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Expeditionen in den Großstadtdschungel

An der Freiberuflerfront: Präzise Auftraggeber

„Herr Hacker, wir benötigen mal wieder Ihre stimmlichen Fähigkeiten.“
„Sehr gern.“
„Wie Sie sich ja sicherlich erinnern, haben Sie vor vier Jahren einen Werbespot für unsere Software eingesprochen. Dort haben Sie die Wörter „und“, „auch“ sowie „zudem“ so schön betont. Genau das brauchen wir wieder.“
„Ok …“
„Allerdings sollte das „und“ mehr wie im Auftrag von vor sechs Jahren klingen.“
„Äh …“
„Ja, und die Wörter „auch“ und „zudem“ so wie in dem E-Learning-Projekt von vor drei Jahren. Geht das?“
„Nun, in diesem Fall möchte ich Ihnen lieber eine Regie-Schalte anbieten.“
„Nein, nein, das ist bestimmt nicht nötig, damals hat das doch auch geklappt, als ich Sie bat, in die Wörter „hier“ und „umgehend“ mehr, äh, Blau reinzubringen.“
„Nun … ich möchte Ihnen wirklich dringend die Regie-Schalte ans Herz legen.“
„Sie müssen doch lediglich noch einmal in die alten Aufnahmen reinhören. Dann wird das deckungsgleich.“
„Ihnen ist schon klar, dass sich Stimmen im Laufe der Zeit durchaus verändern, oder?“
„Das glaube ich nicht. Sie machen das schon.“
„Ich ahne bereits, das werden ungefähr zehn Durchläufe …“
„Wie meinen Sie?“
„Ach, nichts. Alles gut.“
„Schaffen Sie das in der nächsten Stunde?“
„Du liebe Güte.“
„Wie?“
„Nix. Alles fein. Ganz normaler Freiberufleralltag.“
„Ach, und könnten Sie bitte die Wörter „auch“ und „zudem“ so leicht englisch anhauchen? Nur ganz leicht?“
„Herrje, wo habe ich nur wieder meine Toffees hingelegt.“
„Bitte?“
„Nichts. Alles gut.“

Fliegzeugträger

Ich mag den Sommer. Es ist schön warm, es gibt viel Licht und viele Farben. Das ist meine Lieblingsjahreszeit. Indes ist der Sommer auch die Zeit, in der immer Fliegen aufsteigen, wenn man leichtfertig den Mülleimer öffnet. Gern diese kleinen unangenehmen Drosophilidae aka Fruchtfliegen. Die gesellen sich dann zu dem großen Brummer, der sich gerade dadurch verdient macht, dass er stets dann in meinem Aufnahmeraum herumrandaliert, wenn ich ins Mikro hineinzusprechen beginne. Versuche ich, ihn zu verjagen, ist er stets verschwunden und nicht auffindbar. Stealthmodus. Gibt es eigentlich so kleine, automatische Flugabwehrgeschütze, die man im Studio aufstellen kann?

Knurren, gurgeln und alles mumpfig

Viktor hat so seine ganz eigenen Problemchen mit dem Home-Office …

Und dann sitzt Du da in Deinem kleinen heimischen Tonstudio. Der Text ist bestens vorbereitet, das Mikro ordentlich eingepegelt und willst loslegen. Du setzt zu sprechen an und in Deinen Ohren ertönt ein infernalisches Magenknurren. Du nimmst Nahrung auf. Platzierst Dich wieder vorm Aufnahmerohr. Alles auf Anfang. Indes: Jetzt rappeln penetrante Gluckergeräusche in Deine Kopfhörer. Der Mensch: Ein stetiges Opfer seines eigenen Stoffwechels. Nach zwei Stunden des Wartens, nützlich angefüllt mit einem kurzen Supermarktbesuch: Nichts mehr zu hören. Erneuter Versuch. Kein Knurren, kein Gluckern. Allerdings nur dumpfige, mumpfige Sprechergebnisse. Irgendwann fällt Dir auf: Du hast noch immer die verdammte Maske auf! Und der festgezurrte Knoten lässt sich leider nicht lösen.

