KOLARI: „Mainline Your Job“

Neulich hatte ich das größtmögliche Vergnügen, in einem Video einer von mir hochgeschätzten Band mitwirken zu dürfen: KOLARI. Heute war der Releasetermin! Ich empfehle dringend einen Besuch des bandeigenen YouTube-Kanals, eines Auftritts der Jungs und vor allem auch den Erwerb des neuen Albums „Fear/Focus“ – es lohnt sich, denn die Jungs sind sehr gut! 😀

Heiligabend. Mal nicht als Freibeuter greifbar

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heiligabend. 19.30 Uhr. Mit Freunden, Patenkindern und überhaupt super Menschen an einem Tisch herumspaßend, der mit leckeren Sachen und wunderbarem Wein bestens bestückt ist. Das Smartphone brummt hartnäckig vor sich hin. Ein neugieriger Blick offenbart: E-mail eines potentiellen Kunden. Ob man kurz eine Demo für einen Sprecherauftrag aufnehmen und schicken könne?

Na, aber sicher doch. Allerdings nur für die Rolle eines leicht trunkenen Weihnachtsmannes.

Ja nee, es ginge um den Off-Kommentar eines Erklärfilms über Mitarbeiterführung und betriebliche Motivation.

Ach echt? Dürfe man denn dort leicht geschärfte Ironie und etwas zitronensauren Sarkasmus in die Stimme einfließen lassen?

Verstehe ich nicht, sagt der Kunde.

Das glaube ich gern, schreibe ich, und schenke mir selbst nochmal reinen Wein ein, während ich mein Telefon abschalte und ebenso leise wie sicher in der Hosentasche verschwinden lasse …

Frohe Weihnachten. Nä.

Der Geheimkunde

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Der Geheimkunde

Seit ein paar Tagen erhalte ich Anrufe von einem potentiellen Kunden. Er möchte gern, dass ich ihm einen Off-Kommentar für sein Firmen-Imagevideo produziere. Nichts täte ich lieber als das. Falls wir uns handelseinig bezüglich der Vergütung würden.

Leider schreibt er mir keine e-mail, sondern ruft lediglich wiederholt an. Auf dem Festnetz. Das analoge Telefon und der dazugehörige Anrufbeantworter stehen dinosaurierartig in der Ecke des Vergessens meines Arbeitszimmers und bezeugen den langen Lauf der Zeit.

Er spricht immer dringlicher auf den AB.

Möchte gern zurückgerufen werden, um mir dann alle Infos per e-mail zukommen zu lassen. Er braucht hierfür vorher den persönlichen Kontakt. Sagt er. Auf dem Anrufbeantworter.

Auf das Hinterlassen einer Nummer, unter der ich mich zurückmelden könnte, verzichtet er. Wahrscheinlich aus Datenschutzgründen. Gehört wahrscheinlich zu der paranoiden Spezies, die auch immer die e-mails gleich nach dem Lesen löscht. Und später nicht mehr nachschauen kann, was man ihr schrieb.

Die Firma nennt er nicht. Und seinen Namen vernuschelt er dermaßen, dass sich ein Versuch, ihn zu „googeln“ überdies auch nicht anbietet.

Er wird wohl für immer ein geheimer Kunde bleiben.

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Korrekturphasen

 

Trotz sorgfältigster Prüfung des Produzierten unterlaufen selbst dem gewissenhaftesten freiberuflichen Sprecher natürlich auch einmal Fehler. Vom Kunden beispielsweise auf eine falsche Aussprache* im Off-Kommentar oder dem Voice Over hingewiesen, wird er dies aber ebenso bereitwillig wie zügig korrigieren.

Textänderungen sind jedoch keine Korrekturen, sondern Neuaufträge. Auch im Sinne des Zeitfaktors sollte die Lieferung eines endgültig freigegebenen Sprechertextes dem „work in progress“ vorgezogen werden. Überdies erspart sich der Kunde dann Diskussionen mit dem Freiberufler à la „Wie, das ist eine neue Produktion und ich muss noch einmal dafür bezahlen? Wir haben doch bloß einen neuen Text geliefert – das Thema bleibt doch das selbe!“

*(Nein nein, lieber bayerischer Auftraggeber, „zwanzich“ ist tatsächlich die korrekte Aussprache nach Standardlautung ihres mundartlichen „zwanzick“. Und das Wort „Kinesen“ gibt es so ebenfalls nicht – die richtige Form dieser Berufsbezeichnung im Bereich der Physik lautet „Kinetiker“.)

Vorsprung durch Technik

Willy Tel. Der Internetzugang inklusive Telefon und allem ist seit fünf Uhr morgens tot. Zum Glück hatte ich den Großteil der eingesprochenen Audiofiles schon gestern Nacht um halb vier nach fertigem Schnitt an den Kunden abgeschickt. Die Techniker bei Willy Tel versichern mir: Der Fehler ist bekannt und in wenigen Momenten behoben. Sie versichern es mir seit heute morgen um sieben. Stündlich.
Der Kunde wartet auf die restlichen Off-Kommentare. Noch wäre aber Zeit. Wie er mir halbstündig versichert.
Wie in der Freiberuflerbranche üblich, wird mir der Kunde am Ende sagen: „Technische Probleme sind höhere Gewalt, da kann man nichts machen.“ Und sich für den nächsten Auftrag einen anderen suchen. Der zudem für weniger Geld arbeitet – wie in der Sprecherbranche üblich.
Es lebt sich spannend und wird nie langweilig im Digitalen Sozialdarwinismus.

Vom zivilisierten Umgang mit Freiberuflern und Selbstständigen

Heute: Ausspracheberatung seitens Firmeninhaber

Lieber Agenturbesitzer, ich weiß, beratungsresistente Freiberufler wie ich können zum „pain in the ass“ werden. Ich habe Sie ja bereits mit meiner Weigerung, „ckemische Prozesse“ ins Mikro zu sprechen, leidlich geprüft, aber nun muss ich Ihnen bedauerlicherweise erneut abschlägig entgegentreten.

Die ihrerseits vorgeschlagene Variante „schemische Prozesse“ wird mir ebenfalls nicht im beruflichen Zusammenhang über die Lippen kommen.

Als erzkonservativer Traditionalist halte ich hartnäckig an der Standardlautung „chemische Prozesse“ fest. Ich möchte nicht „bayerisch“, „hessisch oder „nordniederdeutsch“ reden, sofern kein zwingender Dialektzusammenhang besteht.

Ich bitte diesbezüglich um Verständnis. Denn meine Stimme transportiert nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form. Sie bauen die Rechtschreibfehler in Ihren e-mails ja auch nicht absichtlich ein und setzen dann Ihren Namen darunter …