Einsicht über das Fehlverhalten als Türmann

Schöner Türstehen

Eine Gästin beschwert sich hoch entrüstet per Nachricht an den Club – vor dem ich Freitagnacht meinen Dienst verrichtete – über meinen skandalösen Umgang mit ihr. Ich hätte Sie als „das Letzte“ bezeichnet und meinen Wunsch geäußert, „Sie bitte hier nie wieder sehen zu müssen.“ Und das alles bloß, weil Sie Ihrem edlen Anliegen, „die Welt nicht mit Plastik vermüllen zu wollen“, nachging. Ich hatte Sie zuvor aufgefordert, Ihr Bier in einen der von uns bereitgestellten Becher umzufüllen, wenn Sie die Lokalität zu verlassen beabsichtige.

Soweit durchaus korrekt dargestellt.

Wären da nicht diese kleinen, unscheinbaren Details, die ihr versehentlich bei der Schilderung des Vorfalls entfallen waren: 1. Auf ihre wutschnaubend und speichelsprühende geäußerte Forderung nach einer Alternative zum Plastikbechergebrauch, die ich Ihr gefälligst bieten müsse, erwiderte ich frecherweise: „Dann trink Dein Bier im Club aus, bevor du gehst.“ 2. Auf ihre Frage, „was der Schwachsinn überhaupt solle“, konnte ich nur mit der Gesetzeslage antworten: „Glasflaschenverbot auf dem Kiez. Du zahlst Strafe, wir zahlen Strafe, wenn Du hier mit einem Glasbehältnis hinausmarschierst.“ Gefiel Ihr nicht. Ihr fundiertes Wissen um justitiare Zusammenhänge ließ nur einen Schluss zu: „So ein Blödsinn! Du willst doch bloß den Pfand einstreichen!“ 3. Als ich sie immer noch nicht mit der Flasche hinausließ, stapfte sie vollends erzürnt wieder hinein, holte erst aus, überlegte es sich dann doch anders und verteilte den Inhalt ihres Biergebindes schwungvoll in unserem Eingang. Woraufhin ich mich tatsächlich zu dieser fürchterlichen, ehrabschneidenden, eingangs erwähnten Aussage hinreißen ließ.

Das war natürlich nicht in Ordnung.

Nach einigem Nachdenken, habe ich mein Fehlverhalten aber inzwischen eingesehen und auch eine Handlungsstrategie für zukünftige Fälle dieser Art entwickelt: Selbstverständlich werde ich beim nächsten Mal mit hinausgehen und das Ordnungsstrafengeld aus eigener Tasche begleichen, das die in der Nähe stehende und mit großem Interesse dem Dialog folgende Polizeistreife wegen des Verstoßes gegen die Glasverordnung erheben wird. Denn die Gästin ist schließlich Königin und als dienstleistende Hilfskraft obliegt es meiner Verantwortung, dass die Königin sich zu jederzeit nach eigenem Gutdünken frei in ihrem Königreich bewegen kann. Danke, dass mir das wieder in Erinnerung gerufen wurde. Ich gelobe Besserung!

Der Weg ist das Ziel

Schöner Türstehen. Hamburger Berg. Gestern am frühen Abend auf dem Weg zur Dienstbesprechung im Club. Gezwungenermaßen einer Herde Kieztouris hinterhertrottend, die, in voller Breite aufgefächert, den Gehweg zur Gänze nutzte, wurde ich unfreiwillig Ohrenzeuge folgenden Dialogs zwischen deren „Führungskräften“:

„Du, Siggi, sach ma, sind wir hier wirklich richtig?“ „Ey Ernie, ich sach doch, ich bring‘ uns schon sicher zu dem Stripladen, den uns Karl-Heinz neulich beim Feuerwehrfest empfohlen hat.“ „Woher weißt du denn eigentlich, wo das längs geht?“ „Ich habe letztes Jahr zwei Kiezführungen mitgemacht – ich kenn‘ mich hier aus. Weiß Bescheid wie mit meiner Westentasche.“ „Na, dann …“ „Jo. Und nu gib mir ma‘ das Bier aus’m Kiosk, das du da in deiner Jacke mitschleppst“ „Das is‘ mein letztes!“ „Jetz‘ knicker doch nich wieder so rum! Ich bin der Kiezexperte, du der Versorgungsmann!“

