Schöner Türstehen. Fazit einer langen Schicht

Der hingebungsvolle „0,125-Prozenter“

In der zehnten Stunde einer zwölfstündigen Türschicht mit stattlichem Gästeaufkommen – zunächst ein ausverkauftes Live-Konzert mit rund 300 Gästen und anschließendem lebhaften Laufkundschaftsbesuch von geschätzt 500 Gästen, die in die Location hinein, hinaus und wieder hinein wuseln -, stellt sich beim Türpersonal so langsam eine verblüffende Erkenntnis ein: Die partywillige Masse präsentiert sich erstaunlich gesittet. Nahezu alle sprechen freundlich grüßend am Eingangsportal vor, kaum jemand diskutiert über Gebühr, bevor er sich von seinem mitgebrachten Getränk trennt, kein Machomann plustert sein Gefieder gänzlich auf und die Kippen werden schon bei der ersten Ansage auf dem Nichtraucherfloor gelöscht.

Türpersonen macht so etwas unruhig – denn schließlich ahnt der Security-Mitarbeiter: Das dicke Ende kommt noch. Und es wird umso adipöser, je länger es dauert, bis es endlich eintrifft.

Doch dann ist er hilfreich zur Stelle: Der eine Gast, der alles Negative bündelt und vorsorglich partyreinigend auf sich nimmt. Er holt mittig platziert auf dem Dancefloor seinen Dödel heraus, erleichtert sich hingebungsvoll und schüttelt hernach ordnungsgemäß ab. Flugs per Alarmtaste herbeigerufen, nimmt der Türmann den Urinhelden beiseite, erläutert ihm die Aspekte und Folgen der gesellschaftlich nicht anerkannten Blasenentleerungsmethode, fängt den sofortig wild herumfuchtelnden Fliehenden wieder ein und verbringt ihn sorgsam horizontal treppab aus der Clubtür hinaus.

Vor der Location angekommen, verweigert der zum Nichtgast Beförderte sowohl seine neue „Draußen vor der Tür“-Stellung im Partygeschehen als auch die Entgegennahme des Hausverbots. Immerhin kommt er der Aufforderung, sein primäres Geschlechtsorgan nun zumindest bitte wieder gesellschaftskonform zu verstauen, widerwillig nach. Den Hosenstall lässt er aber offen. Zur besseren Belüftung. Will nun jedoch wissen, was er denn Schlimmes getan hätte. „Auf den Dancefloor gepinkelt“. „Ja nee, das kann ja gar nicht sein.“ „Sein „Teil“ vor anderen Gästen herumgeschwenkt“. „Quatsch“. „Der Aufforderung, den Club zu verlassen, nicht nachgekommen.“ „Du hast mir gar nichts zu sagen.“ „Hausrecht“. „Ja klar, weil du ein scheiß Nazi bist, der Macht ausüben will, weil er in der Schule zu doof war.“ „Beleidigung“. „Quatsch“. „Schon wieder Herumfuchteln vor dem Gesicht des Securities“. „Ich kann hier so lange stehen, wie ich will.“

Dann plumpst er auf seine vier Buchstaben. Springt wie ein Kastenteufel wieder auf, steht erneut armschwenkend vor dem Türmann. Pardauzt erneut auf sein Hinterteil. Diesmal mit deutlich erhöhter, abrupt handflächig herbeigeführter Durchblutung der linken Wange. Rappelt sich auf. Wird aber sogleich von einem anderen Türmann eingefangen, vorbeugend weggeschoben und richtungsvorschlägig die Straße hinuntergeschickt. Zeigt sich nun doch einsichtig und taucht im Verlaufe der Restnacht auch nicht wieder auf.

Ich zolle im Nachgang der Opferbereitschaft des Schwengelmannes meinen Respekt. Nahm er doch die große Aufgabe, der eine von achthundert zu sein, der jegliches Fehlverhalten in sich bündelt, auf sich, um allen anderen eine schöne, freundliche Party zu ermöglichen. Einer von achthundert, das sind gerade einmal 0,125 Prozent.

All hail the „0,125“-Percenter! 😄

Schluss mit den Hacker-Angriffen

Neues behördliches Sicherheitspaket am Start

Adressen, Ausweisdaten, Briefkorrespondenz, Kreditkarteninfos und weitere sensible Daten gelangten nach der letzten großen Cyberattacke auf den Bundestag in die Hände unbefugter Unbekannter.

Damit soll jetzt endlich Schluss sein. Laut Dr. Dr. hc Friedhelm-Fürchtenich Brakemüller (64) – Leiter des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) – geht nun ein umfangreiches Schutzpaket an den Start, dass für hermetische Abschottung sorgen soll.

