Reise ins Ungewisse

Schöner Türstehen

Ein Streifenwagen steht in der Nähe der Clubtür. Die Besatzung muss die Ergebnisse irgendeines Freiluft-Gehampels vor dem Kiosk auf der anderen Straßenseite protokollieren. Die hinteren Türen eines Polizeiautos lassen sich nicht von innen öffnen. Was auch der leicht angetrunkene Gast gerade feststellen muss, der eben entweder aus Spaß in das Staatsgefährt einstieg oder, weil er es für ein seltsam blaues Taxi hielt. Nun kehrt die Streifenwagenbesatzung zurück. Dienstmützen werden abgenommen. Türen klappen. Ein Motor startet. Die Fahrt geht los. Hinten hat sich der blinde Passagier mucksmäuschenstill ganz klein gemacht, da er nicht weiß, was er sonst tun soll. Ich frage mich, wann sie ihn wohl bemerken. Und ob man ihm dann beim Aussteigen behilflich ist oder er recht teuer übernachten muss. Ein Vollmond auf Reisen.

Es bleibt schwierig …

Der „Rauch-Floor“

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

„Kann man bei euch rauchen?“
„Ja, unten.“
„Und was läuft oben für Musik?“
„Metalcore. Aber da kannst du nicht rauchen.“
„Wo kann ich denn rauchen?“
„Unten.“
„Wo is denn unten“
„Bei uns ist unten unten. Das mag woanders anders sein, da ist vielleicht auch mal oben unten. Aber nicht bei uns. Hier ist unten immer unten.“
„Echt?“
„Ja. Und unten kannst du rauchen.“
„Oben darf ich nicht rauchen?“
„Nein, nur unten.“
„Wie komme ich denn nach unten?“
„Ich glaube, du solltest gar nicht mehr rauchen.“
„Echt?“
„Ja, echt!“
„Na, dann einen schönen Abend noch.“
„Gleichfalls.“
„Tschüss.‘
„Tschüss.“
Der Hamburger Berg-Besucher. Im Kopf trägt er den Schnaps und den Vollmond im Herzen …

Misofoniker

Alltagsbeobachtungen

„Nein, wir können leider keine Freunde sein.“
„Warum das denn nicht?“
„Du schlürfst beim Trinken und isst ständig mit offenem Mund.“
„Aber ich bin doch ein ausgesprochen kommunikativer Typ!“
„Eben …“

Waffen und Drogen

Schöner Türstehen auf dem Hamburger Berg

Jedes Mal, wenn ich Gäste darum bitte, einen Blick in ihre Taschen werfen zu dürfen, wird mir mitgeteilt, dass sich darin außer Drogen und Waffen nichts weiter Besonderes befände.

Schaue ich dann neugierig hinein, finden sich immer bloß benutzte Papiertaschentücher-Knäuel, Billig-Plastikdildos aus’m Kiez-Souvenirshop, leere Kleiner-Feigling-Fläschlein, deren Restinhalt klebrig ins Futter suppt, halboffene Geldbörsen, aus denen schon diebesfreundlich die großen Scheine lugen, die flachen Ersatzschuhe mit der dünnen Glassplitter-Sammelsohle für später, extrastarkes Deo in Familiengebindegröße sowie die obligatorische Dose mit einem ebenso undefinierbaren wie zuckergesättigten Fremdgetränk. Waffen und Drogen? Fehlanzeige.

Ist dieses notorische, zwanghafte Vorbringen von Unwahrheiten schon die postfaktische Welt, in die uns Demagogen und Populisten wie Donald Trump oder die AfD führen wollen?

Oder noch immer der ganz normale, standhaft realitätsverleugnende Geisteszustand des Kiezgastes?

(Tür)man(n) weiß es nicht.

