Populationsverkleinerung: Da macht uns keiner was vor

Um die Ansteckungsgefahr im Gebäude zu verringern, haben sie im Supermarkt jetzt die Anzahl der verfügbaren Einkaufswagen verkleinert. Gute Sache eigentlich, da jeder zum Einkauf einen mitführen muss, sinkt die Zahl der Einkaufenden und die Abstände im Inneren werden größer.

Draußen versammeln sich derweil nun alle Wartenden mit großer Gruppenbildungskompetenz. Man palavert mit heruntergelassener Maske, genießt die Pause vom Alltagsstress, findet Erholung in der Nähe fremder Menschen. Atmet miteinander aerosolend durch.

Der Mensch: die Expertenspezies im Ersetzen fehlender natürlicher Feinde.

Doppeldoof bei Famila

Expeditionen in den Großstadtdschungel

Just den Kassiervorgang hinter mich gebracht habend schiebe ich meinen Einkaufswagen vorbildlich zügig vom Warenauslauf weg. Weitab von nachrückenden Kund:innen beginne ich mit dem Verstauen meiner Beute.

Werde zweier Polizisten gewahr, die sich den Weg zum Ort Ihres Einsatzes erfragen: Ein Kunde an einer anderen Kasse zeigte sich gesichtsbedeckungstechnisch hart nackig und beratungsresistent.

Wie sich im Zuge der Ermittlungsdiskussion dann zufällig herausstellt – die Beamten wollten ihn noch gnädig seinen Einkauf zu Ende bringen lassen, bevor er des Marktes verwiesen wird -, erweisen sich seine Zahlungsmittel als Falschgeld.

Nun, wenn man es schon darauf anlegt, zum Honk des Tages ernannt zu werden, dann auch richtig. Mit Anlauf. Und als unbesiegbarer Geistesriese.

Es bleibt schwierig …

Reißfestigkeitsgrenzwert

Expeditionen in den Großstadtdschungel

Lebensmitteleinkauf für die gesamten festlichen Tage im Freizeitpark für distanzlose Senioren aka „Supermarkt“ – oder: Wenn die XL Ikea-Panzer-Plastetüte zu Ihrem eigenen großen Erstaunen feststellen muss, dass auch Sie eine Belastungsgrenze hat. Und dies mit nie gehörtem Knirschen panisch kundtut. Indes: Sie hält bruchlos durch und darf jetzt wie die umrentnernden* Vielfaltigen in den verdienten Ruhestand gehen.

*© Liz Vegas

Wege in der Krise

Schöner Nebeneffekt im Supermarkt

Es gibt ja auch Lichtblicke, die sich, wie ich hoffe, längerfristig durchsetzen. So etwa rücken einem Kinder-Messis (Großfamilien im biblischen Reproduktionswahn mit mehr als zwei Ablegern und dem päpstlichen Auftrag, entschlossen zur endgültigen Überbevölkerungsexplosion beizutragen) und selbst die sturen Nahdistanz-Senioren an der Supermarktkasse nicht mehr so arg zu Leibe. Nun ja, zumindest teilweise – dem Rest erläutert die freundliche Securityfachkraft, dass der von ihnen üblicherweise gewählte Abstand zum vor ihnen wartenden Kunden von etwa 5,8 Zentimetern derzeit nicht erwünscht ist. Vielleicht bleibt das ja so für die Zukunft. Würde ich sehr begrüßen. 🙂

Was ich weniger begrüße: Manche meiner offen getragenen Körperteile neigen derzeit zum leichtfertigen Schabernack. Meine Nase zum Beispiel meldet sich zuverlässig jedes Mal mit hartnäckigem Jucken, sobald ich das Haus verlasse; will mich penetrant zum Gesichtskratzen verführen. Ist ihr nicht klar, dass sie ebenfalls untergeht, sollte ich der Seuche zum Opfer fallen? Kultiviert sie eine bisher unauffällige, konzertante Abneigung mit meinen Ohren und Augen gegen mich? Hat sie einen unbändigen Freiheitswahn, der sie ihre eigene Existenz aufs Spiel setzen lässt? Ich bin ratlos … 🤔