Privatspähre gewahrt

*klingelingeling*

Lieber Anrufer mit der unterdrückten Nummer, der du mich seit zwei Tagen mit perfektem Timing immer dann zu erreichen versuchst, während ich gerade vor einem Mikrofon im Tonstudio stehe: selbst einem technikbegeisterten Menschen wir mir ist der Rückruf bei „Privater Nummer“ nahezu unmöglich.

Sollte es also deine Motivation sein, ungestört zu bleiben, so hast du dein Ziel gänzlich erreicht. Vielleicht mal eine Postkarte ohne Absender ausprobieren oder eine e-mail mit kryptischem Buchstabendreher zur Abwechslung? Du könntest dich natürlich auch irgendwo in Australien ins Outback stellen und dezent „Hallo? Hallo? Hallohoo?“ sagen.

Oder wie wäre es mit einem Versuch intensiver Gedankenübertragung? Telepathie soll ja nicht völlig utopisch sein, wenn man nur nahe genug beieinander steht. Zumindest im Vergleich zum Anruf mit geheimer Verbindungsnummer.

Vielleicht habe ich ja auch irgendwo noch einen verstaubten Palantir im Keller herumliegen. Einfach mal hineinstarren und auf Verbindung hoffen …

10 Jahre Smartphone

Alltagsbeobachtungen. 2007-2017: 10 Jahre Smartphone. Eine Dekade, die geprägt ist vom rhythmisch an- und abschwellenden Klagechor der technikfremdelnden Dagegenmenschen, die schon zu Zeiten des frühen Buchdrucks ihre mürrischen Nasen rümpften. Die Zivilisation stürbe, postulieren sie. Die Menschen verweigerten gesenkten Hauptes den Anblick des Himmels, bemängeln sie. Niemand spräche mehr miteinander, mahnen sie zeigefingerwedelnd.
Doch wie sehr sie sich irren.
Die kleinen Wunder der Technik mit Wischbildschirm haben die zwischenmenschliche Kommunikation in hohem Maße zivilisiert und angenehm gemacht: Kaum noch wird ebenso altmodisch wie unangenehm telefoniert!
Die Menschen teilen sich über Nachrichten mit. Schicken sich Bildchen und e-mails. Zeichnungen und Filme. Wie wunderbar doch der Fortschritt ist. Erst die Weiterentwicklung der Technik macht das menschliche Miteinander überhaupt möglich. Macht es stressfreier und entspannter.
Ich mag Smartphones. Und hoffe sehr, dass wir mit ihrer Hilfe den Drang, anzurufen, irgendwann gänzlich überwinden werden. Und stattdessen nur noch Nachrichten schicken. Jederzeit nachlesbar und frei von quälender Sprachqualität wie wir sie zum Beispiel von o2 bestens kennen und nicht schätzen.