichen Großmutter wirkt versteinert. Nur ihre Kieferknochen mahlen in einer unablässigen, stoischen Bewegung. Der Mensch, das von Beginn an wunderliche Wesen …

Gebrauchsanweisungen aktuell

„Hinweis: 1. Es kann ein bisschen riechen, wenn Sie diese Tasche zu bekommen. denn es ist neu und unbenutzt. Sie könnten das Paket zu öffnen und legen Sie sie an einem gut belüfteten Ort für ein paar Stunden, dann der Geruch wird verblassen

2. Echtes Leder erscheinen Mehltau Punkte aufgrund der Verdampfung von Wasser im Futter. Sie könnten nur wischen Sie mit einem feuchten Tuch.“

Jetzt verstehe ich auch den komischen Geruch im ÖPNV. Es sind die vielen noch neuen und unbenutzten Fahrgäste. Vielleicht sollte man sie kurz öffnen und an einem gut belüfteten Ort verblassen lassen. Dieser ominöse „Mehltau“ lässt sich ebenfalls deutlich auf ihren sichtbaren Oberflächen erkennen … hm, ich gehe wohl doch lieber zu Fuß durch den Regen.