„Wir gehen das Thema „Internetsicherheit“ jetzt von Grund auf an“, so der erfahrene Behördenleiter. „In der ersten Stufe wurden sämtliche ministeriell genutzten Computer, Tastaturen und Floppy-Disks von einem externen Kompetenzteam mit extra hierfür entwickelten Desinfektionsmitteln gereinigt und von etwaigen Alt-Viren befreit. In der nächsten Stufe ersetzen wir die behördenweit seit Jahrzehnten in der Verwendung befindlichen Passwörter „1234“ und „QWERTZ“ durch das nagelneue, seitens unserer behördeneigenen IT-Abteilung konzipierte Passwort „5678“. Diesem darf optional noch der gesicherte Buchstabe „B“ für „Behörde“ vorangestellt werden. Unser Behördennachwuchs, die jungen Leute im Alter zwischen 55 und 60 haben hierauf besonderen Wert gelegt. Und selbstverständlich gehen wir als zukunftsorientiertes Unternehmen stets umfänglich auf kompetente Anliegen ein.“

In der dritten Stufe sollen dann laut BSI noch die alten WLan-Kabel gegen neue ausgestauscht werden. Und somit das sogenannte „Neuland“ des Internets wieder ruhigen Gewissens betreten werden können. Gewinner der Ausschreibung für diesen Auftrag soll laut Brakemüller ein kompetentes Unternehmen mit Sitz in Peking sein. Das sei aber noch nicht spruchreif, da noch weit günstigere Angebote aus Moskau und nicht zuletzt ein unschlagbarer Deal aus Pjöngjang geprüft werden müssen.

Wie sich jetzt schon sagen lässt, besteht in Zukunft in Sachen „Datensicherheit“ zu keiner Zeit mehr eine Gefahr für die deutsche Gesellschaft.

Im Supermarkt: Silvestervorbereitung 2018

Ganz im Zeichen der Tradition türmen sich zahlreiche Vertreter des Echtfellkragen-Proletentums zu imposanten Konsumentengebirgen vor den üppigen Auslagen des Feuerwerk-Büfetts.

Angesichts dieses ganzhaarigen Intelligenzauflaufs decken sich die haupt- und ehrenamtlichen Ersthelfer der verschiedenen Rettungsdienste ebenfalls dem Brauchtum gemäß großzügig mit Verbandsmaterial ein.

Der Jahreswechsel kann kommen.

Wandelnde Datenerhebung

Schöner Türstehen in gesicherten Zeiten

„n’Abend!“
„n’Abend.“
„Schon was los bei euch?“
„Geht so. Alle wohl noch im Park beim Grillen.“
„Is‘ wohl so. Da ist auch noch so’n „Umsonst & Draußen-Festival“ an der Elbe.“
„Ach deswegen ist der Hamburger Berg so leer.“
„Jo.“
„Man steckt nicht drin.“
„Ich geh‘ dann mal rein. Soll ich Dir was an die Tür bringen? Cola, oder so?“
„Nee, alles gut. Ich hab‘ noch. Danke.“
„Na denn.“
„Ich kann dich aber leider nicht mehr in den Club lassen.“
„Was? Wieso das denn?“
„Du bist doch der mit dem fotografischen Gedächtnis, oder?“
„Ja, aber …“
„Das ist leider nach der neuen Datenschutzgrundverordnung ein Problem. Jedesmal, wenn du Leuten begegnest, mit ihnen sprichst oder sie nur ansiehst, speicherst du alle Umstände – Uhrzeit, Ort, Kleidung, Zustand, andere Gesprächsteilnehmer, was gesprochen wurde und so weiter – für den Rest deines Lebens ab. Jederzeit abrufbar. Man muss dich nur fragen. Du bist damit quasi eine wandelnde Datenerhebung. Völlig verboten nach der DSGVO. Und die ist seit heute in Kraft.“
„Ja aber, ich habe doch diese Formulare hier dabei. Vom Hamburger Amt für Datenschutz downgeloadet! Jedem, dem ich über den Weg laufe, gebe ich eines in die Hand, lasse es ihn durchlesen und mir das Einverständnis der Gedächtnisspeicherung quittieren – da bin ich ganz auf der sicheren Seite. Die Formulare beglaubigen mich sozusagen amtlich.“
„Achso, na, das ist natürlich etwas vollkommen anderes. Hast du denn genug von diesen Dokumenten dabei?“
„Habe heute Nachmittag ein ganzes Papierpaket von McPaper durch den Drucker gejagt. Guck, hier im Rucksack.“
„Alles klar! Gib mir doch bitte auch gleich mal ein Exemplar.“
„Gerne.“
„Hast du auch nen Stift?“
„Sicher! Daran soll mein Abend ja nicht scheitern.“
„Da sagst du was. Sicherheit geht vor.“