Ich hatte spontan die Idee, die Gruppe auf ihrem Weg filmend zu begleiten. Titel: „Blair Witch Project reloaded“. Oder „Verloren auf dem Berg – eine Seilschaft und ihre Reise ins weiße Nichts“. Oder: „Life of Pi(nneberg): Schiffbruch mit Wegbier“. Alles in einem Take abendfüllend aufgenommen. Das hätte doch was. Drama, Action, Leidenschaft, Verlust, Trauer und Gruppenzusammenhalt. Und die Message: Du darfst nicht aufgeben!

Aber dann musste ich scharf linksschwenken und eine Tür öffnen. Ich war beim Club mit der Persobesprechung angekommen.

Das weitere Schicksal der kenntnisreichen Tourigruppe blieb mir leider verschlossen. Schade.

Schöner Türstehen. Fazit einer langen Schicht

Der hingebungsvolle „0,125-Prozenter“

In der zehnten Stunde einer zwölfstündigen Türschicht mit stattlichem Gästeaufkommen – zunächst ein ausverkauftes Live-Konzert mit rund 300 Gästen und anschließendem lebhaften Laufkundschaftsbesuch von geschätzt 500 Gästen, die in die Location hinein, hinaus und wieder hinein wuseln -, stellt sich beim Türpersonal so langsam eine verblüffende Erkenntnis ein: Die partywillige Masse präsentiert sich erstaunlich gesittet. Nahezu alle sprechen freundlich grüßend am Eingangsportal vor, kaum jemand diskutiert über Gebühr, bevor er sich von seinem mitgebrachten Getränk trennt, kein Machomann plustert sein Gefieder gänzlich auf und die Kippen werden schon bei der ersten Ansage auf dem Nichtraucherfloor gelöscht.

Türpersonen macht so etwas unruhig – denn schließlich ahnt der Security-Mitarbeiter: Das dicke Ende kommt noch. Und es wird umso adipöser, je länger es dauert, bis es endlich eintrifft.

Doch dann ist er hilfreich zur Stelle: Der eine Gast, der alles Negative bündelt und vorsorglich partyreinigend auf sich nimmt. Er holt mittig platziert auf dem Dancefloor seinen Dödel heraus, erleichtert sich hingebungsvoll und schüttelt hernach ordnungsgemäß ab. Flugs per Alarmtaste herbeigerufen, nimmt der Türmann den Urinhelden beiseite, erläutert ihm die Aspekte und Folgen der gesellschaftlich nicht anerkannten Blasenentleerungsmethode, fängt den sofortig wild herumfuchtelnden Fliehenden wieder ein und verbringt ihn sorgsam horizontal treppab aus der Clubtür hinaus.

Vor der Location angekommen, verweigert der zum Nichtgast Beförderte sowohl seine neue „Draußen vor der Tür“-Stellung im Partygeschehen als auch die Entgegennahme des Hausverbots. Immerhin kommt er der Aufforderung, sein primäres Geschlechtsorgan nun zumindest bitte wieder gesellschaftskonform zu verstauen, widerwillig nach. Den Hosenstall lässt er aber offen. Zur besseren Belüftung. Will nun jedoch wissen, was er denn Schlimmes getan hätte. „Auf den Dancefloor gepinkelt“. „Ja nee, das kann ja gar nicht sein.“ „Sein „Teil“ vor anderen Gästen herumgeschwenkt“. „Quatsch“. „Der Aufforderung, den Club zu verlassen, nicht nachgekommen.“ „Du hast mir gar nichts zu sagen.“ „Hausrecht“. „Ja klar, weil du ein scheiß Nazi bist, der Macht ausüben will, weil er in der Schule zu doof war.“ „Beleidigung“. „Quatsch“. „Schon wieder Herumfuchteln vor dem Gesicht des Securities“. „Ich kann hier so lange stehen, wie ich will.“