Es bleibt schwierig …

Handballtraining im Homeoffice

DHL – Der Kampf geht weiter

*Ding-Dong* – die Post ist da. Der DHL-Bote, ein sportlicher, dynamischer Bursche, wirft mir aus vier Metern Entfernung das Paket zu. Der mittelgroße Pappquader segelt in einer vorbildlichen ballistischen Kurve durch die Treppenhausluft, ich spreize die Finger, bilde einen Trichter, die Daumen zeigen in einem 45°-Winkel zueinander. Kaum ist der Kontakt zum Karton hergestellt, ziehe ich die Hände mit der Wurfsendung zum Körper, sichere sie. Übung geglückt. Zum Glück habe ich in meiner Jugend mal Handball gespielt. Die Sporteinheit des Tages ist erledigt.

War gar nicht schwierig … 😁

Coronaspenden aktuell

Derzeit erhalte ich täglich Aufforderungen zum Spenden. Für Clubs, für die Wirtschaft, für Unternehmen. Ich finde diese Hinweise zur Solidarität sehr löblich. Indes muss man mich nicht zum aktiven Spenden aufrufen, denn ich tue dies schon automatisch.


Man greift mir da hilfreich unter die Arme, indem man mich umsorgend von der Last meiner Rücklagen befreit, von deren ungeheurer Größe ich in dieser auftrittslosen und auftragsarmen Zeit lebe: Das Finanzamt streicht weiterhin Vorsteuern für angenommene, jedoch nicht erzielte Einnahmen ein, um sie an die darbende Großindustrie und die Banken zu verteilen, die Wohnungsgenossenschaft freut sich jeden Monat über meine Mietespende, ein bekannter Club, in dem ich kurz vor dem Shutdown auftrat, behielt meine Gage ein, um sie sich selbst zu spenden, Großunternehmen treten mit Gagenminderungen für Sprecheraufträge derzeit an mich heran, in der Absicht, das eingesparte Geld an ihre Aktionäre zu spenden, der HVV muss – trotz Aufforderung, zu Hause zu bleiben – nicht auf die allmonatliche Spende für die Abo-Karte verzichten und die Telefon- und Stromanbieter werden auch regelmäßig alle vier Wochen artig mit Spendengeldern versorgt.

Ihr seht, ich mache schon alles, was ich kann. Und das Schönste dabei: ich muss mich nicht einmal selbst aktiv werden.

Das nenne ich mal Spendenservice deLuxe.

Tür-Ikonen – Eddie und die Wosettis

Schöner Türstehen

Nach den ersten Jahren der regelmäßigen Ausübung gerät auch der bisweilen unvorhersehbare Job des Türstehers zur Routine. Die Situationen wiederholen sich, die unübersichtlichen Momente werden dank der gesammelten Erfahrungen weniger bzw. lassen sich unaufgeregter und dezenter regeln. Von den wenigen unprofessionell zappeligen Gefahrensuchern in ihren Reihen einmal abgesehen, gehen die meisten Secus dann Wochenende für Wochenende ihrem Job recht unauffällig nach. Sie werden in ihrer Eigenschaft als Sicherheitspersonal von den Besuchern der Lokalität als zwar vorhanden, aber eben auch austauschbar wahrgenommen. Was zumeist nicht als beleidigend aufgefasst wird, sondern oft auch sehr recht ist: denn so hat man als Türsteher seine Ruhe.

Es gibt jedoch ganz spezielle Ausnahmen. Verfügt ein Türmann über ein gewisses Charisma oder auffällige körperliche Merkmale und steht sehr oft vor dem selben Club, kann er zur Ikone werden. Die Gäste nehmen ihn bewusst wahr, er ist dann mehr noch als der Name des Etablissements ein identitätsstiftendes Symbol für den anvisierten Ort der Partynacht. Tatsächlich habe ich es schon oft miterlebt, dass Kiezbesucher sich zwar bei Ausgehtipps nicht an den Namen des betreffenden Clubs erinnern, wohl aber an den davorstehenden Türmann: „Pass auf – einfach die Straße hoch, dann links, und bis zu dem Burgerbrater. Gleich daneben ist der Eingang; steht so’n super breit gebauter Typ mit Iro davor. Doch, das findest du, der steht da immer, der ist nett …“

