Home-Officer since 2004

Vorteil: Ich sitze seit 16 Jahren in meinem Home-Office – wahlweise vor dem PC (Büro/Wohnraum-Kombi), dem Notebook (Balkonbüro) oder dem Mikrofon (Wohn-/Aufnahmeraum-Kombi). Nun gut, ich habe im Gegensatz zu den vielen Menschen im öffentlichen Dienst, in den Warenlagern und an den Supermarktkassen, die unsere Welt aktuell am Laufen halten und dabei den Kontakt mit anderen kaum vermeiden können, das Glück, meinen Lebensunterhalt größtenteils (noch) digital zu verdienen.

Nachteil: Ich schaue derzeit noch häufiger ins Facebook hinein und muss feststellen, die Anzahl der Aluhut-Beiträge mit „gefühlten“ Wahrheiten anstelle faktenbasierten Wissens steigt scheinbar äquivalent zur Menge der weltweit Infizierten.

Folge: Bezüglich der menschlichen Fähigkeit zur Vernunft mutiert meine freundliche Ironie immer weiter in Richtung selbstschützenden Sarkasmus. Gesund ist das nicht, wie ich befürchte. Sollte ich vielleicht über das Tragen einer blickdichten Schutzbrille vor den Monitoren nachdenken?

Kundenwünsche aktuell

„Vielen Dank für die Zusendung des Objektfotos. Sie haben das Gebäude wirklich toll eingefangen. Aber eine Bitte: Könnten Sie den SUV vorm Haus noch wegretuschieren? Ich weiß, ich wollte den unbedingt drauf haben, aber der verdeckt jetzt doch den schönen Eingang.“
„Soll ich das Türportal dann hineinmalen?“
„Das verstehe ich jetzt nicht.“
„Nun, ich auch nicht …“
„Ach ja, und schicken Sie mir bitte das Bild als Docx-Format – das TIFF und das JPEG sind etwas zu groß.“
„Alles klar, ich verfasse dann in dem Word-Dokument einfach eine ausführliche Bildbeschreibung, statt des Fotos. Ok?“
„Ich fürchte, ich verstehe Sie schon wieder nicht.“
„Tja, ich auch nicht wirklich …“

Es bleibt schwierig …

Wie damals beim WNP-Pressedienst, der Agentur, der ich als Redakteur diente, als der Inhaber vor tausenden ausgedruckter Seiten stand und meinte: „Sehr schön, wirklich sehr schön – aber könnten wir die Headline noch etwas größer machen?“
„Gern. Hier haben Sie einen Edding. Streichen Sie sie einfach durch und malen Sie sie in gewünschter Größe neu drauf ..“
„Ich verstehe Sie nicht …“
„Macht nichts. Ich verstehe das auch nicht …“ 🤓

Expeditionen in den Großstadtdschungel

Bei uns in Barmbek Nord/Bramfeld gibt es sogar sehr viele. Sie sind zudem recht kommunikativ. Das ist auch nötig, damit sie die „Schnitzeljagd“ des Kunden nach seinem benötigten Produkt möglichst weit über die Baumarktfläche ausdehnen können. Das Ziel: Der Kunde schreitet sämtliche Gänge des kompletten Marktes ab und erwirbt dabei Dinge, die er ursprünglich gar nicht auf dem Plan hatte. Natürlich abzüglich des Produktes, das er eigentlich suchte …

„Entschuldigung, ich suche so einen Kantenschneider für Umleimer. Haben Sie so etwas?“
„Da müssen Sie mal in der Holzzuschnittabteilung gucken.“
„Danke.“

„Entschuldigung, ich suche so einen Kantenschneider für Umleimer. Haben Sie so etwas?“
„Gehen Sie mal in die Bodenbelag-Abteilung, die haben die Dinger.“
„Danke.“

„Entschuldigung, ich suche so einen Kantenschneider für Umleimer. Haben Sie so etwas?“
„Sie müssen in die Sektion mit dem Malerbedarf.“
„Danke.“

„Entschuldigung, ich suche so einen Kantenschneider für Umleimer. Haben Sie so etwas?“
„Die finden Sie natürlich bei den Werkzeugen in Gang 15.“
„Danke.“

„Entschuldigung, ich suche so einen Kantenschneider für Umleimer. Haben Sie so etwas?“
„Nein. Aber vielleicht schauen Sie mal im Gartenbereich rein. Am Ende des Marktes.“
„Danke.“

„Entschuldigung, ich suche so einen Kantenschneider für Umleimer. Haben Sie so etwas?“
„Nein. Aber schauen Sie mal hier, wir haben gerade eine Lieferung Vogeltränken ganz frisch reinbekommen.“
„Oh, so eine könnte ich evtl. tatsächlich mal gut gebrauchen. Falls ich je ein Haus mit Garten erwerben sollte. Danke.“
„Gern geschehen.“