Dann plumpst er auf seine vier Buchstaben. Springt wie ein Kastenteufel wieder auf, steht erneut armschwenkend vor dem Türmann. Pardauzt erneut auf sein Hinterteil. Diesmal mit deutlich erhöhter, abrupt handflächig herbeigeführter Durchblutung der linken Wange. Rappelt sich auf. Wird aber sogleich von einem anderen Türmann eingefangen, vorbeugend weggeschoben und richtungsvorschlägig die Straße hinuntergeschickt. Zeigt sich nun doch einsichtig und taucht im Verlaufe der Restnacht auch nicht wieder auf.

Ich zolle im Nachgang der Opferbereitschaft des Schwengelmannes meinen Respekt. Nahm er doch die große Aufgabe, der eine von achthundert zu sein, der jegliches Fehlverhalten in sich bündelt, auf sich, um allen anderen eine schöne, freundliche Party zu ermöglichen. Einer von achthundert, das sind gerade einmal 0,125 Prozent.

All hail the „0,125“-Percenter! 😄

Auf der Bühne

Ein kleiner Rückblick auf meinen Auftritt beim Hamburger Comedy Pokal 2018 im Schmidt’s Tivoli

Themenwoche Gerechtigkeit

Der NDR bat im Rahmen einer Themenwoche um Antworten rund um „Gerechtigkeit“. Auch ich durfte Rede und Antwort stehen.

ARD Themenwoche „Gerechtigkeit“

Radio-Interview

Link zu N-JOY

Jörg Thadeusz hat mich neulich rund um die Themenlage des Nachtlebens und der Türsteherei interviewt. Heute Abend um 21 Uhr wird es ausgestrahlt. Allerdings kann man es aber auch bei Interesse in der Mediathek hören.  #thadeusz #türstehen #JörgThadeusz #ViktorHacker #ZeitfürZorn #njoy #n-joy

Ungerecht herabgesetzt

Schöner Türstehen. „Das is‘ Altersdiskriminierung, sach ma!“, beschwerte sich der junge, weiße, mutmaßlich heterosexuelle männliche Gast mit schwerer, bereits gründlich alkoholeingeweichter Zunge, als ich seinen Ausweis auf Volljährigkeit prüfte. „Ich befürchte, es wird sogar noch schlimmer“, entgegnete ich, „nach dem nächsten höherprozentigen Drink in unserem Club werde ich dich voraussichtlich auch noch trunkenheitsdiskriminieren und ausgrenzend nach Hause schicken.“

Bewerten Sie!

Nein, lieber universeller Algorithmus, ich habe keine Lust, jedes frisch erworbene Paket Toastbrot, jeden Aufenthalt im Fitnessstudio, jeden Gang zur Imbissbude zu bewerten.

Eigentlich möchte ich bloß still an einem See sitzen. Oder am Meer. Aber wahrscheinlich wirst du mich hinterher gleich fragen, wie ich das Wellenerlebnis fand, ob der Sand körnig genug war und wie viele Sterne ich dem Sonnenuntergang verleihe.

Heute Abend stehe ich wieder vor meiner Kieztür. Da kannst du dann die Gäste befragen, die ich wegen sturer Qualmerei im Nichtraucherbereich aus dem Club geleiten werde, wie sie den Rauswurf fanden. Ob er eloquent vonstatten ging, warum er überhaupt stattfand, wo sie doch eigentlich gar nichts gemacht hätten. Zumal die Regeln doch völlig doof sind, in die sie zuvor mit ihrem Betreten der Location eingewilligt hatten.

Von Gästen lernen

Schöner Türstehen. Nachdem ich der bereits nachhaltig ermahnten, hartnäckigen Raucherin im Nichtraucherbereich letzte Nacht einen fürsorglichen Türhinausbringservice angedeihen ließ, reagierte sie konsequent und erteilte mir vorm Eingang ein Hausverbot für den Club.
 