Mein lieber Kollege Eddie – mit dem ich fast vierzehn Jahre lang das Vergnügen hatte, die Gäste vom „Rosch“ auf dem Hamburger Berg zu behüten – hat sogar beides: zum einen sticht er mit seiner tannenartig schlanken, zwei Meter in die Höhe ragenden Figur sofort ins Auge und zum anderen zaubert er den vorsprechenden Gästen mit seiner zwar bestimmten, aber auch immer humorvoll-ironischen Art stets ein Lächeln ins Gesicht. Wobei in diesem dann bei neuen Gästen oft auch ein nicht unerhebliches Maß an Erleichterung mitschwingt, wenn sie erkennen, dass dieser große Türmann trotz seines kantig-markanten Auftretens ein zutiefst freundlicher Mensch ist.

Kein regelmäßiger Gast betritt das „Rosch“ ohne zuvor einen Plausch mit Eddie abgehalten zu haben. Man fragt nach seinem Befinden, ob er irgendetwas braucht, ob die Schicht angenehm ist und so weiter. Und es sind nicht die üblichen, im Vorbeigehen gestellten, quasi rhetorischen Smalltalk-Fragen, auf die man im Prinzip mit Nonsens wie etwa „grün, es geht mir grün“ oder „das Auto war champagnerfarben!“ antworten könnte und trotzdem ein zustimmendes Nicken erhielte. Weil eigentlich gar nicht zugehört wird. Nein, die Gäste fragen ernsthaft und gehen erst rein, wenn sie sich vergewissert haben, dass es Eddie wirklich gut geht. Als zweiter Türkollege steht man dabei sozusagen im Schatten, um einmal ein Wortspiel zu bemühen. Die Anwesenheit wird gästeseitig mit einem kurzen, höflichen Nicken quittiert. Das ist bisweilen etwas irritierend.

Um einiges mehr irritiert sind die Gäste, wenn Eddie einmal nicht an der Tür aufzufinden ist. Sei es aus recht seltenen Urlaubsgründen oder weil er einfach einmal einen Tag frei haben möchte. Üblicherweise stehen vor der besagten Lokalität – wie es sich gehört – am Wochenende zwei Türleute. Sollte keiner der beiden eine zwei Meter hohe, schlanke Tannengestalt vorweisen können, irrlichtert der Blick des Gastes von einer Türfigur zur anderen, bis mit großen Augen und unsicherem Blick folgende Frage geäußert wird: „Wo’s Eddie?“ Präziserweise gehört zur Verdeutlichung der Gäste-Verunsicherung eigentlich noch ein Ausrufezeichen hinter das Fragezeichen: „Wo’s Eddie?!“

Die ersten paar Male an einem solchen Abend versucht man es dann noch mit einer sachlichen Entgegnung: „Eddie hat heute frei.“ Dies wird zumeist, wenngleich unter Protest und widerstrebend, akzeptiert: „Ah … ok … Hat er sich ja verdient. Aber nächste Woche ist er wieder da, oder?“ „Ich habe zwar die Dienstpläne jetzt nicht im Kopf, aber ja – ich glaube schon.“ Allerdings so etwa bei dem 23sten Gast, der großäugig „Wo’s Eddie?!“ fragt, fühlt man sich als Türsteher irgendwie herabgesetzt. So, als sei die Sicherheit nicht ausreichend gewährleistet. Als wäre man nur ein ungenügender Ersatz. Und man beginnt, den „Wosettis“ mit Sarkasmus zu begegnen: „Du, eben war Eddie noch da. Aber dann gab es dieses helle, bunte Licht am Himmel und schwupp: weg war er! Ich fürchte, er wurde von Außerirdischen entführt.“ Oder: „Wo’s Eddie?!“ „Du, eben stand er noch da vorn am Dj-Pult … Ja, nee, jetzt ist er da hinten beim Kicker. Hinter der Säule … Hast ihn nicht gefunden? Komisch, gerade war er kurz hier, ist aber wieder rein – ihr seid wohl aneinander vorbeigelaufen … Musst du wohl nochmal gucken.“ Fehlte Eddie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, übertrumpften sich die Türsteher bei der nächsten Dienstplanbesprechung gegenseitig mit der Anzahl der Fragenden. „Und, wie viele „Wosettis“ hattet ihr am Freitag? 26? Ha: wir kamen am Samstag auf 32!“