Es bleibt schwierig …

Trump & Hillary

​Trump hat also bei der TV-Debatte gegen Hillary abgestunken. Sie: Geschliffen und cool argumentiert. Er: Hilflos herumgestammelt, gepöbelt und am Ende behauptet, sein Mikrofon sei irgendwie defekt gewesen. Was wird jetzt passieren? Nun, diejenigen, die bisher seine Fans waren, werden noch fester zu ihm stehen. Und überdies wird er noch neue hinzugewinnen. 

Warum? Weil, seine Anhänger sich abgehängt und zurückgesetzt glauben. Von gebildeten, coolen, gutaussehenden Menschen, die mit elaborierter Sprache eine nicht durch Logik, sondern durch Emotionen begründete Haltung wegdiskutieren. 

Das kann nicht funktionieren. Es treibt die Leute nur noch immer schneller und immer trotziger in die Arme der Populisten und Demagogen. In den USA wie bei uns.

Wenn die so weitermachen, wird in den USA Trump auf Sicherheit der „letzte Präsident of ‚murica“ und bei uns die A(dol)fD regieren …

„Backenfutterparty“ im Nochtspeicher

„Zeit für Zorn? – Die Türsteherlesung: Backenfutterparty“
Mittwoch, 02.11.2016, 19 Uhr (Einlass). Im Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 68a, Hamburg-St. Pauli
Tickets: St. Pauli Tourist Office (Wohlwillstraße 1, Hamburg-St. Pauli) und im Gun Club (Hopfenstraße 32, Hamburg-St. Pauli)

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern

 
Heute: Das Substitut
 
Man fragt sich ja als freiberuflicher Sprecher, wann wohl das erste Job-Angebot im einstelligen Vergütungsbereich eintrudelt. So nach dem Motto: „Wie, neun Euro plus MwSt. reichen nicht aus für das Voice Over? Aber das dauert doch bloß zwei Minuten …“
 
In Wirklichkeit sind die visionären Auftraggeber natürlich schon längst einen Schritt weiter.
 
„Schönen Guten Morgen, Herr Hacker! Wir hatten ja neulich über die Vertonung mehrerer Schulungsfilme für unsere Mitarbeiter gesprochen und sie hatten schon einmal einen Teil eines Films als Beispiel produziert. Nun, wir haben uns entschlossen, das jetzt anzugehen. Allerdings möchten wir als Sprecher unseren neuen Empfangs-Praktikanten einsetzen. Der hat auch so eine tolle Stimme. Und kostet uns nichts, weil er eine Art Job-Maßnahme bei uns macht. Sagen Sie, Sie haben doch eigene Aufnahmemöglichkeiten … wäre es wohl möglich, dass er die Schulungsfilme bei Ihnen einspricht? Vielleicht könnten Sie ihm dann auch gleich den einen oder anderen Tipp bezüglich der Aussprache geben?“
 
„Gern. Es kostet dann allerdings das Doppelte der ursprünglich im Angebot aufgeführten Vergütung.“
 
„Wieso das denn? Sie werden dann doch gar nicht mehr als Sprecher tätig!“
 
„Richtig. Aber bei Fremdaufnahmen in meinem Studio gibt es eine Kaffee-Mindestabnahme. Und der kostet leider so einiges.“
 
„Davon habe ich ja noch nie gehört! Das finde ich jetzt sehr seltsam, muss ich sagen!“
 
„Guck an, da sind wir schon zwei …“

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Das Gender-Schlupfloch

„Hacker, schönen guten Tag. Sagen Sie, wir haben vor geraumer Zeit, lassen Sie mich lügen, ich glaube, es sind mittlerweile drei Monate, doch diese Abmachung getroffen: Sie beauftragen mich als exklusiven Sprecher für ihre Firmen-Imagevideos, die Werbespots, den Off-Kommentar in ihren Mitarbeiter-e-learning-Videos, und ich leihe meine Stimme im Gegenzug nicht ihrer Konkurrenz.