Zum Glück weiß ich dank langjähriger Kiezbesucherbeobachtung ganz genau, was jetzt zu tun ist.
 
Ich werde Sie an ihrem Arbeits-/Studiumsplatz besuchen und über mehrere Stunden vollquatschen. Dabei abwechselnd leugnen, irgendwas gemacht zu haben, Sie als Türnazi(in) beschimpfen, herumheulen, dass Sie voll gemein sei, versuchen einfach an ihr vorbeizumarschieren, ihr den Kaffee wegnehmen, abstreiten, den überhaupt angefasst zu haben, ihr ganz dicht auf die Pelle rücken, dabei erläutern, dass Sie mich nicht anfassen dürfe, wiederholt versuchen, Ihr ins Gesicht zu grapschen, Sie als Gewalttäterin beschimpfen und mit der Polizei drohen, wenn Sie versucht meine Hand wegzuschieben. Ihren Kollegen und Kolleginnen/Kommilitonen und Kommilitoninnen erläutern, dass Sie eine *hier Beleidigung einfügen* sei, Sie mich diskriminieren würde, die Regeln alle scheiße seien, ich Sie selbstverständlich nicht beleidigt hätte, ich hätte schließlich im Gegensatz zu Ihr etwas Ordentliches gelernt, versuchen, mich mit Ihr anzufreunden und, wenn Sie das ablehnte, Sie eine *hier Beleidigung einfügen* sei und unablässig fragen, was ich eigentlich gemacht hätte und entgegnen, ich hätte gar nichts gemacht, bevor Sie antworten kann und Sie voll Kagge sei und was überhaupt Ihr Problem sei. Anschließend räume ich alles ab, was auf ihrem Schreibtisch steht und schreie dabei so laut ich kann herum.
 
Wollen doch mal sehen, ob ich Sie damit nicht von meinem Wohlverhalten überzeugen kann, alles ein Irrtum sei, und sie selbstverständlich mein Hausverbot wieder aufhebt.

Der verschollene Rucksack

Schöner Türstehen (throw back). Da gestern Nacht nur durchweg verhaltensfreundliche Gäste bei uns im Club waren, die sich clever und smart durch die Partynacht bewegten, damit aber leider keinen Ansatz für eine humoristische Nachbetrachtung boten, hier nun ein Dialog-Klassiker aus der Vergangenheit: Der verschollene Rucksack.
 
„Sach ma, bist du der Türmann?“
„Jup, du vermutest richtig. Wie ich befürchte.“
„Mein Rucksack ist weg!“
„Oh, das tut mir leid.“
„Ich habe ihn bei der Garderobe abgegeben und jetzt ist er weg!“
„Du hast ihn bei der Garderobe abgegeben?“
„Ja. Und jetzt ist er nicht mehr da.“
„Du hast deine Marke vorgezeigt und die Garderobenperson konnte ihn nicht finden?“
„Welche Marke?“
„Die Garderobenmarke, die dir bei der Abgabe deines Rucksacks ausgehändigt wurde.“
„Ich habe keine Marke. Hey, mein Rucksack ist weg! Jetzt mach‘ doch mal was!“
„Du bist wirklich ganz sicher, dass du deinen Rucksack bei der Garderobe abgegeben hast?“
„Ja, doch! Ich habe ihn vorhin direkt neben dem Garderobentresen auf dem Boden abgestellt und bin auf dem oberen Floor tanzen gegangen. Und als ich jetzt wieder loswollte, war der Rucksack weg! Das geht doch nicht!“
„Äh …“
„Der stand da vorhin noch und jetzt ist der nicht mehr da. Wer ersetzt mir denn das?“
„Ich fürchte …“
„Und da war außerdem noch ne fast volle Flasche Cola-Korn-Mische drin. Die ist jetzt auch weg! Kannst du dich dazu mal äußern? Du bist doch hier für die Sicherheit und die Gäste verantwortlich!“
„Nun, genau das ist oft mein Problem …“
 
Es bleibt schwierig …