Einmal hängte mein Kollege Henning an einem Freitagabend ein Schild in den Eingang mit der Aufschrift: „Heute kein Eddie“, um die ewige Fragerei zu unterbinden. Leider vergaßen wir, es nach der Schicht wieder zu entfernen. Eddie war am darauffolgenden Abend „not amused“, fühlte sich verarscht. Das tat mir Leid. Aber irgendwie war das auch ziemlich lustig!

Doch irgendwann wurde mir klar: die Frage nach Eddies Verbleib ist keine Herabwürdigung der Leistung der übrigen Türkollegen. Es ist vielmehr der Ausdruck höchster Sympathie und tiefempfundenen Respekts gegenüber einem Sicherheitsbeauftragten, den sich dieser durch seine unbedingte Integrität über viele Jahre verdient hat. Ohne ihn ist der Club nicht vollständig. Erst Eddies Anwesenheit vor der Tür sorgt dafür, dass sich die Gäste richtig aufgehoben und vor allem wie zu Hause fühlen. Er ist eine Tür-Ikone.

Und davor, mein lieber Freund und Kollege, ziehe ich meinen Hut!

waschecht.hamburg

SAM Medien, toneworx und Hamburg.de präsentieren: „waschecht.hamburg“

Freitagabend (27. März 2020) geht es los! Ab 20 Uhr streamen wir live aus dem hygienisch gesicherten und akribisch desinfizierten toneworx-Studio in Alsterdorf. Zu sehen auf hamburg.de.

Um 20 Uhr geht es los!

Wir haben ganz famose Gäste am Start:
– Veuve Noire
Lutz Von Rosenberg Lipinsky
– Lukas Droese

Es wäre mir ein bombastisches Vergnügen, wenn Ihr Euch das reinzieht!

Wege in der Krise

Eichhörnchen-Restaurant hält den Betrieb aufrecht

Aufgrund der aktuellen Lage wurden sämtliche gastronomischen Betriebe in Hamburg geschlossen. Wirklich alle? Nein, ein kleines, veganes Restaurant mitten in Hamburg Barmbek-Nord hält das Geschäft aufrecht. Und es wird frohgemut aufgesucht …

Wege in der Krise

Schöner Nebeneffekt im Supermarkt

Es gibt ja auch Lichtblicke, die sich, wie ich hoffe, längerfristig durchsetzen. So etwa rücken einem Kinder-Messis (Großfamilien im biblischen Reproduktionswahn mit mehr als zwei Ablegern und dem päpstlichen Auftrag, entschlossen zur endgültigen Überbevölkerungsexplosion beizutragen) und selbst die sturen Nahdistanz-Senioren an der Supermarktkasse nicht mehr so arg zu Leibe. Nun ja, zumindest teilweise – dem Rest erläutert die freundliche Securityfachkraft, dass der von ihnen üblicherweise gewählte Abstand zum vor ihnen wartenden Kunden von etwa 5,8 Zentimetern derzeit nicht erwünscht ist. Vielleicht bleibt das ja so für die Zukunft. Würde ich sehr begrüßen. 🙂

Was ich weniger begrüße: Manche meiner offen getragenen Körperteile neigen derzeit zum leichtfertigen Schabernack. Meine Nase zum Beispiel meldet sich zuverlässig jedes Mal mit hartnäckigem Jucken, sobald ich das Haus verlasse; will mich penetrant zum Gesichtskratzen verführen. Ist ihr nicht klar, dass sie ebenfalls untergeht, sollte ich der Seuche zum Opfer fallen? Kultiviert sie eine bisher unauffällige, konzertante Abneigung mit meinen Ohren und Augen gegen mich? Hat sie einen unbändigen Freiheitswahn, der sie ihre eigene Existenz aufs Spiel setzen lässt? Ich bin ratlos … 🤔