Jetzt habe ich bereits zwei Aufträge direkter Marktwettbewerber abgelehnt, von Ihnen aber noch immer keinen Laut bezüglich eines Sprecherjobs gehört, was ist denn da los?“

„Oh, Herr, äh, Hacker, schön, von Ihnen zu hören. Ich hoffe, es geht Ihnen gut, gesundheitlich alles in Ordnung und die Auftragslage prächtig.“

„Ja, letzteres ja nicht so ganz, da ich von Ihnen so gar nichts höre …“

„Wir haben zur Zeit leider gar nichts für Sie. Zwar gab es einigen Output unserer firmeneigenen Videoschmiede, aber da haben wir auf eine weibliche Stimme zurückgegriffen.“

„Moment mal, wir haben eine gegenseitige Exklusivitätsvereinbarung! Diese wird von Ihnen verletzt, wenn sie einfach so eine andere Sprecherin einsetzen!“

„Unsere Marketingabteilung meinte aber, eine weibliche Stimme sei verkaufsfördernder.“

„Nichtsdestotrotz ist das ein Bruch des Vertrags. Sie haben unterschrieben, dass Sie keinen anderen Sprecher einsetzen!“

„Ja aber, das ist doch eine Sprecherin, kein Sprecher. Wir würden natürlich nie einen anderen Sprecher hinzuziehen.“

„Sprecher oder Sprecherin macht keinen Unterschied – wir haben einen Vertrag. Den ich im Gegenzug streng einhalte!“

„Ja aber, die Sprecherin war auch um einiges günstiger als Sie! Und unsere Marketingabteilung hatte gerade erst die Budgets neu aufgestellt – da war nicht mehr so viel drin für die Vertonung.“

„Das Budget wird durch etwaige Rechtsstreitigkeiten noch ganz anders belastet, das können Sie mir mal glauben. Ich würde jetzt gern mit der Chefin sprechen, Frau XY, mit der ich damals den Vertrag ausgehandelt habe.“

„Frau XY ist im Mutterschutz und vorerst nicht mehr zuständig.“

„Na, super …“

„Ein Vorschlag zur Güte: Wir hätten da einen kleinen Point-of-Sale-Spot für einen Baumarkt. Der wäre doch was für Sie! Da ist eine männliche Stimme sowieso viel kundennäher …“

„Ach, auf einmal!“

„Ja, wir müssten nur noch einmal über den ursprünglichen Preis verhandeln. Der kommt uns im Nachhinein dann doch etwas happig vor …“

„Dick fich!“

„Wie bitte? Ich habe Sie jetzt, glaube ich, nicht richtig verstanden.“

„Ja, ich Sie auch nicht.“


Es bleibt schwierig.

Demnächst auf der Bühne!

veranstaltungsfoto-fb-zfz-21Zeit für Zorn? – Die Türsteherlesung auf Facebook

Moderne Telekommunikation

o2 – der Telefonanbieter Ihres Vertrauens …

„Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 30 Minuten … Oh, da haben sie die falsche Nummer gewählt, Sie müssen die Nummer wählen, die Sie mit der SMS bekommen haben … Sie haben keine SMS von uns erhalten? Dann müssen Sie den Kündigungs-Vorgang noch einmal ganz von vorn beginnen …“ „Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 45 Minuten … sofern Ihre Telefonverbindung nicht wie gewohnt unvermittelt zusammenbricht … klick … tuut tuut tuut …“ „Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 50 Minuten … klick … tuut tuut tuut …“ „Ihre Wartezeit beträgt voraussichtlich 55 Minuten …“

Ihr Götter, bin ich froh, wenn ich diesen Scheißverein o2 endlich los bin!

Nachtrag:

„Würden Sie mir eventuell den Grund für die gewünschte Vertragskündigung nennen?“
„Sehr gerne. Es liegt an der unfassbar schlechten Verbindungs- und Übertragungsqualität. Schon nach einer Minute ist der Gesprächspartner kaum noch zu verstehen – nur noch Rauschen und Knacken. Selbst kurze Sätze kommen lediglich verstümmelt und zerhackt an. Das ist unerträglich.“
„Könnten Sie bitte etwas lauter und deutlicher sprechen? Sie sind kaum zu verstehen …“